„Seenotrettung ist kein Verbrechen“: Diese Castrop-Rauxeler wollen im Fall Rackete helfen

Sea Watch

Die Ereignisse im Mittelmeer sind dramatisch. Das sehen auch einige Castrop-Rauxeler so und stellen spontan eine Aktion auf die Beine, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Castrop-Rauxel

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min
„Seenotrettung ist kein Verbrechen“: Diese Castrop-Rauxeler wollen im Fall Rackete helfen

Daniel Djan (v.l.), Okan Demirci, Mathis Reschke, Leonie Singer, Kai-Daniel Müller und Lea Leidig engagieren sich gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung. © Victoria Maiwald

Jeden Tag sterben sechs Menschen im Mittelmeer bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Im Jahr 2018 sind laut UNO-Flüchtlingshilfe mindestens 2275 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Hilfsorganisationen wie Sea Watch wollen das Leben der Menschen retten. Sie patrouillieren aktiv und suchen nach Menschen, die in Seenot geraten sind.

So auch das Schiff Sea Watch 3: Mit 40 geretteten Migranten an Bord war die Kapitänin Carola Rackete zwei Wochen lang auf offener See unterwegs. Nachdem niemand auf ihre Notstands-Meldung reagierte, entschloss sie, die 40 Menschen in Sicherheit zu bringen – ohne Erlaubnis des Hafens, dort anzulegen.

#freeCarolaRackete: Seenotrettung ist kein Verbrechen

Als sie in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa einlief, wurde die 31-jährige Kapitänin verhaftet.

Viele Menschen sind über die Reaktion der italienischen Regierung schockiert. „Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden“, schrieb Außenminister Heiko Maas auf Twitter. „Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Unter dem Hashtag #freeCarolaRackete empören sich tausende Twitter-Nutzer. Sie meinen, Seenotrettung sei kein Verbrechen.

Auch Prominente engagieren sich gegen die Festnahme der Kapitänin. Jan Böhmerman und Klaas Heufer-Umlauf riefen eine Spendenaktion ins Leben. Damit soll die Seenotrettung unterstützt und die anlaufenden Prozesskosten gedeckt werden. Knapp 1 Million Euro konnten die Entertainer damit bisher sammeln.

Auch die Jugend in Castrop-Rauxel engagiert sich

Aber nicht nur Promis engagieren sich für den Kampf gegen das Sterben im Mittelmeer und für mehr Gerechtigkeit. Das Kinder- und Jugendparlament Castrop-Rauxel und die Jusos haben sich spontan dazu entschlossen, eine Mahnwache für Carola Rackete zu veranstalten.

Am Samstag, 6. Juli, treffen sich die Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) und die Jusos am Reiterbrunnen auf dem Marktplatz in Castrop-Rauxel. Mit Menschenkette und Info-Broschüren wollen sie auf die Missstände aufmerksam machen.

Unter dem Motto „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ erwarten die Jugendlichen und die Jusos um die 100 Menschen auf dem Marktplatz. Neben Rede-Beiträgen ist auch eine Schweigeminute angedacht.

„Es wird darüber diskutiert, ob Menschen ertrinken sollten“

„Es bringt einfach viel mehr, rauszugehen, mit den Menschen zu sprechen und ihnen zu zeigen, was da eigentlich passiert. Im Internet – wie auf Instagram – spricht man meistens nur Leute an, die sich eh mit ähnlichen Themen beschäftigen“, sagt Leonie Singer vom KiJuPa.

Aber nicht nur Mitglieder des Kinder- Jugendparlaments und der Jusos beschäftigen sich mit aktuellen und hochpolitischen Themen wie der Seenotrettung. Okan Demerci erzählt, dass er auch mit Freunden über solche Themen diskutiert. „Meine Freunde waren schockiert, als sie davon gehört haben. Ich denke, es spricht einfach das Gerechtigkeitsgefühl der Menschen an, dass ernsthaft darüber diskutiert wird, ob Menschen jetzt ertrinken sollten oder nicht.“

Besonders erschreckend finden die Mitglieder des KiJuPa, dass es Menschen gibt, die die Seenotretter als Schleuser bezeichnen. „Den Menschen ging es schlecht und sie haben Hilfe gebraucht. Es war einfach allerhöchste Eisenbahn, etwas zu unternehmen“, meint Lea Leidig.

Andere Organisationen in Castrop-Rauxel können gerne mitmachen

Am Samstag startet die Aktion um 13 Uhr auf dem Marktplatz. „Wir würden uns freuen, wenn auch andere Organisationen dazustoßen würden, um uns zu unterstützen“, sagt Daniel Djan von den Jusos. Auch weitere Redebeiträge seien herzlich willkommen. Interessierte können über die Facebook-Seite der Jusos Kontakt herstellen.

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