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In Castrop-Rauxel fehlt bezahlbarer Wohnraum. Bei der Frage, ob die im Trend liegenden Tiny-Houses ein Lösungsansatz für das Problem sein können, gibt es unterschiedliche Meinungen.

Castrop-Rauxel

, 10.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wie viele neue und bezahlbare Wohnungen in Castrop-Rauxel fehlen, ist nicht klar aufzuschlüsseln. In einer 40 Seiten starke Analyse der InWIS Forschung und Beratung GmbH machte Projektleiter Michael Neitzel deutlich, dass die Miete im Kreis Recklinghausen durchschnittlich von 5,50 Euro auf 6 Euro gestiegen ist. „Auch bei Ihnen in Castrop-Rauxel ist das so“, sagte er.

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Einige der weiteren Zahlen in dem Bericht, zeigen klar auf, woran es hier hapert: Von den 36.000 Haushalten, die es in Castrop-Rauxel gibt, gelten rund 39 Prozent als Bezieher von Niedrigeinkommen (8349/bezogen auf das Jahr 2017), 6385 Haushalte leben unterhalb der Armutsgrenze und bei 45,1 Prozent dieser Haushalte betragen die Wohnkosten mehr als 40 Prozent.

Von den 22.986 Mietwohnungen sind 21.438 Wohnungen bewohnt, 1548 stehen aber leer. Insgesamt wird in der Analyse genannt, dass 40 bezahlbare Wohnungen mehr für Drei- und Mehrpersonenhaushalte und 120 Wohnungen mehr für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte sinnvoll seien.

Vor allem bei Sozialwohnungen ist die Not groß

Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi schränkt jedoch ein: Der Bericht würde nur den statistischen Bedarf behandeln. „Nicht berücksichtigt werden Wohnungsangebote an die Allgemeinheit, also an Personen von außerhalb, die hier eine attraktive, preiswerte Wohnung suchen und die Nachfrage nach Wohneigentum, also Baugrundstücken, sowie darüber hinaus an hochpreisigen Angeboten.“

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Es sei aber so, dass der Anteil der Miete am Einkommen für viele Haushalte höher liege, als gesellschaftlich für gut befunden würde. „Und einige Menschen wohnen in kleineren Wohnungen, als es gesellschaftlich für angemessen befunden wird“, erklärt Nicole Fulgenzi. Drastisch sinkend sei jedoch die Anzahl an Sozialwohnungen mit gesetzlicher Begrenzung der Miethöhe. „Dadurch verliert der Wohnungsmarkt ein langfristig preisdämpfendes Mittel.“

Keine speziellen Bauvorschriften

Ein Konzept gegen die Wohnungsnot könnten die im Trend liegenden „Tiny Houses“ sein. Das sind besonders kleine Wohnungen, häufig Bungalows mit nur 40 Quadratmetern.

In Dortmund beauftragte der Wohnausschuss im März die Stadtverwaltung, auf einem geplanten Neubaugebiet Flächen explizit für solche Tiny Houses zu planen. 2022 könnten die ersten Häuser stehen.

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Ist das auch ein Konzept für Castrop-Rauxel? Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi sagt: „Eine nachhaltige Bedeutung als Entlastung für den Wohnungsmarkt ist dadurch nicht absehbar.“

Tiny Houses würden zwar dem Bedarf an preiswerten Kleinwohnungen entgegenkommen. Andere Faktoren aber wie das benötigte Wohnbaugrundstück würden nicht berücksichtigt.

Sind solche Tiny-Houses eine Antwort für den Wohnungsmarkt in Castrop-Rauxel?

Dieses Tiny House zeigt die Vielfalt der Möglichkeiten in diesem Segment. © Thomas Thiel

Grundsätzlich würden für diese Häuser die gleichen Regeln gelten, wie für andere Bauten auch. „Sofern es einfach nur sehr kleine Häuser sind, dürfen sie überall dort gebaut werden, wo Wohnhäuser auch gebaut werden dürfen“, sagt Fulgenzi. Es gelten die ganz normalen Bauvorschriften.

Auch die Grünen stehen dem Konzept kritisch gegenüber. Zwar sei es interessant „auf kleinerem Wohnraum zu leben“, weil das auch „weniger Ressourcenverbrauch für den Bau und den Betrieb der Wohnungen“ bedeute, sagt Fraktionsvorsitzender Bert Wagener. Allerdings hätten die Tiny-Houses auch einige tiefgreifende Nachteile. „Freistehende Häuser verbrauchen deutlich mehr Energie unter anderem für Heizung, da diese ja fast nur aus den Außenwänden bestehen. In der Energiebilanz schneiden die also schlechter als Geschosswohnungen in gleicher Größe ab.“

Zudem wären auch mehr Wege notwendig, da es sich um freistehende Häuser handelt. „Auch der Freiflächenbedarf für ein solches Haus ist enorm. Während Geschosswohnungen oder auch Reiheneigenheime häufig mit dem zweifachen der Wohnfläche als Grundstücksfläche auskommen, ist dies bei Tinyhäusern nicht denkbar, Abstände sind einzuhalten und Leitungen zu verlegen“, sagt Wagener.

Deswegen sind die Grünen auch eher für „intelligente Geschosswohnungen mit Tinyflair“. Diese seien in Baulücken auch realisierbar.

Eine Firma plant eine Ausstellung in Castrop-Rauxel

Noch ist es also kein großes Thema in Castrop-Rauxel - das könnte es aber werden. Bei unserer Recherche haben wir mehrere Anbieter von Tiny Houses angefragt. Ein einziger hat Interesse an dem Konzept.

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Die Firma WFP Clean Oberflächentechnik GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Eppingen (zwischen Stuttgart und Heidelberg) hat sogar schon einen Plan: An der Rütgersstraße in der Nähe des Bahnhofs sollen mitten auf der Wiese zwei kleine Container-Häuser ausgestellt werden - als Muster-Häuser praktisch. Dort können sich Interessenten mit dem Konzept vertraut machen. Ein Tiny House mit 40 Quadratmetern und ein Duo-Haus mit 80 Quadratmetern sollen dann stehen. Auf Dauer sollen verschiedene Möglichkeiten vorgestellt werden. „Mal zweigeschossig, mal drei Container, mal nur einer. Je nachdem, was auf dem Markt passiert“, sagt Architekt Jörn Leder, der mit der Firma WFP Clean Oberflächentechnik GmbH zusammenarbeitet.

Sind solche Tiny-Houses eine Antwort für den Wohnungsmarkt in Castrop-Rauxel?

Auf dieser Wiese an der Rütgerstraße plant die Firma die Ausstellung verschiedener Containerhaus-Modelle. © Patrick Radtke

Noch ist das allerdings nur ein Plan. Eine Bauvoranfrage ist bei der Bauverwaltung der Stadt eingegangen. Die hat aber noch nicht entschieden. „Es ist kostengünstiges und flächensparendes Bauen“, sagt Wolfgang Peter, Inhaber der Firma. Die Wirtschaftsförderung der Stadt unterstütze sein Vorhaben. „Sie sagten, dass sie es gut finden. So etwas gibt es im Ruhrgebiet noch nicht“, sagt Wolfgang Peter, der aus Dortmund kommt.

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Der Preis für die kleine Variante der Container-Häuser läge zwischen 70.000 und 75.000 Euro. Der größere Container würde 100.000 Euro kosten. Jörn Leder sieht ein sinnvolles Geschäft: „Wir wollen da nichts hinstellen, was sich nachher nicht verkaufen lässt“, sagt er. Doch bevor die Planungen richtig los gehen könnten, muss erst einmal die Bauverwaltung antworten.

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