So erkennt man Fake Shops beim Onlineshopping

Verbraucherzentrale warnt

Fake Shops, Flüchtlinge und Finanzen: Das sind die Themen über die Susanne Voss, Leiterin der Verbraucherzentrale Castrop-Rauxel, im Interview mit Redakteur Tobias Weckenbrock gesprochen hat. Welche Tücken es beim Online-Shopping gerade so kurz vor Weihnachten geben kann, lesen Sie hier.

CASTROP-RAUXEL

, 20.12.2016, 15:13 Uhr / Lesedauer: 4 min
So erkennt man Fake Shops beim Onlineshopping

Susanne Voss, Leiterin der Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel an der Mühlengasse

Weihnachtszeit ist die Zeit des Shoppings. In einer aktuellen Mitteilung weisen Sie auf Fake Shops im Internet hin. Was ist das? Und was ist daran gefährlich?

Wenn ich ein Markenprodukt in einer Suchmaschine gefunden habe, zeigt sich ein vermeintlicher Anbieter, der mir eine hochwertig aufgemachte Seite präsentiert. Wenn ich nicht nachsehe, wo der Anbieter sitzt, kann es gefährlich werden. Man sollte immer im Impressum gucken. Die Seiten versprechen oft Seriosität. Wenn die Seite im Ausland ist: Vorsicht! Wenn es kein Impressum gibt: größte Vorsicht! Und die Seiten werben oft mit dem Trusted-Shop-Siegel, das besagt, dass dieser Handel eigentlich seriös ist. Die Logos sind aber oft gefälscht. Um die Echtheit zu überprüfen, muss ich auf das Siegel klicken. Dann öffnet sich die Seite von der Organisation. Wenn die sich nicht öffnet, ist das Siegel lediglich draufgestempelt. Und wenn nur Vorkasse als Bezahlmöglichkeit steht, sollte ich vorsichtig sein. Wir haben viele Verbraucher, die schon Geld für die Kamera oder das Handy überwiesen hatten – aber die Ware ist nie gekommen. Gerade in der Vorweihnachtszeit möchte man sich den einen oder anderen Weg in die überfüllten Städte sparen. Dann sehe ich die Angebote im Internet günstiger. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt.    

Auf was kann ich mich denn verlassen? Auf den großen Handelsriesen aus den USA? 

Wenn es sich um eine bekannte Firma handelt, dann ja. Aber wenn es eine unbekannte Firma mit dem Schnäppchenpreis ist, sollte man immer, bevor man den Vertrag abschließt, den Namen der Firma mit Stichworten wie Abzocke oder Probleme oder Erfahrungen in die Suchmaschine eingeben. Das Netz reagiert sehr schnell. Wenn Käufer negative Erfahrungen gemacht haben, wird das in der Regel auch eingestellt. Dann heißt es: Finger davon lassen! 

 

 

Vom Internethandel generell würden Sie aber nicht abraten? Oder sagen Sie: Leute, geht doch in die Geschäfte vor Ort...

Der örtliche Einzelhandel ist unterstützenswert, klar. Sonst sagen hinterher alle, wenn die Läden zugemacht haben, dass die Innenstädte veröden. Aber machen wir uns nichts vor: Auch der Internethandel hat seine Berechtigung und schafft Arbeitsplätze. Dann muss man nur schauen, wo man kauft. 

Weshalb sind die Menschen im vergangenen Jahr eigentlich am häufigsten zur Verbraucherzentrale gekommen?

Mit Handy-Verträgen haben die Verbraucher sehr oft Probleme, weil der Verkäufer oft blumige Sachen verspricht, die hinterher im Vertrag nicht stehen. Das ist ein Klassiker. Die Kunden sind dann überrascht, wenn die erste Rechnung kommt. Das ganze wird dann oft sehr viel teurer. Diese Probleme haben wir seit vielen Jahren, sie sind aber im Jahr 2016 noch mehr geworden dadurch, dass jetzt viele Flüchtlinge abgezockt werden. Oft ist ihr Handy auf der Flucht kaputt gegangen. In Deutschland bekommen sie fast nur dann ein internetfähiges Handy, wenn sie einen Vertrag abschließen – und der ist oft sehr viel teurer, als der Händler versprochen hat.

Oh, Sie nutzen selbst das Wort abgezockt. Worin besteht denn die Gefahr bei Flüchtlingen? Die haben ja oft gar kein Geld, da ist doch also eigentlich kaum etwas zu holen...

Trotzdem können sie Verträge in Deutschland abschließen. Die Vertragsanbahnung findet oft in deren Landessprache statt, der Vertrag ist aber auf deutsch. Sie vertrauen einfach, dass sie nicht abgezockt werden, weil sie in Deutschland angekommen sind, einem Land, wie sie glauben, in dem Recht und Ordnung herrscht. Das wird uns ganz oft signalisiert: "Das hätte ich nicht gedacht, dass mir das in Deutschland passieren kann", sagen viele von ihnen. Der Vertrag wird gutgläubig unterschrieben und die Menschen haben dann hinterher hohe Kosten an der Backe. Sie können das dann nicht zahlen, starten in Deutschland gleich mit Schulden. Dabei hat jemand, der aus einem anderen Land kommt, am Anfang doch eigentlich andere Probleme als Mahnbescheide, Schufa-Einträge, Gespräche mit Anwälten... Mit einem Schufa-Eintrag ist es sehr schwer, eine Wohnung, einen Handyvertrag zu bekommen oder den Stromanbieter zu wechseln. All das ist ihnen dann verwehrt. 

 

 

Ist es eigentlich meistens schon zu spät, wenn die Leute zu Ihnen kommen?

Leider kommen die Verbraucher erst dann, wenn es schon fast zu spät ist, ja. Wir gucken dann, was noch zu retten ist. Je eher die Verbraucher kommen, desto besser. Aber Flüchtlinge kennen natürlich Verbraucherschutzorganisationen aus ihren Heimatländern nicht – meist gibt es sowas dort nicht. Das heißt, sie werden durch Landsleute oder Flüchtlingshelfer erst darauf gebracht, dass es etwas gibt, wo unkompliziert Hilfe geleistet werden kann. Das muss sich in den Communitys erst einmal herumsprechen.

Es gibt rund 9300 Anfragen in der Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel pro Jahr. Kann man das zerlegen in die Arten der Kontaktanbahnung oder die Themenbereiche?

Bei den Anfragen sind zwei Drittel persönliche Kontakte und ein Drittel Anrufe. Die persönlichen Anfragen sind oft Dinge, wo wir selbst gar nicht tätig werden können, aber wissen, wer helfen kann. Wenn wir im Verbraucherrecht nicht weiter kommen, weil es zum Beispiel um eine Frage aus dem Sozialrecht geht, wissen wir, wohin die Menschen hier in Castrop-Rauxel gehen können. Mit kurzen Wegen findet sich dann eine Lösung. 

Das heißt, dass Sie eine Lotsenfunktion übernehmen. Ist das gleich kostenpflichtig?

Nein, wenn wir nur Lotse sind, ist das kostenfrei. Wir sehen uns schon als Teil eines Netzwerks von vielen wichtigen Institutionen. Wenn wir tatsächlich tätig werden, ist unsere Beratung in der Regel kostenpflichtig. Eine Rechtsberatung zum Beispiel kostet 9 Euro. Wenn wir den Verbraucher nach außen gegenüber dem Anbieter vertreten, kommen 16 Euro hinzu. Wenn der Verbraucher bedürftig ist, also Sozialleistungen erhält oder es Unterhalts-Unklarheiten gibt, dann können wir darauf verzichten. Das ist unser Vorteil: Wir bekommen öffentliche Gelder, jeder soll einen Zugang zum Recht erhalten. 

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Heute steht doch die Information eigentlich überall im Internet kostenfrei abrufbar parat. Man kann sich mit ein paar richtigen Anfragen in Suchmaschinen selbst schlau machen. Spüren Sie das in Ihrer täglichen Arbeit?

Ja, viele sind sehr gut informiert, haben vorher schon ihre Suchanfrage im Netz gestartet. Viele landen im Netz direkt bei der Verbraucherzentrale, Gott sei Dank. Wir leisten ja auch Online-Beratung. 

Im Netz kontrolliert niemand, wer hinter den Webseiten und Beratungsseiten steckt. Liegen dahinter wirtschaftliche Interessen? Wird man zum Beispiel direkt zu der Versicherungsgesellschaft weitergeleitet? Uns ist wichtig, dass der Verbraucher auch im Netz anbieterunabhängige Beratung bekommt. 

Viele sagen uns aber: "Ich bin im Internet nicht wirklich schlauer geworden." Oftmals finden sie eine Informationsvielfalt und brauchen einen Lotsen, der die Spreu vom Weizen trennt. Wir können dann darauf hinweisen, dass der Verbraucher nur die halbe Wahrheit bekommen hat. Die andere Hälfte geben wir ihm. Der Verbraucher ist dann oft froh, wenn er Face-to-face, um es Neudeutsch zu sagen, sein Problem besprechen kann. Das eine schließt das andere nicht aus, wir ergänzen uns. 

Sie haben die Unabhängigkeit angesprochen. Wie kann ich mich darauf verlassen, dass ich bei der Verbraucherzentrale auf eine unabhängige Institution treffe?

Wir bekommen öffentliche Mittel. In jeder Stadt, in der eine Beratungsstelle ist, gibt es Mittel der Stadt: 50 Prozent finanziert die Kommune. Die andere Hälfte wird von Land, Bund und der EU bezahlt. Wir sind ein eingetragener Verein, anbieterunabhängig und arbeiten nicht gewinnorientiert. Darum kann der Verbraucher sicher sein, dass wir von keiner Bank, Versicherungsgesellschaft oder der Industrie gekauft sind. Es gibt eine veröffentlichte Bilanz, die jeder einsehen kann auf unserer Homepage. Darin steht, woher welches Geld kommt. Der Verbraucher kann sicher sein, dass er bei uns seriöse Antworten bekommt. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel?
Schildern Sie uns Fälle, bei denen Ihnen die Beratung geholfen hat, oder solche, wo das nicht der Fall war: / Tel. (02305) 9230043

 

 

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