Der "Gadslerkandidatix" Karsten Majewski hat es nicht in den Bundestag geschafft. Aber 520 Stimmen hat „Die Partei“ immerhin geholt. © Tobias Weckenbrock
Bundestagswahl 2021

Schlusslicht: Diese Partei holte in Castrop-Rauxel ganze vier Stimmen

SPD, CDU, Grüne, FDP, AfD: Was diese fünf Parteien an Stimmen bekommen haben, darüber kann jeder reden. Aber wie ist es unter den „Sonstigen“ in Castrop-Rauxel? Sieben Lehren und die große Tabelle.

Abseits der größeren Parteien ist eine Wahlanalyse auch in der Nische interessant. Wer hat eigentlich die wenigsten Stimmen bekommen? Wie viele Castrop-Rauxeler wählten rechtsextrem oder kommunistisch? Und was erreichten die Parteien, die sehr viel plakatierten?

  • Die Tierschutzpartei hat fast die Hälfte der Stimmen der Linkspartei erzielt. Das liegt an der Schwäche der Linken, der nur noch 3,4 Prozent der Castrop-Rauxeler Wähler ihre Stimme gaben (1356 Stimmen, 2017 waren es 2941). Aber eben wohl auch an der Stärke der Nischenpartei: 711 Unterstützer sind 1,8 Prozent aller Zweitstimmen, doppelt so viele wie 2017.
  • „Die Partei“ ist auch relativ stark, unter den „Kleinen“ nach der Linken und der Tierschutzpartei praktisch die dritte Kraft: 520 Stimmen für die in allen größeren Straßen der Stadt plakatierende „Satire-Partei“ sind aber vermutlich weniger, als sich die Mitglieder und Mitstreiter des Europa-Abgeordneten Martin Sonneborn gewünscht hätten. Immerhin weniger als die Tierschutzpartei: 1,3 Prozent.
  • Die Piraten sind abgetaucht: Sie kommen nur noch auf 0,3 Prozent (134 Wähler, 2017: 169), dabei waren sie vor wenigen Jahren noch spannende Emporkömmlige aus dem Tech-Bereich. Inzwischen wurden sie von so unbekannten Parteien wie „Die Basis“ (324 Stimmen), Neulingen wie der One-Man-Show „Team Todenhöfer“ (264 Stimmen) und den Freien Wählern (241) überholt.
  • 80 Castrop-Rauxeler wählten die rechtsextreme NPD (0,2 Prozent, 2017: 153 Stimmen). Die gemäßigtere Rechte AfD hat 3755 Stimmen bekommen.
  • Auf der anderen politischen Seite wählten 26 Castrop-Rauxeler linksextrem: die MLPD (15) und die Kommunisten von der DKP (11).
  • Viel gemacht, wenig gewonnen: Eine Partei, die beim Plakatieren mit am eifrigsten war, bekam dafür wenig zurück: 84 Stimmen für „Volt“ sind 0,2 Prozent. Nur wenig mehr als „Gesundheitsforschung“ (64), LfK (60) oder Liebe (55).
  • Die Partei mit den wenigsten Stimmen in Castrop-Rauxel und damit Träger der „Roten Laterne“: die Sozialistische Gleichheitspartei SGP. Sie sieht sich in der Kontinuität zu Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Iljitsch Lenin, Leo Trotzki und Rosa Luxemburg – und bekam vier Stimmen. Von 40.185 gültigen.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock