Schwarzarbeit: Zoll deckt 27 Millionen Euro Schaden auf - Schadenssumme stark gestiegen

rnIllegale Beschäftigung

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Immer mehr Unternehmen werden auf Schwarzarbeit geprüft. Auch vor Castrop-Rauxel machen die Beamten nicht halt. Das Ergebnis: erschreckend.

Castrop-Rauxel

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Hauptzollamt Dortmund ist der Schwarzarbeit auf der Spur: Knapp 300 Beschäftigte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) bekämpften 2018 illegale Beschäftigung, Sozialbetrug und unfaire Löhne in der Region. Insgesamt überprüften sie 2238 Arbeitgeber, fast doppelt so viele wie in 2017, heißt es in einer Pressemitteilung.

In Castrop-Rauxel machten die Mitarbeiter erst jüngst einen Fang: Sie überprüften hier Anfang Mai eine Baustelle. Dort trafen sie unter anderem zwei albanische Staatsangehörige im Alter von 21 und 33 Jahren unter den Arbeitnehmern an, die als Helfer auf der Baustelle beschäftigt wurden.

Albaner hatten keinen Aufenthaltstitel

Um in Deutschland einer Beschäftigung nachgehen zu dürfen, benötigen albanische Staatsangehörige einen Aufenthaltstitel, der zur Ausübung einer Tätigkeit berechtigt. Den hatte keiner der beiden. Die Zöllner nahmen die Männer fest. Sie wurden anschließend mit Hilfe eines Dolmetschers vernommen. Gegen beide wurden Strafverfahren wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts eingeleitet.

Den Arbeitgeber der Beschuldigten erwarten Verfahren wegen der Beihilfe zum illegalen Aufenthalt und der illegalen Beschäftigung von Arbeitnehmern ohne Arbeitsgenehmigung. 5690 Ermittlungsverfahren wegen solcher oder anderer Verstöße wurden 2018 im Bereich des Hauptzollamts eingeleitet.

27 Millionen Euro Schaden: 10 Millionen Euro mehr als 2017

Gerade das Baugewerbe bleibt Hotspot unerlaubter Machenschaften. Das schadet den Beschäftigten, dem Staat und erschwert das Geschäft für sauber arbeitende Unternehmen. „Die Prüfungen und Ermittlungen des Hauptzollamtes Dortmund ergaben einen durch Schwarzarbeit verursachten Schaden von über 27 Millionen Euro“, sagt Andrea Münch, Pressesprecherin des Hauptzollamts in Dortmund.

2017 waren es noch 17 Millionen - eine erschreckende Steigerung, die nur drei Gründe haben kann: „Entweder wurden 2018 mehr Ermittlungsverfahren abgeschlossen oder es gibt vermehrt Schwarzarbeit. Oder wir haben mehr Unternehmen erwischt“, sagt die Sprecherin.

In Summe gab es 170 Jahre Gefängnis

Was den Unternehmen droht, die bei der Beschäftigung von Schwarzarbeitern erwischt werden, hängt von der Schwere des Falls ab. „Geldstrafen wurden in einer Gesamthöhe von über 893.000 Euro verhängt“, berichtet Münch. „Und die von den Gerichten festgesetzten Freiheitsstrafen beliefen sich im letzten Jahr auf 170 Jahre.“ Das sind 69 Jahre mehr als 2017.

„Je genauer der Zoll hinschaut, desto häufiger wird er fündig“, sagt Gabriele Henter von der IG BAU Bochum-Dortmund. Die Entscheidung der Bundesregierung, das Personal der Finanzkontrolle Schwarzarbeit von bundesweit aktuell 7900 auf mehr als 10.000 Beamte bis zum Jahr 2026 aufzustocken, sei ein „wichtiges Signal zur Abschreckung“.

Präzisere Kontrollen und Ahndungen

Mehr Kontrollen allein reichten jedoch nicht aus, betont Gewerkschafterin Gabriele Henter. „Wir brauchen ein ,Sündenregister‘ für Schwarzarbeit. Es muss eine öffentliche Kartei geben, in der die Betriebe aufgelistet werden, deren Geschäftsmodell auf illegaler Beschäftigung und Lohn-Prellerei beruht.“

Dem stimmt Münch zu. „Entscheidend für die Bekämpfung ist nicht die Zahl der Prüfungen, sondern die besonders von Schwarzarbeit betroffenen Bereichen zu prüfen und große Betrugsfälle aufzudecken.“

Daher lege die Finanzkontrolle Schwarzarbeit seit 2015 einen Schwerpunkt auf die Verfolgung organisierter Formen. „Im Fokus steht die risikoorientierte Auswahl bei Prüfungen und die Ahndung entsprechender Verstöße.“ Solche Prüfungen könnten verdachtsunabhängig oder hinweisbezogen erfolgen.

Lesen Sie jetzt