Schalla-Prozess: Weitere Anträge der Verteidigung verzögern das Urteil

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Nach mehrwöchiger Pause ist am Landgericht der Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla fortgesetzt worden. Statt der Plädoyers hörten die Zuschauer aber neue Beweisanträge.

Castrop-Rauxel, Dortmund

, 24.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verteidiger des Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel sind vor allem mit dem bisherigen Gutachten eines Handchirurgen nicht einverstanden. H. behauptet, seit Ende der 1970er-Jahre schwer an beiden Daumen verletzt zu sein. Daher sei er gar nicht in der Lage, einen Menschen zu erwürgen.

Neues Handgutachten?

Weil der Gutachter jedoch nicht zu dem gleichen Untersuchungsergebnis gekommen ist, beantragen die Rechtsanwälte Gencer Demir und Christian Dreier nun, einen weiteren Sachverständigen ausfindig zu machen und einzusetzen. Richter Peter Windgätter zeigte sich in dieser Frage jedoch am Montag äußerst skeptisch. „Das geht nur, wenn dargelegt wird, dass ein weiterer Gutachter über eine überlegene Sachkenntnis verfügt.“ Und das sehe er bisher nicht.

Darüber hinaus wollen die Verteidiger auch in der DNA-Frage weitere Untersuchungen anstrengen. Zum Hintergrund: Dass an der Leiche von Nicole-Denise Schalla die DNA des Angeklagten sichergestellt werden konnte, steht fest. Darüber hinaus fanden die Ermittler an der Kleidung der Toten aber noch zwei weitere Spuren einer bisher unbekannten männlichen Person und außerdem am Tatort zwei blonde Haare.

DNA soll neu untersucht werden

Diese Haare konnten nicht mehr auf die DNA, sondern nur noch hinsichtlich der Blutgruppe des Trägers untersucht werden. Ergebnis: Sie weisen Merkmale der Blutgruppe B auf. Verteidiger Dreier meint nun folgendes: Würde man die unbekannte DNA auch noch hinsichtlich der Blutgruppe untersuchen und käme dabei auch Blutgruppe B heraus, könnte man ziemlich sicher sagen, dass der unbekannte blonde Mann der Mörder sei. Ralf H. habe jedoch braune Haare. Dass sein Mandant darüber hinaus aber auch Blutgruppe B hat, erwähnte Dreier am Montag nicht noch einmal.

Ob die Richter den Anträgen der Verteidigung nachgehen, soll sich wahrscheinlich schon am Donnerstag zeigen. Dann wird die Verhandlung fortgesetzt. Sollten die Anträge abgelehnt werden und die Verteidiger keine neuen stellen, könnte dann theoretisch plädiert werden. Ob es aber wirklich so kommt, steht völlig in den Sternen.

Zwei Zeugen erinnern sich nicht

Weitere Zeugen dürften indes nicht mehr gehört werden. Am Montag vernahmen die Richter auf Antrag der Verteidigung einen früheren Bewährungshelfer von Ralf H. und einen Bekannten der Justizvollzugsanstalt Werl, der mal vor vielen Jahren versucht haben soll, den Castrop-Rauxeler zum Bäcker auszubilden.

Beide Zeugen gaben an, das Gesicht von Ralf H. wiederzuerkennen. Mehr falle ihnen zu dieser Person aber leider nicht mehr ein. „Das ist ja auch eher 30 als nur 25 Jahre her“, sagte der Bewährungshelfer.

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