Sexuelle Spielchen unter Kindern: Eltern an Castrop-Rauxeler Kita in Sorge

rnJugendamt

Ein Kind hat sich in einer Kita in Castrop-Rauxel offenbar mehrfach an anderen Kindern sexuell vergriffen. Jetzt beziehen der Träger und das Jugendamt der Stadt Stellung zu diesem Vorfall.

Castrop-Rauxel

, 19.11.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sexuelle Übergriffe unter Kindern soll es in einer Kita in Frohlinde gegeben haben. Wie lange es diese Vorfälle schon gibt, ist nicht genau bekannt. Dass es sie seit mehreren Wochen gibt, bestätigen aber alle entscheidenden Seiten: In einer Castrop-Rauxeler Kita ist eines der Kinder anderen Kindern gegenüber sexuell übergriffig geworden.

Dabei geht es über das Maß an vielleicht noch zu duldenden Doktorspielchen hinaus. Eltern sind in Sorge. Das Jugendamt und die Trägergesellschaft nehmen nun auf Anfrage unserer Redaktion Stellung dazu.

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Ein Junge der Kita Heilige Schutzengel in Frohlinde soll mehrfach anderen Kindern, vornehmlich offenbar Mädchen, in die Hose gegriffen haben. Diese Übergriffe seien von verschiedenen Kindern unabhängig voneinander in relativ ähnlicher Weise ihren Eltern erzählt worden.

Eltern vernetzten sich in dieser Sache

Mütter und Väter betroffener Kinder haben sich daraufhin vernetzt und die Vorfälle an die Einrichtung, den Träger und das Jugendamt gemeldet. Sie fordern nun eine intensive Aufarbeitung und wollen die Kinder, die Opfer wurden, aber auch das übergriffige Kind selbst vor weiteren Vorfällen dieser Art schützen.

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Unsere Redaktion stellte fünf Fragen an die Stadt-Pressestelle und den Träger, die Katholischen Kindertageseinrichtungen Östliches Ruhrgebiet gGmbH in Dortmund. Wir dokumentieren die Fragen und die Antworten im Wortlaut:

Der Fragenkatalog unserer Redaktion:

Uns ist zu Ohren gekommen, dass in der Kita Heilige Schutzengel in Castrop-Rauxel Frohlinde ein Junge wiederholt sexuell auffällig gegenüber anderen geworden sein soll.

Unsere Fragen dazu:

  • Trifft dieser Umstand zu?
  • Falls ja: Seit wann ist dieser Umstand bekannt?
  • Was haben Sie als Einrichtungsleitung bisher unternommen?
  • Was unternehmen Sie als Träger-Gesellschaft / Stadtverwaltung (Jugendamt), um diese wiederholten Übergriffe aufzuklären?
  • Welche Schutzvorkehrungen treffen Sie, damit es nicht zu weiteren Vorfällen durch das Kind / durch andere Kinder kommt?

Das sagt die Stadtverwaltung / das Jugendamt:

„Derzeit wird der Sachverhalt im Haus der Jugend und Familie geprüft und Gespräche mit allen Beteiligten geführt. Ein sehr sensibler öffentlicher Umgang ist immer angeraten, wenn Kinder betroffen sind. Zum einen im Sinne des Kindeswohls, zum anderen in Richtung der Kinderförderung.

Bezüglich Ihrer Anfrage nach der zeitlichen Schiene: Vor drei bis vier Wochen gab es eine Anfrage, auf die eine Erstberatung folgte. Ende der vergangenen Woche wurde erneut Kontakt aufgenommen, in dessen Folge weitere Bereiche im Haus der Jugend und Familie im Sinne der o.g. Klärung des Sachverhaltes einbezogen wurden.“

Das sagt Birgit Sprenger von der Träger-Gesellschaft:

„Zur normalen kindlichen Entwicklung gehört die Erkundung des eigenen und fremden Körpers. Auch in unserem pädagogischen Rahmenkonzept ist dies in einem Bildungsbereich verankert. Unsere Mitarbeitenden sind geschult, auf kindgerechte Art das Erkunden des eigenen und fremden Körpers zu thematisieren.

Doktorspiele sind immer gegenseitige Kinderspiele, die unter Kindern gleichen Alters und Entwicklungsstandes ohne Druck vorkommen können. Die Aufgabe des pädagogischen Personals ist es, die Kinder so zu stärken, dass sie eigene und fremde Grenzen erkennen und benennen können. Wichtig ist dabei aber auch immer der Einbezug der Erziehungsberechtigten in Form einer Erziehungspartnerschaft.

In der Kath. Kindertageseinrichtung Hl. Schutzengel ist es im Spiel zu grenzüberschreitendem Verhalten anderen Kindern gegenüber gekommen. Für solche Situationen gibt es klare Handlungsweisen, die einerseits im Institutionellen Schutzkonzept der Einrichtung beschrieben sind und in den Präventionsschulungen, die alle pädagogischen Fachkräfte in regelmäßigen Abständen besuchen, thematisiert werden.

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Eine Einrichtung hat in Folge eines solchen Sachverhaltes unterschiedliche Maßnahmen zu ergreifen, wie z.B. organisatorische Umstrukturierungen des Tagesablaufs, pädagogische und kindgerechte Angebote zum Thema kindliche Sexualität und Einbeziehung der Erziehungspartner. Ebenfalls gilt es in einer solchen Situation die zuständigen Behörden, das örtliche Jugendamt und das Landesjugendamt, zu informieren und einzubinden.

In Bezug auf Ihre konkrete Anfrage hat die Einrichtung gemäß dem Institutionellen Schutzkonzept die oben benannten Schritte eingeleitet und die Elternschaft anonymisiert einbezogen. Ein Informationsabend für Eltern hat bereits im Januar 2019 stattgefunden und wird erneut im Januar 2020 angeboten. All dies fand in Kooperation zwischen dem Team und zwei Erziehungsberatungsstellen statt.

Zu unseren zentralen Aufgaben gehört es, Kinder zu stärken. Es ist uns ein großes Anliegen, dass Kinder zwischen guten und schlechten Gefühlen sowie Geheimnissen unterscheiden können und deutlich „Nein“ sagen lernen. Das pädagogische Personal wird hierzu geschult.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum Schutze aller Familien keine weiteren Informationen zu den Kindern oder Details zu den Handlungen geben können.“

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