Eine Hürde zuviel: Sekundarschule Süd wird nicht Stephen-Hawking-Schule heißen

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Die Sekundarschule Süd soll einen anderen Namen tragen. Einen identitätsstiftenden. Die Umbenennung war längst abgesegnet. Dann kam ein Detail dazwischen. Nun gibt es neue Namens-Kandidaten.

Castrop-Rauxel

, 16.02.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stephen-Hawking-Schule: Es schien so, als hätte die Sekundarschule Süd in Castrop-Rauxel schon ihren neuen Namen sicher. Im April 2019 meldete unsere Redaktion, dass sich schon nach den Sommerferien der Name ändern werde. Jetzt ist das erste Schulhalbjahr um, und der alte Name gilt nach wie vor. Das hat einen besonderen Grund.

Fest steht nämlich seit einigen Wochen: Den Namen des weltberühmten Physikers Stephen Hawking wird die Schule niemals tragen. Das liegt nicht etwa an der Kritik eines betagteren Castropers, der dagegen mit Leserbrief, aber auch mit Besuchen und Anrufen bei der Schule selbst vorgehen wollte. Es liegt an einer Stiftung aus Großbritannien, die Namensrechte geltend machte.

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Schulleiterin Brigitte Edeler sagte jetzt auf Anfrage unserer Redaktion: „Es war organisatorisch eigentlich schon alles erledigt. Aber als die Stiftung ankündigte, uns einen Besuch abstatten zu wollen und wir ihre Kriterien erfuhren, da war uns klar: Das ist zu aufwendig.“ Die Familie des britischen Astrophysikers, die man kontaktiert hatte, habe ihr Okay gegeben - darum hatte man mit der Stiftung nun gar nicht mehr gerechnet.

Ein paar britische Schulen tragen den Namen

Edeler erklärte, dass in Großbritannien nur eine Handvoll Schulen den Namen von Stephen Hawking führten - und zwar eher ältere Schulen, wie sie sagt. Das kann die Sekundarschule Süd nun gerade nicht von sich behaupten: Sie ging erst 2013 als Nachfolgeschule der Johannes-Rau-Realschule und der Schillerschule an den Start.

Die Idee zu Stephen Hawking kam aus dem Kollegium. Sie sollte unterstreichen, dass man seine Stärken im Bereich Naturwissenschaften habe. „Das passt, auch, weil wir MINT-Schule werden wollten und nach wie vor wollen“, sagt Edeler. Das ist eine Exzellenz-Auszeichnung für Schulen der Sekundarstufe 1 in NRW, die in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik besonders stark sind. Hawking hätte da genau ins Bild gepasst.

Brigitte Edeler (60) leitet die Sekundarschule Süd seit ihrer Gründung. Vorher war sie an der Johannes-Rau-Realschule am selben Standort tätig.

Brigitte Edeler (60) leitet die Sekundarschule Süd seit ihrer Gründung. Vorher war sie an der Johannes-Rau-Realschule am selben Standort tätig. © Tobias Weckenbrock

Der Name ging durch alle Gremien: die Lehrerkonferenz, die Schülerschaft, die Schulkonferenz. Drei Namen standen zur Abstimmung - und am Ende gab es eine deutliche Mehrheit für Stephen Hawking. Den Namen beschloss die Politik im Schulausschuss, und auch das Okay der Bezirksregierung war schon eingeholt.

„Ein Name bedeutet Identifikation“

Jetzt will die Schulleitung denselben Prozess der Namensfindung rasch neu starten: Bis Ende 2020, so Brigitte Edeler, wolle man einen neuen Namen tragen. Sekundarschule Süd sei nur ein Arbeitsname und passe nicht mehr, weil die Sekundarschule Nord ja nie gegründet wurde.

„Ein Name bedeutet Identifikation“, sagt Martina Freistühler, Abteilungsleiterin der achten bis zehnten Klassen. Brigitte Edeler ergänzt: „Die Schule bekommt ein Gesicht.“

Die Sekundarschule Süd am Standort Kleine Lönsstraße: Von hier aus ist der Erin-Turm gut zu sehen. Auch der zweite Standort liegt nahe am Erin-Park. Darum könnte das als Namenspate funktionieren.

Die Sekundarschule Süd am Standort Kleine Lönsstraße: Von hier aus ist der Erin-Turm gut zu sehen. Auch der zweite Standort liegt nahe am Erin-Park. Darum könnte das als Namenspate funktionieren. © Tobias Weckenbrock

Aber welches? Sie könnte Schule am Erin-Park heißen. Dieser Name war unter den drei Namen, über die schon abgestimmt wurde. Die Nähe beider Standorte zum alten Zechengelände ist da, man sieht den Erin-Turm und hätte einen lokalen Anstrich.

Keine Schule bisher nach einer Frau benannt

Wünschenswert wäre auch ein Frauenname, denn keine Schule in Castrop-Rauxel ist bisher nach einer Frau benannt. Aber eine Frau aus Castrop-Rauxel, die verstorben sei und eine große geschichtliche Bedeutung habe, falle Edeler nicht ein. Darum werde man Atomphysikerin Marie Curie mit in die Überlegungen nehmen, so Brigitte Edeler.

Muhammed Ali brachten die Schüler als Namenspaten ins Gespräch. Der Name der schwarzen Boxer-Legende, die 2016 starb, sei aber raus, so die Schulleiterin. Die letzte Wahl hat dann wieder die Schulkonferenz. Die soll im Frühjahr, im April oder Mai, abstimmen.

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