Castrop-Rauxel, deine Schützen: Vier Vereine, was sie stark macht und was ihnen fehlt

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Der ABSV Henrichenburg kommt auf mehr Mitglieder als alle übrigen Schützenvereine in Castrop-Rauxel zusammen. Manches haben jedoch andere den Henrichenburgern voraus.

Castrop-Rauxel

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Beim Henrichenburger Schützenfest trafen mehrere Faktoren zusammen, die dem Allgemeinen Bürgerschützenverein (ABSV) drei Tage lang ein volles Zelt bescherten: leichter Regen am Samstag, moderate Temperaturen übers komplette Wochenende und ein spannendes Schießen mit vier Aspiranten am Montag auf der Vogelwiese. Am Ende wurden Hubert und Ines Hennemann als zweites Kaiserpaar gekrönt.

Doch das ist bei weitem nicht alles. Mit 358 Mitgliedern (vor dem Schützenfest) ist der ABSV mit Abstand der stärkste Schützenverein in Castrop-Rauxel. Und Henrichenburg ist ein spezieller Stadtteil, was die Struktur angeht.

„Ich weiß schon, dass das alles nicht ginge ohne die Landwirte, ihre Traktoren und die Räume, die wir hier als Schützenverein haben“, erklärt Udo Beckmann. Vor der Jahrtausendwende zog der Architekt nach Henrichenburg. Dann trat er in der Verein ein, war von 2003 bis 2005 König - und inzwischen ist er Vorsitzender.

Vier Vereine in Castrop-Rauxel

Drei weitere Castrop-Rauxeler Schützenvereine gibt es: die Schützengilde Habinghorst, den BSV Obercastrop und den BSV Rauxel-Bahnhof. Dort sieht man das ähnlich. „Der Standort hat klare Vorteile“, erklärt Alexandra Fröhling, 1. Vorsitzende des BSV Rauxel-Bahnhof. „Wenn wir unseren Schützenball im Restaurant Mythos feiern, nimmt man das außen gar nicht wahr.“

Der BSV Rauxel-Bahnhof hat 48 Mitglieder, rund 15 bilden den harten Kern. Schleichend habe sich die Mitgliederzahl verringert. „Da ist es gar nicht so einfach, jemanden für eine zweijährige Regentschaft zu finden“, sagt Alexandra Fröhling, „obwohl das heute nicht mehr viel mit Geld zu tun hat. Vor 20 Jahren war das noch anders.“

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Von einer Besucher- und Zuschauerresonanz wie in Henrichenburg könne man nur träumen. „Das ist schon eine andere Liga“, sagt Alexandra Fröhling. Beim BSV Rauxel-Bahnhof repräsentiert eine Königin den Verein. Marion Drolitz habe sich „die Königswürde erschossen“, erklärt Alexandra Fröhling. Wolfgang Drolitz ist ihr Prinzgemahl.

Bogenschützen locken neue Mitglieder

Die Schützengilde Habinghorst verfügt über rund 100 Mitglieder, so Bataillonsführer Uwe Kunkel. Er sitzt derzeit als Prinzgemahl an der Seite von Königin Petra Kunkel - noch eine Frau in Amt und Würden.

Die Schützengilde Habinghorst hat derzeit sogar die zweite Königin in Folge. Petra Kunkel wählte Ehemann Uwe zum Prinzgemahl. Sarah Paschke (2016 bis 2018) nahm sich zuvor Reinhard Paschke.

Aktiv sind die Habinghorster vor allem bei Luftgewehrmeisterschaften. Neue Mitglieder locke in erster Linie die Borgenschützenabteilung an. Junge Mitglieder sind jedoch selten, abgesehen von jenen, die direkt nach der Geburt angemeldet werden. So komme man derzeit auf vier Mitglieder, die 20 Jahre oder jünger sind.

In Henrichenburg sieht das ganz anders aus. Dort bilden die Jungschützen seit vier Jahren eine eigene Unterabteilung, die allein an die Mitgliederzahl des BSV Rauxel-Bahnhof heran reicht. Die Jungschützen richten sich an ABSV-Mitglieder unter 30 Jahren aus allen drei Kompanien.

Eigener Spielmannszug

Der BSV Obercastrop wird derzeit von König Berthold Peiffer repräsentiert. Er schoss zum 455-jährigen Bestehen des Vereins den Vogel ab und wählte Marion Villis an seine Seite. „Es ist schwer zu sagen, wie viele Schützenmitglieder wir derzeit haben“, erklärt der Vorsitzende Hartmut Höltermann auf Anfrage.

Vor drei Jahren gründete der Verein eine eigene Spielmannskapelle. Der 1. Bataillonsspielmannszug des BSV Obercastrop lief beim Henrichenburger Schützenfest vorneweg.

Insgesamt komme man so inzwischen auf rund 95 Mitglieder. „Vorher waren es vielleicht 80“, schätzt Höltermann. Der Spielmannszug brachte viele jüngere Leute in den Verein, „aber die interessieren sich mehr für die Musik“, so Höltermann - und damit weniger für die Brauchtumspflege.

In Obercastrop zogen einst 300 bis 500 Leute hinter dem Thron her. „Früher war hier fast jeder Schützenmitglied“, erklärt Höltermann. Doch die Zeiten sind vorbei. Für das Schützenfest reicht inzwischen die Mehrzweckhalle auf dem Hof Kirchhelle.

Die Schützengilde Habinghorst, der BSV Obercastrop und der BSV Rauxel-Bahnhof sind in einer Interessengemeinschaft der Castrop-Rauxeler Schützenvereine organisiert. Früher gab es noch die Schützengilde Ickern, den BSV Altstadt und den BSV Rauxel-Ost - das ist aber passé.

ABSV geht eigene Wege

Der ABSV Henrichenburg geht seit jeher eigene Wege. Das liegt an seiner geografischen Lage. Als die Henrichenburger 1969 zur Neugründung schritten, stand die Gemeinde Henrichenburg noch unter Waltroper Verwaltung. Daher zählt Henrichenburg zu einem anderen Schützenkreis, was die Orientierung Richtung Norden, zum Beispiel nach Horneburg, erklärt.

In Henrichenburg kamen nun rund ein Dutzend neue Mitglieder durch das Schützenfest hinzu. Einen Abriss des Besucherstroms muss man offenbar auch nicht fürchten. „Falls wir an einem der drei Tage plötzlich das Zelt nicht mehr voll bekommen, würden wir das Programm keinesfalls zurückfahren“, erklärt Beckmann, „wir würden noch eine Attraktion oben drauf setzen, um wieder mehr Besucher anzulocken.“

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