Scharfe Kritik wegen Totenkopf-Abzeichen auf Ordnungsamts-Weste

rnPunisher-Symbol

Entrüstung um ein Totenkopf-Abzeichen auf einer Weste beim Kommunalen Ordnungsdienst in Castrop-Rauxel: Mehrere Bürger kritisieren das Zeichen scharf. Die Stadt hält die Sache für geklärt.

Castrop-Rauxel

, 30.10.2020, 13:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darf ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes auf einer städtischen Uniform tragen, was er will? Diese Frage ist gerade in Castrop-Rauxel in aller Munde. Denn durch ein Foto unserer Redaktion ist nun eine heftige Diskussion entbrannt über ein Emblem auf der Jacke eines städtischen Angestellten, das einen Totenkopf zeigt. Und nicht einfach irgendeinen.

Das Emblem ähnelt dem Totenkopf aus einer Serie auf Netflix mit dem Namen „Punisher“ („Bestrafer“). Beschrieben wird diese Serie im Internet so: Ein ehemaliger Soldat befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen die Mörder seiner Familie und wird in eine militärische Verschwörung hineingezogen. Er ist gewalttätig, foltert, tötet selbst – und trägt ein Totenkopf-Emblem auf seiner Kleidung.

Dieses Abzeichen auf der Weste des Mannes vom KOD (Kommunaler Ordnungsdienst) war deutlich sichtbar auf einem Foto, das unsere Redaktion erstmals am 13. Oktober veröffentlicht hat. Damals berichteten wir über die Maskenpflicht und deren Einhaltung am ersten Tag ihrer Geltung. Wir trafen dabei auf drei Mitarbeiter des KOD, die freundlich, aber bestimmt auf die Pflicht in der Fußgängerzone hinwiesen.

Weißer Totenkopf auf schwarzem Grund

Oben auf der schwarzen Weste prangte der Schriftzug „Ordnungsamt“, darunter das Castrop-Rauxeler Stadtwappen. Und bei einem Mann direkt darunter der umstrittene „Patch“ (Aufnäher): weißer Totenkopf ohne Unterkiefer auf schwarzem Grund.

Im Dienste des Ordnungsamts Castrop-Rauxel kontrollierten diese drei Mitarbeiter die Einhaltung der Maskenpflicht in der Fußgängerzone.

Im Dienste des Ordnungsamts Castrop-Rauxel kontrollierten diese drei Mitarbeiter die Einhaltung der Maskenpflicht in der Fußgängerzone. © Matthias Langrock

Erst nach einem weiteren Bericht über die Aufstockung des Ordnungsdienstes auf nunmehr zwölf Personen und die Antwort auf unsere Frage, wie viel Bußgeldverfahren wegen Corona-Verstößen sie bereits eingeleitet haben, kam am Donnerstagabend nun die Diskussion um das Abzeichen auf. „Sorry“, kommentierte Sascha Ratajczak am Donnerstag auf Facebook unter unserem Bericht in Bezug auf das Foto: „So ein Auftreten geht gar nicht! Ich finde es aggressiv und provokant.“

Ähnlich äußerte sich der Castrop-Rauxeler FDP-Chef Nils Bettinger in einer Stellungnahme: „Die Mitarbeiter sehen optisch grundsätzlich schon sehr einschüchternd aus. Wenn man es nicht genauer weiß, könnte man sogar meinen, sie seien mit Schusswaffen ausgerüstet. Im Sinne der Sicherheit der Mitarbeiter ist das aus meiner Sicht auch vertretbar. Was aber nicht geht, ist eine zusätzliche mögliche Einschüchterung der Bürger durch Totenkopfsymbole über dem Stadtwappen.“

Hier müsse ganz klar erkenntlich bleiben, „dass hier keine private Bürgerwehr oder privater Sicherheitsdienst unterwegs ist, sondern Angestellte der Stadt“.

„Fatale Erinnerung an eine verbrecherische Organisation“

Leser Reiner Fuest erinnert das Abzeichen „fatal an eine verbrecherische Organisation des 3. Reiches“. Es sei „nicht hinnehmbar, dass seine Dienstvorgesetzten und die Kollegen dieses ohne Problembewusstsein widerspruchlos über einen unbestimmt langen Zeitraum hingenommen haben“.

Dem widerspricht die Stadtverwaltung: Sowohl Bürgermeister Rajko Kravanja als auch die Stadtpressestelle sagen, man habe „mit dem Kollegen letzte Woche schon gesprochen“. Sprecherin Uta Stevens: „Auf den Dienstkleidungen der Stadtverwaltungen sind keine privaten Abzeichen anzubringen. Es wurde abgenommen.“

Kravanja kommentiert bei Facebook: „Wir haben das inzwischen geregelt. Das Foto ist aus der letzten (vorletzten?) Woche, inzwischen sind die Symbole nicht mehr auf den Jacken.“

Jacken schützen Träger vor Angriffen

Bei der Jacke, auf der es prangte, handelt es sich um eine Stichschutzweste. Zudem tragen die geschulten Mitarbeiter ein Gerät bei sich, das wie eine Pistole aussieht, aber Tränengasgel versprüht, wie Uta Stevens auf Nachfrage erklärt.

„Und sie führen einen Teleskop-Schlagstock mit sich. Sie müssen dafür im Umgang und mit der Rechtslage vertraut sein, wann und wie es einzusetzen ist. Sie haben regelmäßig Schulungen“, so Stevens.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt