So hält ein Trickbetrüger in der JVA Meisenhof die Beziehung zu seiner Freundin aufrecht

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Kurz nach dem 21. Geburtstag klickten die Handschellen: Mit 220.000 Euro in bar wurde ein Trickbetrüger erwischt. Jetzt sitzt er im Knast und erzählt von Arbeit, Ausflügen und Beziehungen.

Ickern

, 31.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrug sitzt ein 21-Jähriger in der JVA Meisenhof. Erwischt wurde er damals auf frischer Tat beim Enkeltrick vor der Haustür einer älteren Dame.

Das Vorgehen: Seine Kollegen riefen bei älteren Leuten an und erklärten, dass ihr Enkel in Schwierigkeiten sei und dringend Geld bräuchte. Da der Enkel selbst nicht kommen könne würde das Geld jemand abholen. „Es ging um hohe Summen“, so der 21-Jährige. „Die anderen haben das organisiert und ich habe dann den Anruf bekommen, wo ich hinfahren muss und wo ich das Geld abliefern soll.“ Für die erste Fahrt habe er 5000 angeboten bekommen, für die nächste sollte es 10.000 Euro geben.

Doch zur nächsten Fahrt kam es nicht, die Polizei kam ihm zuvor. Nach Angaben des 21-Jährigen habe er 220.000 Euro in bar und Goldschmuck im Wert von 30.000 Euro bei der älteren Dame eingesammelt. Heute sagt er: „Ich war arbeitslos, jung und doof.“ Die Beweggründe sind klassisch: „Schlechte Kollegen, schlechter Umgang.“

Zwei Jahre und zehn Monate Haft

Ungünstig auch der Zeitpunkt, denn im Strafrecht spielt die Altersgrenze von 21 Jahren eine wichtige Rolle, denn ab dann gilt das allgemeine und nicht mehr das Jugendstrafrecht. Das Urteil lautete zwei Jahre und zehn Monate Haft. „Ich denke immernoch darüber nach, was ich da gemacht habe. Ich habe mich im Gerichtssaal entschuldigt“, so der Verurteilte.

Gut für den jungen Trickbetrüger, der zu dem Zeitpunkt noch keinerlei Vorstrafen hatte: Er hat einen Job und konnte so schnell in den offenen Vollzug nach Castrop-Rauxel. Ursprünglich hatte er als Altenpfleger gearbeitet, dort wurde er mit seiner Verurteilung rausgeschmissen. In seinem jetzigen Job hat er einen festen Vertrag, die Probezeit sei jedoch etwas länger als üblich.

Mit 21 fängt das Leben erstmal an und jetzt sitze ich hier drin.
Verurteilter Trickbetrüger

Und er geht zwar arbeiten, wohnt aber im Gefängnis. Da kann man sich was Schöneres vorstellen. „Mit 21 fängt das Leben erstmal an und jetzt sitze ich hier drin statt mit meiner Familie und meiner Freundin zusammen zu sein“, sagt der Trickbetrüger. Die Eltern seiner Freundin glauben bis heute, er sei auf Montage, die wahre Geschichte kennen sie nicht.

Erstes Telefonat mit der Freundin und Familie: „Wir haben erstmal alle geweint.“

Mit seiner Familie und der Freundin habe er jedoch viel Kontakt, auch wenn das erste Telefonat hart gewesen sei. „Die waren schockiert und wir haben erstmal alle geweint.“ Jetzt stünden sie jedoch hinter ihm und er kann sie oft besuchen. Armin Kersting von der JVA: „Ein Gefangener, der gelockert ist, darf bis zu zehn Stunden Ausgang pro Woche bekommen.“

Es fange damit an, dass die Bediensteten sehen wollen, wie sich der Insasse draußen benimmt. Als erstes darf er zwei Stunden raus - etwa zum einkaufen. Dann fünf Stunden, da könne man sich zum Beispiel schon mit der Freundin treffen und dann können die Gefangenen einen Antrag stellen auf zehn Stunden Ausgang. Kersting: „Wenn das gut läuft, gibt es Langzeitausgang, also über Nacht raus.“ Dann gelten die Insassen als voll gelockert.

Ausgang oder Urlaub am Wochenende

Im Idealfall gehen sie morgens arbeiten, kommen nach Feierabend zurück, schlafen in der JVA und bekommen am Wochenende Ausgang oder Urlaub. Kersting: „Die meiste Zeit sind die Insassen am Ende draußen.“

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Der 21-Jährige fühlt sich in der JVA Meisenhof gut aufgehoben. „Ich habe das Gefühl, gut auf die Zukunft vorbereitet zu werden und die Angestellten sind alle korrekt.“ Für die Zeit nach seiner Entlassung hat er schon genaue Vorstellungen. Den Kontakt zu den „Banden-Kollegen“ hat er nach eigenen Angaben komplett abgebrochen. Er will auf eigenen Beinen stehen, nicht mehr bei seinen Eltern wohnen. Und dann: „Nach einer Zeit will ich heiraten und eine Familie gründen.“

KNAST-SERIE

HINTER DEN GITTERN DES MEISENHOFS

  • In dieser Serie sprechen wir mit verurteilten Straftätern und Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel.
  • Wir wollen den Menschen in der Stadt so einen Einblick in das Leben hinter den Mauern des Meisenhofs geben.
  • *Alle Namen der Inhaftierten in dieser Serie wurden durch die Redaktion geändert.
  • Häftlinge beschreiben in der Serie ihre Straftaten, wie sie selbst sie in Erinnerung haben. Zum Schutz der Opfer und Angehörigen haben wir keine weiteren Recherchen unternommen, um auch sie zu befragen.
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