Sie tragen grüne Kittel. Sie haben Zeit, anders als Angestellte. Sie hören Patienten zu: 23 Grüne Damen und ein Grüner Herr sind wie Engel für das Evangelische Krankenhaus in Castrop-Rauxel.

von Dieter Düwel

Castrop-Rauxel

, 25.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer wenn Gabriele Engelmann nach getaner Arbeit in der Geriatrie des Evangelischen Krankenhauses Castrop-Rauxel (EvK) ihren grünen Kittel auszieht, wird sie sich bewusst, dass sie vor sieben Jahren die richtige Entscheidung getroffen hat: Zu der Zeit war sie krank und machte die Erfahrung, dass in einer solchen Situation oft Menschen fehlen, von denen man Zuwendung erfährt.

Sie entschloss sich, zur Helferin zu werden: Sie wurde Grüne Dame im Krankenhaus. „Viele kranke Menschen wünschen sich, dass es jemanden gibt, der sich ihrer Sorgen annimmt, ihnen zuhört, mit ihnen plaudert oder lacht“, sagt Gabriele Engelmann heute.

Die Castrop-Rauxelerin ist eine von 23 Grünen Damen am EvK, die sich freiwillig einbringen. Sie tut es mit Hingabe: „Ich bin mit Leib und Seele, vor allem aber mit dem Herzen dabei. Oft zeigt mir ein Lächeln der Patienten, wie sehr sie sich darüber freuen, dass sich jemand um sie kümmert.“

Besuchsdienst und Büchereidienst

Krankenhausseelsorgerin Ute Diepenbrock ist verantwortlich für den Dienst und die Organisation der Grünen Damen und Herren. „Unsere Hauptaufgabe ist der Besuchsdienst“, erklärt sie. „Die Ehrenamtlichen besuchen einsame Patienten, reden mit ihnen, erledigen für sie Besorgungen oder gehen mit ihnen spazieren.“

Neben dem Besuchsdienst sind die Helfer verantwortlich für die Krankenhausbücherei, die seit 2019 offen zugänglich ist. Annegret Ringburger, Leiterin der Bücherei, verweist auf das Angebot des Bücherwagens, der einmal in der Woche alle Stationen besucht: „Über das Leseangebot kommen unsere Betreuer in Kontakt mit den Patienten und sind zu Gesprächen bereit.“

Gottesdienste werden vorbereitet

Die Ehrenamtlichen bereiten als Küster auch den Gottesdienst in der Krankenhauskapelle vor, der am ersten und dritten Sonntag sowie am zweiten und letzten Montag eines Monats stattfindet. Küsterin Gabi Foerster erklärt: „Wir begleiten Patienten zum Gottesdienst, bereiten das Abendmahl vor und organisieren das anschließende Kirchenkaffee.“

Gabriele Paßen, gerade Rentnerin geworden, sagt: „Ich habe eine sinnvolle Beschäftigung für den Ruhestand gesucht und sie hier gefunden. Die Arbeit ist abwechslungsreich und bringt mich immer mit neuen Menschen in Kontakt.“

Darüber hinaus betreuen die Grünen Damen die Kleiderkammer des EvK, wo bedürftige Patienten krankenhausgerechte Kleidung erhalten. Auch gemeinsame Veranstaltungen mit der Kindertagesstätte stehen auf dem Programm.

Gabi Foerster (links) und Gabriele Paßen bereiten das Abendmahl für den Gottesdienst vor.

Gabi Foerster (links) und Gabriele Paßen bereiten das Abendmahl für den Gottesdienst vor. © Dieter Düwel

Ärztliche Unterstützung

Angesichts des Zeitdrucks und Personalmangels im Krankenhausbetrieb bietet der Freiwilligendienst die Möglichkeit, sich den Sorgen der Patienten anzunehmen. Dr. Christoph Schildger, Chefarzt der Gastroenterologie, sagt: „Die Grünen Damen und Herren sind aus unserem Krankenhaus nicht mehr wegzudenken.“

Es komme oft vor, dass Patienten keinen Besuch erhalten. „Die Großfamilienstrukturen haben abgenommen“, erklärt Schildger. „Dann sind die Grünen Damen und Herren da und bieten Betreuung an.“ Sehe er bei der Visite einen Patienten in einem intensiven Gespräch mit einem der Ehrenamtlichen, warte er ab und komme später wieder.

Ute Diepenbrock sagt: „Wir haben viele Ärzte, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben und den Freiwilligendienst nicht kennen. Sie sind überrascht und beeindruckt von der Arbeit.“

Belastbarkeit und Einfühlsamkeit

Grüne Damen und Herren brauchen Qualifikationen: „Kontaktfreude, Toleranz, Geduld, Einfühlsamkeit sowie die Bereitschaft, sich auf kranke und ältere Menschen einzustellen“, sagt Diepenbrock.

Martina Potthast bringt diese Eigenschaften mit. Die Grüne Dame empfindet den Kontakt zu den Patienten als bereichernd für sich selbst. „Die Patienten sind so dankbar, wenn man ihnen ein offenes Ohr schenkt“, sagt sie, und Patientin Hanna Rudat (84) stimmt ihr zu: „Sie kümmern sich rührend um mich.“

Horst Rutzen ist der einzige Grüne Herr am EvK. Er ist seit 18 Monaten in der Geriatrie tätig, wo er neben dem Besuchsdienst Gruppen betreut, in denen gebastelt, gespielt oder das Gedächtnis trainiert wird. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige männliche Patienten sich gegenüber Frauen nicht gern öffnen. Dann bin ich ihr Ansprechpartner. Außerdem bin ich hier in der Region aufgewachsen, also unter Taubenvattern und Fußballern. Dadurch habe ich oft schnell einen guten Draht zu den Patienten“, erklärt er.

Physische und psychische Belastungen

So bereichernd der Freiwilligendienst für die Grünen Damen und Herren ist, so stark sind ihre physischen und psychischen Belastungen. Schließlich begegnen sie Patienten, die unter unheilbaren Krankheiten leiden. Dabei geht es in den Gesprächen oft um die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Hilfe bietet Ute Diepenbrock an: „Es gibt Fortbildungen für die Aktiven zu solchen Themen. Dabei werden konkrete Fälle besprochen und Handlungsstrategien entworfen, die den Umgang mit den Patienten erleichtern sollen.“

EvK-Verwaltungsdirektor Gerhard Glock ist glücklich mit seinen vielen Helfern: „Sie sind es, die einen wesentlichen Beitrag zu einem menschlichen Miteinander in unserem Krankenhaus leisten. Zeit ist das Geschenk, das die Ehrenamtlichen unseren Patienten machen.“

Zur Sache

Das sind die Grünen Damen und Herren

  • Der Name „Grüne Damen und Herren“ beruht auf der grünen Kleidung der ehrenamtlichen Helfer.
  • Angeregt vom ehrenamtlichen Dienst des „Volunteer Service“ in den USA gründete Brigitte Schröder die Organisation 1969 in Düsseldorf.
  • 1976 schlossen sich die in Deutschland bestehenden Gruppen zur „Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe“ zusammen. Diese wurde 2004 in einen gemeinnützigen Verein (eKH e.V.) überführt.
  • 2019 waren in Deutschland für die eKH 7027 Frauen und 619 Männer ehrenamtlich tätig. Insgesamt werden von ihnen 1,8 Millionen Einsatzstunden pro Jahr unentgeltlich geleistet.
  • Im EvK Castrop-Rauxel sind aktuell 23 „Grüne Damen“ und ein „Grüner Herr“ tätig, davon 14 in der Krankenhausbücherei, 9 im Besuchsdienst und eine im Beschwerdedienst.
  • In der Regel nehmen sich die Grünen Damen und Herren einmal in der Woche für zwei bis vier Stunden Zeit.
  • Kontakt und Informationen: Krankenhausseelsorgerin Ute Diepenbrock (Tel. 02305 102-2654)
  • www.ekh-deutschland.de
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