Schallplatte prägte das Leben dieses Sammlers

Leser aus Castrop-Rauxel

Johannes Delmere ist Schallplatten-Enthusiast. Noch heute kauft der Sammler jede Woche neue Platten - die Sammelwut nimmt kein Ende. Er reiste zu Konzerten durch die Welt und lernte die Musiker und Freunde kennen. Eine Platte hat sein Leben besonders geprägt.

CASTROP-RAUXEL

22.05.2017, 11:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schallplatte prägte das Leben dieses Sammlers

Die Schallplatte der Rolling Stones hat das Leben von Johannes Delmere geprägt.

Meine erste selbstgekaufte Schallplatte war Anfang der 70er-Jahre „The Best of Tyrannosaurus Rex“, gleich gefolgt von „Ride a White Swan“. Glam stand vor der Tür und wollte reingelassen werden, „Deborah“ war ein Riesenlied. In der „Discothek im WDR“ gab es auch schon weitere Lieder von den beiden. Natürlich habe ich beide Platten noch, totgenudelt, aber noch spielbar, lange nicht gehört.

Danach brach die Sammelwut aus und es wurde versucht, mit beschränkten Mitteln alles zu bekommen, was möglich war. Damals gab es noch Preisbindung: 22 DM die LP und 6 DM die Single. Es hat bis heute nicht aufgehört: Auf dem Wohnzimmertisch liegen gerade circa 100 CDs und 15 bis 20 Schallplatten. Die Beute der vergangenen Wochen.

Eine Platte der Rolling Stones verändert sein Leben

Die wohl wichtigste LP für den weiteren Verlauf meines Lebens habe ich mir 1974 gekauft. Ich war von meiner Mutter mal wieder zum Friseur geschickt worden, Fassonschnitt, na klar, völlig uncool damals für einen 16-Jährigen. Neben dem Friseur war ein Plattenladen. Als ich nach vollbrachter Verstümmelung aus dem Friseurladen herauskam und auf die Tür des anderen Ladens starrte, hatte man dort gerade eine neue LP zu Werbezwecken in die Glastür gehängt.

Die Götter des Rock, die „Rolling Stones“, soeben vom Olymp heruntergestiegen zu meiner Rettung, blickten mich an. Ich konnte nicht anders, bin rein und habe sie gekauft. 13 DM  für absolute Glückseligkeit, also das Album „It’s Only Rock ‘n‘ Roll“. „Luxury“, „Time Waits for no-one“, „Short & Curlies“, „If you can’t rock me“ und was da alles drauf war. Der Titelsong wurde irgendwann mein Lied des 20. Jahrhunderts. 

Freunde und den Trauzeugen auf Reisen kennengelernt

Ich habe seitdem wirklich alle Sachen der Band gesammelt, sie ziemlich oft live gesehen und durch das Reisen Freunde und Bekannte in aller Welt gefunden. Ohne diese Platte wäre ich wahrscheinlich heute nicht das, was ich bin, hätte meinen Trauzeugen nicht kennengelernt und würde nicht selbst auf einigen Produktionen anderer Musiker als Mitwirkender genannt sein und den Nachlass verstorbener Musiker begleitend verwalten. Und Stones-Fan Deborah White hätte im Jahr 2007 nicht ihre Bilder in der Galerie „art.ist“ am Altstadtmarkt ausgestellt.

Man darf nie vergessen, dass eine Platte, genau so wie eine CD oder ein mp3, nur das Medium war, um die Musik festzuhalten und reproduzierbar zu machen, um sie wieder und wieder zu hören. Im Radio lief das Lied nur, wenn man Glück hatte oder wenn es zu bestimmten Zeiten in bestimmten Hitparaden gespielt wurde. Platten machten die Musik zum ständig abrufbaren Begleiter.

Platte und Cover ergeben die Gesamtbotschaft

Die Musik war wichtiger als das Cover, aber beides gehörte doch irgendwie zusammen. Alben hatten eben diese Größe, dass man mit ihnen auch weitere Botschaften transportieren konnte. CDs können das nicht leisten, Musik-Files schon gar nicht. Platte und Cover zusammen gaben die Gesamtbotschaft: Ich bin, was ich höre. Heute so drauf, morgen so und übermorgen wieder anders.

Wie lautet Ihre Plattengeschichte?
> Schreiben Sie uns eine E-Mail, in der Sie Ihre Geschichte erzählen. Gern mit einem Foto von Ihnen und Ihrer Platte.
lokalredaktion.castrop@mdhl.de
> Kommen Sie in die Redaktion, bringen Sie die Platte mit und erzählen uns persönlich Ihre Geschichte. Lokalredaktion
Am Markt 8, Castrop

Lesen Sie jetzt