Schlussspurt bei Schulentwicklung: Ist die Hürde 2020 für die Gesamtschule zu meistern?

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Schlussspurt vor der Schulausschuss-Sitzung: Sie muss diese Woche einen Grundsatzbeschluss in Sachen Schule treffen. Es geht um den Teilstandort der Gesamtschule Waltrop in Ickern.

Ickern

, 19.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ist das überhaupt noch machbar? Es geht um die Inbetriebnahme einer neuen Gesamtschule am alten Standort - der Waldenburger Straße in den Ickerner Aapwiesen - im Sommer 2020. SPD, CDU, FWI und Linke wollen eine Grundsatzentscheidung im zuständigen Fachausschuss am Donnerstag, 21. November, treffen.

In den wenigen Tagen davor laufen noch ganz viel Gespräche. Unter Schulpolitikern, Eltern, Schulen, Schullleiterinnen, der Bezirksregierung, der Verwaltung. Voraussetzung für die von diesen Ratsfraktionen angestrebte Lösung mit einem Teilstandort der Gesamtschule Waltrop in Ickern sind entsprechende finale Beschlüsse der Stadträte beider Städte. Fragen und Antworten dazu.

? Hat der Schulausschuss in Waltrop Ja zu den Plänen gesagt?

Der Schulausschuss der Nachabstadt hat am Dienstag, 12. November, getagt. Nach Darstellung der Grünen in Castrop-Rauxel stand das Thema gar nicht auf der Tagesordnung. „Das haben wir mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“, sagt Grünen-Ratsherr Uli Werkle. Gesprochen wurde darüber unter „Mitteilungen und Anfragen“ nach einer entsprechenden Frage des Grünen Aufbruchs Waltrop. Ein Beschluss wurde dabei also nicht gefasst. Den nächsten regulären Schulausschuss gibt es erst im neuen Jahr. Denkbar wäre höchstens noch eine Sondersitzung oder das Einbringen einer Tischvorlage in der Waltroper Stadtratsitzung am 28. November. Am selben Tag ist auch Ratssitzung in Castrop-Rauxel.

? Aber die Chefin der Gesamtschule Waltrop hat doch gesagt, dass die Plan-Umsetzung selbst für das kommende Schuljahr machbar sei. Wie passt das zusammen?

Daran herrscht an anderer Stelle deutliche Skepsis. Die Castrop-Rauxeler Schuldezernentin Regina Kleff hat am 26. September der Bezirksregierung in Münster in einem umfangreichen Schreiben zur Schulentwicklung mitgeteilt: „Eine Umsetzung der angestrebten Maßnahmen ist zum Schuljahr 2020/21 aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr zu realisieren.“ Darauf verweist jetzt auch der Fraktionschef der Grünen, Bert Wagener, in einer Stellungnahme. Und er verweist auch auf das Antwortschreiben der Bezirksregierung, das besagt: Der zeitliche Vorlauf für eine Errichtung zum Schuljahresbeginn 2021/2022 wird für ausreichend angesehen. Die Grünen jedenfalls sehen die „unausgewogene“ Gründung einer Dependance in „Ickerner Randlage“ als einen „Schnellschuss“ an. Zumal beide Gesamtschulen - hier bringt er noch mal die Willy-Brandt-Gesamtschule ins Spiel - eine Dependance-Lösung insbesondere aus fachlichen Gründen eigentlich ablehnen.

? Gibt es jetzt Klarheit zu einer möglichen Asbest-Belastung im JKG-Gebäude?

Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi hat wissen lassen, dass es nach dem jetzigen Kenntnisstand kein Asbest-Problem gebe. Probebohrungen oder ähnliche Untersuchungen seien allerdings nicht vorgenommen worden. Fraktionschef Bert Wagener schreibt in der Stellungnahme der Bündnis-Grünen: „Festzustehen scheint, dass mindestens 1 Million Euro für die Ertüchtigung der Janusz-Korczak-Gesamtschule bereits für das Jahr 2020 in den Haushalt kurzfristig eingestellt werden soll.“ Im Beschlussvorschlag für den Schulausschuss steht, dass es über die finanziellen Auswirkungen des Grundsatzbeschlusses genauere Angaben in einer späteren Vorlage geben solle.

? Was hat es mit einer neuerlichen Elternabfrage auf sich?

Eine stadtweite Umfrage hat die Stadt im Frühjahr dieses Jahres vorgenommen. Ein Ergebnis war, dass 92 Eltern von aktuellen Drittklässlern ihr Kind an einer Gesamtschule im Norden anmelden würden, wenn es sie gäbe. Ein Viertel aller etwas über 1000 Eltern war zu diesem Zeitpunkt noch unentschlossen. Seinerzeit war der Fokus darauf gerichtet, wo Castrop-Rauxel in der Schullandschaft steht - auch mit der offenbar geringen Beliebtheit der Sekundarschule. Deren Schulform ist dennoch erst einmal gesichert. Das hängt mit der Schulpauschale zusammen.
Von einer zweiten Elternbefragung hatte Schuldezernentin Regina Kleff in dem Schreiben an die Bezirksregierung Münster vom 26. September gesprochen. Sie schrieb, dass die Stadt eine weitere Befragung für erforderlich halte, um auch den dann zweiten Jahrgang der Grundschulen zu berücksichtigen und den Fragebogen dazu an den relevanten Stellen zu schärfen. Das Regierungspräsidium schrieb am 16. Oktober zurück, dass „der Fragebogen für eine Elternbefragung sich dieses Mal an den Antwortoptionen des MSB-Musters orientieren solle“. Auch darauf verweist Grünen-Chef Bert Wagener in der Stellungnahme.

(Ein solcher Fragebogen könnte in etwa so aussehen wie dieses Muster)

? Was steckt hinter diesem MSB-Muster?

Das hat unsere Redaktion die Pressestelle bei der Bezirksregierung gefragt. Wofür die Abkürzung steht, wissen wir immer noch nicht. Aber es geht um ein spezielles Muster eines Fragebogens vor Errichtung von Schulen des längeren gemeinsamen Lernens - hier einer Gesamtschule. Mit der Befragung müssen die Eltern ausführlich über die geplante Schule informiert werden. Nach Informationen unserer Redaktion soll es vor der entscheidenden Sitzung des Schulausschusses noch ein Gespräch mit der Bezirksregierung gegeben haben. Perspektivisch dürfte es in dieser Gemengelage auch um die Grundsatzfrage gehen, ob Castrop-Rauxel doch eine eigene zweite Gesamtschule gründet. Platzkapazitäten in der Waltroper Gesamtschule soll es deshalb geben, weil sie in der Vergangenheit von sechs Zügen auf vier herabgesetzt worden ist.

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