Schweigemarsch für die Opfer des Anschlags von Christchurch zieht vom Bahnhof zum Rathaus

Gedenken

Familie Tamouh aus Habinghorst gilt als Initiatorin eines Schweigemarsches, der am Freitag von Rauxel zum Stadtmittelpunkt ziehen soll. Der Veranstalter rechnet mit vielen Teilnehmern.

Castrop-Rauxel

, 21.03.2019, 10:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schweigemarsch für die Opfer des Anschlags von Christchurch zieht vom Bahnhof zum Rathaus

Adil Tamouh (Mitte) ist im Umfeld der Langen Straße in Habinghorst ein bekannter Mann. Er hat mit seinem Sohn zum Schweigemarsch aufgerufen. © Tobias Weckenbrock

Für 14 bis 17 Uhr ist bei der Polizei für Freitag (22. März) eine Demonstration angemeldet. Als Thema hat Adil Tamouh mit seinem Sohn Nassir angegeben: „Schweigemarsch für die Opfer von Neuseeland - Ein Zeichen setzen für ein friedliches Miteinander“. Der Demonstrationszug soll in Stille vom Berliner Platz über die Bahnhofstraße zum Europaplatz ziehen und dort am Stadtmittelpunkt in einer Abschlusskundgebung enden.

Der Anmelder, so die Polizei am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion, rechne mit 500 bis 1000 Teilnehmern. „Wir werden das sicherlich begleiten“, sagte Sprecher Michael Franz auf Anfrage, „aber wir gehen momentan davon aus, dass das ohne große Störungen verläuft.“ Es werde verkehrlich sicher auch zu Problemen kommen, so Franz weiter. „Aber unser Ziel wird sein, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“

Anmelder ist vernetzt in die muslimischen Gemeinden

Die Idee, so Adil Tamouh, der sich für die SPD engagiert, sei von seinem Sohn Nassir gekommen. Auch er ist bei den Sozialdemokraten als Stellvertreter des Juso-Stadtverbandes aktiv. Er schreibt bei Facebook: „Wir verurteilen jede Gewalt und möchten uns für ein friedliches Zusammenleben und Zusammenwachsen in Vielfalt, Frieden, Offenheit, Hoffnung und ein demokratisches Miteinander einsetzen.“

Schweigemarsch für die Opfer des Anschlags von Christchurch zieht vom Bahnhof zum Rathaus

Nassir Tamouh (Jusos) hat die Demo mit seinem Vater Adil angemeldet. © Vanessa Wobb

Familie Tamouh stammt aus Marokko. Sie lebt aber seit Jahrzehnten in Castrop-Rauxel und ist in die muslimischen Gemeinden der Stadt vernetzt - vor allem im Norden. „Es kommen darum sicher viele Mitglieder der Gemeinde“, so Adil Tamouh gegenüber unserer Redaktion. Auch Zusagen von Vertretern christlicher Gemeinden lägen ihm aber schon vor. Möglicherweise hält auch Bürgermeister Rajko Kravanja eine kleine Rede. So hat es der Veranstalter zumindest auf Facebook angekündigt.

Der Anschlag von Neuseeland

In Neuseeland drang vor einer Woche, am Freitag, ein Mann mit schweren Waffen zunächst in die Masjid-al-Noor-Moschee ein. Er tötete während des Freitagsgebets, zu dem etwa 300 Gläubige vor Ort waren, wahllos Menschen muslimischen Glaubens. Dort starben 41 Menschen. Wenig später erschoss er in einer anderen Moschee in einem Vorort von Christchurch weitere sieben Menschen. Neben den 50 Toten (zwei starben später) gibt es 50 Verletzte. Der Angreifer hatte während der Taten eine Kamera an seinem Körper angebracht, die den Angriff 17 Minuten lang live ins Internet übertrug. Der Australier galt als rechtsextremistisch und gewalttätig. Sein Anschlag wird derzeit als gezielt gegen den Islam gerichtet eingestuft. (Weitere Infos)

* In einer vorherigen Version des Artikels schrieben wir an einer Stelle von einem Amoklauf. Da hier den Ermittlungen zufolge ein religiöser / politischer Hintergrund vorliegt, ist der Begriff falsch gewählt. Wir haben das korrigiert.

Lesen Sie jetzt