Schlüsseldienst kostet Habinghorster fast 600 Euro

Abzockermasche?

581,43 Euro hat Wilhelm Netz bezahlt. An einen Schlüsseldienst, der ihm einfach nur die ins Schloss gefallene Haustür an der Hannemannstraße wieder öffnen sollte. An einem völlig normalen Werktag zu einer völlig normalen Arbeitszeit. Mit Posten auf der Rechnung, bei der man fragen kann: Ist das auch normal?

HABINGHORST

, 29.05.2017, 11:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Doch mit dieser simplen Arbeit, die in wenigen Minuten und wenigen Handgriffen zu erledigen wäre, gab sich der Schlüsseldienstmann nicht ab. Der bohrte gleich den Schüsselzylinder auf, tauschte das Schloss aus, fuhr mit dem 81-jährigen Netz noch zur Bank und sackte die unglaubliche Summe dort direkt in bar ein.

159 Euro für die Tür-Notöffnung, 49,90 Euro Betriebskosten, 19,90 Euro Mehrarbeit, 180 Euro für einen neuen Profilzylinder und 79,80 Euro für zwei Schlüssel nahm der Hagener Schlüsselmann dem vom Donner gerührten Wilhelm Netz ab, natürlich plus Mehrwertsteuer, also oben erwähnte 581,43 Euro.

Was war passiert? 

Wilhelm Netz, der seit dem Tod seiner Ehefrau allein in seiner Doppelhaushälfte unweit der Wartburgstraße wohnt, hatte beim kurzen Gang vor die Tür seinen Schlüssel vergessen. Ein Windstoß und zu war die Tür. „Ich bin dann rüber zu meiner Nachbarin und wir haben zusammen aus dem Telefonbuch einen Schlüsseldienst mit Adresse in Castrop-Rauxel gesucht, der soll an der Bahnhofstraße sein“, erzählt Wilhelm Netz.

Schlüsselmann aus Hagen und nicht aus Castrop-Rauxel

Wer kam, war dagegen ein Schlüsselmann aus Hagen, der, so gibt Netz zu, ihn wohl ziemlich zugetextet habe. „Ich war ja auch in einer Drucksituation, wollte wieder in mein Haus und habe dann eben gesagt, er soll das machen“, weiß Netz rückblickend genau, wo er den Fehler gemacht hat.

„581 Euro, da habe ich schon geschluckt“

Denn der Hagener Handwerker fackelte nicht lange und setzte sofort den Bohrer an. Die Tür war dann auf, sollte es aber natürlich nicht bleiben. „Darum habe ich dem Einbau des neuen Zylinders zugestimmt“, so Netz.

Die Rechnung, die ihm der Mann präsentierte, habe ihn dann aber umgehauen. „581 Euro, da habe ich schon geschluckt“, so Netz. So viel Geld habe er ja gar nicht im Haus, habe er dem Mann gesagt. Das sein kein Problem, er fahre ihn gern zu seiner Bank. Und so geschah es. Netz hob das Geld ab, zahlte. Und ärgerte sich.

Schlüsseldienstmann nutzt Hilflosigkeit aus 

Noch viel mehr aber ärgert sich seine Enkelin Sarah Netz. „Das ist doch unglaublich, was da für eine Abzocke gelaufen ist, wie der Mann die Hilflosigkeit meines Opas ausgenutzt hat.“ Das sieht auch Rose Sommer von der örtlichen Verbraucherzentrale so. „Das ist schon ein sehr dreister und besonders teurer Fall. Leider hat Herr Netz bezahlt, das wird daher nur über eine Klage vor Gericht anzugehen sein.

Das Arbeitsentgelt lässt sich eh nur schwer wieder einklagen, aber das völlig überteuerte Ersatzteil, das Schloss, da sollte sich schon was machen lassen.“ Das hofft auch Sarah Netz, die ihren Großvater vom Gang zum Anwalt überzeugen möchte.

Andere Menschen vor Masche warnen

„Vor allem ist es aber wichtig, dass andere Menschen vor dieser Masche gewarnt werden“, so Sarah Netz. Dem wiederum kann Rose Sommer nur zustimmen: „Am Besten kommt man gar nicht erst in die Situation, im Notfall einen x-beliebigen Schlüsseldienst rufen zu müssen.

Rechtzeitig seriösen Schlüsseldienst suchen 

Man sollte sich rechtzeitig einen seriösen Schlüsseldienst hier vor Ort suchen und sich die Telefonnummer bereit legen für den Ernstfall“. Dann sei man bei einer einfachen Türöffnung ohne steckendem Schlüssel vielleicht mit 60 oder 90 Euro dabei (plus möglicher Sonntags- oder Nachtzuschläge). Aber eben nicht bei fast 600 Euro.

Drei Fragen an Rose Sommer von der Verbraucherberatung

Was kann man gegen eine solche Abzockmasche tun?

Bloß keine der AAA-Schlüsseldienste ohne Festnetznummer und Adresse rufen. Das kann sonst sehr teuer werden.

Sondern? Was tue ich?

Rechtzeitig einen örtlichen Schlüsseldienst suchen. Wir haben 15 davon aus Castrop-Rauxel und der näheren Umgebung mal bei einem Marktcheck angeschrieben und um Nennung ihrer Preise für eine einfache Türöffnung (Tür nur ins Schloss gefallen) gebeten.

Vier unserer Briefe kamen als unzustellbar zurück (trotz vollständiger Adresse) und nur drei Anbieter haben auf unser Schreiben geantwortet. Es zeigt sich also, dass auch hier Vorsicht geboten ist.

Und was mache ich dann im konkreten Fall?

Schon am Telefon, wenn es geht in Anwesenheit eines Zeugen, nach dem zu erwartenden Preis fragen. Wir der dann später weit überschritten, kann ich zur Not dagegen vorgehen.

Von den Steuern absetzen 
Steuerzahler dürfen die Kosten für einen Schlüsseldienst in ihrer Einkommensteuererklärung absetzen. Dies geht aus einem Antwortschreiben des Bundesfinanzministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervor (Bundestags-Drucksache 18/11220).
„Damit stellt das Ministerium klar, dass der Steuerbonus für Handwerkerleistungen auch für das Öffnen einer Haustür gewährt wird“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

 

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