Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums lehnt Hitzefrei ab

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Am Ernst-Barlach-Gymnasium hat sich Schulleiter Friedrich Mayer gegen eine Hitzefrei-Regelung entschieden. Dagegen regt sich Protest – doch Mayers Entscheidung hat Gründe.

Castrop-Rauxel

, 14.08.2020, 11:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursprünglich hatte es kurz vor Ende der Sommerferien geheißen, alle weiterführenden Schulen in Castrop-Rauxel würden in den ersten Tagen wegen der Hitze ihren Unterricht verkürzen. Auch wir hatten dies fälschlicherweise so berichtet. Doch der Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, Friedrich Mayer, hat sich gegen Hitzefrei und für Unterricht entschieden.

Das ist sein gutes Recht: In Nordrhein-Westfalen liegt es bei Temperaturen von mehr als 25 Grad im Ermessen des Schulleiters, ob es Hitzefrei gibt oder nicht.

Es ist immer noch schwül und heiß draußen, als wir am Donnerstag (13.8.) mit einem Mittelstufenschüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums über seine Erfahrungen sprechen: „Es war sehr stressig, viele beschweren sich über Kopfschmerzen, und die Räume waren total heiß“, erzählt der Schüler.

Das ist gegen den gesunden Menschenverstand

Die Schüler dürften die Masken nur am Platz kurz abnehmen, um etwas zu essen, aber es sei nicht erlaubt, auf dem Schulhof mal kurz frische Luft zu schnappen. Die Mutter des Schülers findet deutliche Worte: „Das ist gegen den gesunden Menschenverstand.“ Mehrere Schülerinnen und Schüler hätten abgeholt werden müssen.

Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter am Ernst-Barlach-Gymnasium.

Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter am Ernst-Barlach-Gymnasium. © EBG

Schulleiter Friedrich Mayer weist die Vorwürfe zurück: „Keiner wird hier festgehalten. Wenn es Schülern nicht gut geht, dann können sie nach Hause gehen.“ Für ihn wäre es ein Unding, nach fünf Monaten ohne geregelten Unterricht sofort wieder Unterrichtszeit ausfallen zu lassen.

Die Kinder müssen betreut werden

Für ihn spielt auch der Betreuungsaspekt eine große Rolle. Das Ernst-Barlach-Gymnasium ist eine Ganztagsschule, die im Normalfall eine lange, angemessene Betreuung garantiert: „Wenn ich Hitzefrei machen würde, dann müsste ich alle Schüler nach Hause schicken." Das passe für ihn nicht zu den Forderungen nach Betreuung und Schule. Vor allem berufstätige Eltern seien darauf angewiesen, dass die Kinder betreut und beschult werden.

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„Wir haben außerdem einen Außensonnenschutz, um den wir lange Zeit mit der Stadt gekämpft haben, und der hat viel Geld gekostet. Bei uns muss keiner in der direkten Sonne sitzen", erzählt der Schulleiter. Außerdem gebe es zwei Wasserspender in der Schule, die den Schülerinnen und Schülern während des gesamten Schultages zur Verfügung stehen.

Einen anderen Kritikpunkt des Mittelstufenschülers kann Mayer eher nachvollziehen: die Essens-Situation an der Schule. Momentan erhalten nur Schüler der 5. und 6. Klassen ein warmes Mittagessen. Mayer sagt, dies lasse sich aufgrund der Abstandsverordnungen aktuell nicht anders organisieren.

Er bedauere dies und arbeite mit allen Protagonisten an einer Lösung. Die könnte sein, den älteren Schülern Lunch-Pakete zur Verfügung zu stellen.

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