Seepferdchen wird schwieriger: Immer weniger Schwimmer, aber die Anforderungen steigen

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Die Anforderungen für Schwimmabzeichen sind gestiegen und sollen eine Schwimmfähigkeit genauer definieren. Wie gehen Schwimmvereine in Castrop-Rauxel mit den neuen Vorgaben um?

von Joel Kunz

Castrop-Rauxel

, 24.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. Januar ist nach über 40 Jahren eine neue Prüfungsordnung für die Schwimmabzeichen in Kraft getreten. Der Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS) erhöhte die Anforderungen für die Abzeichen Seepferdchen, Bronze, Silber und Gold.

Ziel des 2013 initiierten Prozesses sei es gewesen, „die Definition des ‚Sicher Schwimmen Könnens‘ zu präzisieren und in den Prüfungsbedingungen abzubilden“, heißt es vom Bundesverband.

Doch gleichzeitig gibt es heute mehr Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Schwimmen haben oder gar Nichtschwimmer sind. Vielen Kindern fehlt es heute an grundlegenden Fähigkeiten. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer.

Neue Vorgaben sollen Schwimmfähigkeit definieren

Diese Probleme sollen nun mit der neuen Prüfungsordnung angegangen werden. So ist es zum Beispiel bei der Prüfung zum Seepferdchen jetzt Pflicht, direkt nach dem Sprung vom Beckenrand 25 Meter zu schwimmen - ohne Schwimmbrille und mit „grob erkennbarer Schwimmart“.

Matthias Schnatmann, Vorsitzender der Schwimmschule Magellan, die Kinder unter anderem in Castrop-Rauxel das Schwimmen lehrt, begrüßt die strengeren Vorschriften. „An sich halte ich es für richtig, dass die Anforderungen erhöht wurden. Die Inhalte sind bloß etwas schwammig formuliert. Was bedeutet zum Beispiel, dass das Schwimmen in der ‚Grobform‘ beherrscht werden muss? Und welche Schwimmarten sind bei Bronze zulässig? Das wird nicht genauer definiert.“

„Kinder müssen scheu vor dem Wasser verlieren“

Thomas Schmitz, technischer Leiter beim SV Poseidon, sieht vor allem beim Seepferdchen die Änderung als sehr positiv an. „Dadurch dass bei der Seepferdchenprüfung jetzt Vorschrift ist, beim Brustschwimmen ins Wasser auszuatmen, verliert das Kind die Scheu vor dem Wasser“ sagt er. „Auch in Notfällen kann dies entscheidend sein. Oft kommt es vor, dass Kinder ertrinken, wenn sie unerwartet unter Wasser geraten und sich nicht orientieren können.“

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Doch können die Kinder die neuen Anforderungen überhaupt erfüllen? Sandra Fritz vom Castrop-Rauxeler SC Hellas teilt diese Befürchtung nicht. „Bis jetzt ist uns kein großer Unterschied zur vorherigen Ordnung aufgefallen. Die meisten Kinder bestehen die Prüfung, aber es gibt auch immer solche, die es nicht schaffen. Wir achten aber darauf, die Ausdauer der Kinder verstärkt zu trainieren, da nun bei Bronze, Silber und Gold ein Dauerschwimmen mit einer Mindestzeit Teil der Prüfung ist. Für das Bronzeabzeichen müssen Kinder beispielsweise 15 Minuten lang schwimmen.“

Bronze als neuer Standard

Das Bronzeabzeichen soll nun als neuer Standard gelten. Auch wenn man laut Prüfungsordnung bereits für das Seepferdchen 25 Meter schwimmen soll, kann erst mit Bronze von einer sicheren Schwimmfähigkeit ausgegangen werden. Das sagt auch Matthias Schnatmann. „Viele Eltern denken, dass mit dem Erhalt des Seepferdchens das Kind auch sicher schwimmen kann. Aber das ist falsch, erst mit dem Abzeichen Bronze wird die Schwimmfähigkeit bewiesen.“

Bei vielen Schwimmschulen- und Vereinen sind die Plätze für Kurse knapp. Können Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen? Thomas Schmitz vom SV Poseidon rät davon ab. Er betont, dass viele Eltern das Tauchen nicht ausreichend lehren würden. „Viele aus der Elterngeneration halten selbst beim Schwimmen stets den Kopf über Wasser. Die Kinder übernehmen das oft und lernen dadurch nicht, sich auch unter Wasser zurechtzufinden.“

Neue Prüfungsordnung

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Seepferdchen
  • Sprung vom Beckenrand und die 25 Meter Schwimmen in einer Abfolge
  • Das Schwimmen in Bauch- oder Rückenlage muss nun in der „Grobform“ beherrscht werden.
  • In Bauchlage muss erkennbar ins Wasser ausgeatmet werden.
Bronze
  • Sprung vom Beckenrand muss kopfwärts erfolgen
  • Dauerschwimmen über 15 Minuten, bei dem mindestens 200 Meter zurückgelegt werden müssen.
  • 150 Meter müssen in Bauch- oder Rückenlage und die weiteren 50 Meter in der anderen Körperlage geschwommen werden. Der Wechsel erfolgt während des Schwimmens ohne Festhalten.
  • Sprung vom Startblock oder Ein-Meter-Brett im Paketsprung
Silber
  • Die Prüflinge müssen 20 Minuten am Stück schwimmen und dabei mindestens 400 Meter zurücklegen (statt 400 Meter in höchstens 25 Minuten)
  • Ob 300 Meter in Bauch- und 100 Meter in Rückenlage absolviert werden oder andersrum, ist ab sofort freigestellt.
Gold
  • Dauerschwimmen über 30 Minuten, bei dem mindestens 800 Meter zurückgelegt werden müssen (650 Meter in Bauch- oder Rückenlage und 150 Meter in der anderen Körperlage). Bisher waren 600 Meter in höchstens 24 Minuten verlangt.
  • 50 Meter Brustschwimmen in höchstens 1:15 Minuten (bisher: 1:10 Minuten).
  • Zehn-Meter-Streckentauchen ohne Abstoß (bisher: 15 Meter mit Abstoß).
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