Schizophrener Angeklagter soll Autos beschädigt haben

Prozess am Amtsgericht

Ein 47-Jähriger soll mehrere Autos beschädigt haben. Deshalb stand er als Angeklagter vor Gericht. Doch der Mann ist schwer krank. Das belegen sein Arzt und ein Sachverständiger.

Castrop-Rauxel

, 09.03.2019 / Lesedauer: 2 min

Weil er von Passanten beleidigt worden ist, will er zugeschlagen haben. Nicht auf Menschen, auf Blech. Ein Auto musste dran glauben. Andere waren aber vermutlich nicht dabei. Der 47-Jährige ist krank, leidet an paranoider Schizophrenie. Was sowohl sein behandelnder Arzt, der von der Schweigepflicht entbunden war, wie auch der Sachverständige, ein Nervenarzt aus Dortmund, vor Gericht bestätigten.

Die Anklage im Amtsgericht warf ihm Sachbeschädigung in zwei Fällen vor. Im März die Beschädigung eines parkenden Nissan, wo er einen Außenspiegel abgebrochen und vors Auto getreten haben soll. Im August ein Mercedes, dem er an der Fahrerseite eine Schramme verpasst hat. Schaden: knapp 1500 Euro.

Zeuge erkannte den Mann

„Wie kommt der drauf, dass ich sein Auto zerkratzt habe?“, fragte der Angeklagte. Und wusste es vielleicht selbst nicht mehr. Dennoch: „Er war es hundertprozentig“, sagte der Zeuge. Die Diskrepanz der Aussagen spiegeln das Krankheitsbild wider.

So erklärte der behandelnde Arzt, dass sein Patient fast ständig Stimmen höre, unter Wahn-Vorstellungen leide. Mit realen Menschen habe er dagegen Probleme, meide Kontakte, sei kaum in der Lage, auf Fragen zu antworten. Ein Grund sei, so der Arzt, die zu niedrige Dosis der notwendigen Medikamente. Eine Kurzdiagnose, die durch das Verhalten des Angeklagten im Gerichtssaal bestätigt wurde.

Mann kann seine Impulse nicht steuern

Auch der vom Gericht bestellte Nervenarzt untermauerte diese Beschreibung. „Er hat wahnhafte Gedanken, man kann nicht erwarten, dass er seine Impulse steuern kann. Er ist ein schwer kranker Mensch“, so der Sachverständige. Der wollte nicht ausschließen, dass die Ausraster, die sich bislang gegen Sachen richteten, auch Personen treffen könnten.

Eine Untersuchung bzw. ein Gespräch mit ihm habe der Angeklagte verweigert. Dennoch war der Arzt überzeugt, dass es dem 47-Jährigen mit der richtigen Dosierung seiner Medikamente besser gehen könnte. So aber war der Angeklagte schuldunfähig – das bedeutete Freispruch.

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