Keine Silvester-Vorfreude: Sogar Feuerwehrwagen werden mit Raketen beschossen

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Heiligabend auf der Feuerwache in Castrop-Rauxel: Ein Dienst wie an jedem Tag im kompletten Jahr. Da ist man im Kopf bei der Familie zu Hause. Und denkt schon mit Unwillen an Silvester.

von Dieter Düwel

Castrop-Rauxel

, 26.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch an den Weihnachtsfeiertagen sind Feuerwehr und Rettungsdienst rund um die Uhr für die Bürger da. Wie sieht es in der Zentrale aus, wenn keine Einsätze gefahren werden? Und wie ist die Stimmung an Heiligabend?

Der Trend zu elektrischen Weihnachtsbaumkerzen ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. Davon profitiert vor allem die Feuerwehr. „Zimmerbrände durch Wachsbaumkerzen gibt es kaum noch“, berichtet Christoph Hoffmann, Oberbrandmeister der Castroper Feuerwehr, „Heiligabend ist in den letzten Jahren ein ganz normaler Arbeitstag für uns.“

Keine spektakulären Einsätze gefahren

In diesem Jahr gab es keine spektakulären Einsätze, so die Bilanz am Dienstag. Trotzdem war die Wache voll besetzt wie an den anderen 364 Tagen im Jahr auch. Christoph Hoffmann: „Unsere Besetzung ist immer gleich und ständig einsatzbereit, rund um die Uhr.“

Die Feuer- und Rettungswache ist zuständig für das gesamte Stadtgebiet. Es gibt aber auch eine überörtliche Hilfeleistung. „Fast täglich helfen Rettungswagen aus Datteln bei uns aus oder der Henrichenburger Rettungsdienst fährt nach Waltrop, wo normalerweise nur ein Wagen im Einsatz ist. Wir verfügen über drei davon und so wird immer der Rettungswagen genommen, der am nächsten an der Stadtgrenze ist“, berichtet Oberbrandmeister Heinz-Georg Kranefoer.

Obwohl es an Heiligabend mit drei leichten Einsätzen relativ ruhig war, herrschte in der Rettungswache an der Frebergstraße geschäftiges Treiben.

„Vor allem sind wir mit Instandsetzung-Arbeiten beschäftigt.“
Christoph Hoffmann

Was passiert während des Arbeitsdiensts, der täglich bis 19 geleistet wird? Christoph Hoffmann erklärt: „Hier gibt es immer genug zu tun. Vor allem sind wir mit Instandsetzungs-Arbeiten beschäftigt. Heute wird zum Beispiel die Regeldesinfektion der Rettungswagen durchgeführt. Das wird einmal in der Woche gemacht, aber zusätzlich auch nach speziellen Einsätzen.“

Ein anderer Schwerpunkt ist die Instandsetzung von Atemschutzgeräten und Masken, das heißt sie werden auseinander genommen und desinfiziert. „Das wird ebenfalls regelmäßig durchgeführt, auch nach den jährlichen Übungen der Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr, die unter dem Einsatz von Atemschutzgeräten und Masken stattfinden. Wir sind dann hier für die Instandsetzung verantwortlich“, so Hoffmann.

Weitere Instandsetzungsarbeiten sind die Reinigung der Schläuche sowie die Pflege der Fahrzeuge.

Es ist ziemlich schnell zur Routine geworden

Was bedeutet der Dienst an den Weihnachtsfeiertagen, besonders an Heiligabend, für die Diensthabenden und ihre Familien? Heinz-Georg Kranefoer erklärt: „Für die jungen Kollegen ist es natürlich etwas Neues. Zum Teil ist es für sie das erste Mal, wenn ihre Frau oder die kleinen Kinder allein zu Hause feiern müssen, aber das gehört eben zum 24-Stunden-Dienst dazu.“

Christoph Hoffmann, der seit 33 Jahren seinen Job macht, hat sich während der Zeit an die Situation gewöhnt: „Im Laufe der Zeit arrangiert man sich mit der Familie. Früher, als die Kinder noch klein waren, war es wirklich nicht einfach, dann haben wir die Bescherung eben am ersten Weihnachtstag gemacht. Es ist ziemlich schnell zur Routine geworden.“

Keine Silvester-Vorfreude: Sogar Feuerwehrwagen werden mit Raketen beschossen

Brandmeister Maximilian Weber (r.) mit Kollegen bei der Regeldesinfektion der Rettungswagen. © Dieter Düwel

Aber auch die Einsätze an den Weihnachtstagen machen den Feuerwehrleuten bisweilen zu schaffen. Kranefoer berichtet: „Wir beobachten, dass viele Menschen an Weihnachten eher nachdenklich und auch etwas depressiv werden. Somit steigt auch die Suizidgefahr, weil man fürchtet, an Weihnachten allein zu sein.“

Christoph Hoffmann fügt hinzu: „Sollte es zu Suizidversuchen kommen, wird das auch von uns an den Weihnachtstagen anders wahrgenommen. Wenn wir zum Beispiel zu einem Bahngleis gerufen werden, wo sich jemand vor den Zug geworfen hat, macht uns das noch nachdenklicher als sonst.“

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Wenn der Arbeitsdienst um 19 Uhr beendet ist, beginnen die Bereitschaftszeiten, in denen sich die Diensthabenden verpflegen und ausruhen können. Die beiden Oberbrandmeister berichten: „Dann lässt so langsam der Druck etwas nach. In unserer großen Küche wird dann gekocht und unter dem großen Weihnachtsbaum gemeinsam gegessen - natürlich nur, wenn keine Einsätze dazwischen kommen.“

Die Feuerwehrleute müssen sich für 24 Stunden verpflegen und fit halten. Christoph Hoffmann erinnert sich in dem Zusammenhang: „Mein erster Wachhabender hat uns immer gesagt, dass wir 24 Stunden bereitstehen müssen und dass er uns vielleicht auch nachts um drei Uhr braucht. Wenn wir dann ein Unfallopfer auf der A2 aus dem Auto schneiden müssen, erfordert das unsere ganze Konzentration und Fitness. Das geht oft an die Belastungsgrenze.“

Silvester ist der Tag der Tage

Nach dem relativ ruhigen Dienst an Heiligabend wagt Christoph Hoffmann schon mal einen Blick auf die bevorstehende Silvesternacht: „Das ist einsatztechnisch der Tag der Tage für beide Bereiche, weiß wie blau, also Rettungsdienst wie Feuerwehr. Dann fahren wir normalerweise die ganze Nacht durch die Gegend.“

Was sind die Ursachen dafür? Kranefoer berichtet: „Erfahrungsgemäß sorgen die Knallerei und der Alkohol für die meisten Einsätze. Es sind einfach viele Menschen auf der Straße, da kommt es leicht zu Verletzungen oder auch Bränden durch das unkontrollierte Abfeuern von Silvesterraketen.“

Leider müss man inzwischen auch beobachten, dass sogar die Löschfahrzeuge mit Raketen beschossen werden. „Die Hemmschwelle gegenüber den Rettungsdiensten ist in letzter Zeit stark gesunken. Oft haben die Leute keine Skrupel, uns mit Raketen oder Böllern zu attackieren“, so Kranefoer.

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