So lief die Wahl 2017 in Castrop-Rauxel

AfD auch hier stark

Das Ergebnis der Bundestagswahl gibt auch in Castrop-Rauxel zu denken. Wie überall im Land wird die AfD hier drittstärkste Partei. Frank Schwabe (SPD) entscheidet den Wahlkreis wie erwartet für sich. Weitere Zahlen, Daten, Entwicklungen und Einschätzungen lesen Sie hier.

CASTROP-RAUXEL

, 24.09.2017, 17:15 Uhr / Lesedauer: 6 min

Aktuelle Ergebnisse: Welche Partei ist die stärkste in Castrop-Rauxel?

 

 

Wer liegt bei den Erststimmen vorn?

 

22:49 Uhr: Zählpannen bis kurz vor halb 11

Das letzte Wahllokal hat seinen Job beendet. Unsere Redaktion damit nun auch. Während wir für die Zeitung die letzten Zeilen schreiben, haben wir nun auch noch ein Statement von Michael Breilmann, dem unterlegenen Direktkandidaten der CDU. Die erste Analyse der Wahlergebnisse gibt es dann am Montag in der Zeitung.

22:17 Uhr: Ein Stimmbezirk fehlt noch

In Castrop-Rauxel sind 74 von 75 Wahllokalen ausgezählt. Im Kreis Recklinghausen mit seinen drei Wahlkreisen insgesamt 545 von 547. Die zwei, die noch fehlen, sind im Wahlkreis Recklinghausen I. Warum, wissen wir aktuell noch nicht. Aber die Zeitungsproduktion ist inzwischen zum Teil abgeschlossen - Andruck!

Wir sprachen vorhin mit Bürgermeister Rajko Kravanja über seine erste Einschätzung der bundesweiten Zahlen. Als erschreckend bezeichnete er das AfD-Ergebnis im Bund, das sich sicher auch in den Zahlen vor Ort spiegele. "Das ist für uns als Politiker die Herausforderung", so der Bürgermeister. "Dazu machen wir mal einen Runden Tisch mit den Parteivorsitzenden in Castrop-Rauxel, um uns explizit damit zu beschäftigen", kündigte er an. "Wenn jemand eine einfache Analyse hätte, könnte man dagegen etwas machen. Einfache Antworten habe ich auch nicht. Aber in der Tat sind zwei, drei Dinge entscheidend: Klar ist es populistisch, einfache Antworten auf komplexe Fragen. Das zieht im Moment. Aber es ist auch eine Frage von Gerechtigkeit, die man verstärkt in den Fokus rücken muss. Alle gemeinsam. Das funktioniert nicht im Gegeneinander der einzelnen Parteien." 

20:32 Uhr: Auszählung bald beendet

68 von 75 Stimmbezirken sind ausgezählt. Bei den Zweitstimmen liegt die AfD jetzt bei 11,9 Prozent. Die CDU ist mit 28,4 Prozent dichter an die SPD (33,8 Prozent) heran gekommen. Frank Schwabe verbucht in Castrop-Rauxel 41,4 Prozent der Stimmen, Michael Breilmann bringt es auf 30,5 Prozent.

Allgemein sorgt das gute Abschneiden der Alternative für Deutschland (AfD) auch in Castrop-Rauxel für Bestürzung in der restlichen Parteienlandschaft. 2013 hatte sie noch 4,5 Prozent geholt. Bei der Landtagswahl im Mai konnte sie dann in einem Habinghorster Wahllokal mit fast 17 Prozent schon Furore machen. Diesmal ging es dort sogar hoch auf 19,29 Prozent. Zu Vergleich. Die CDU brachte es hier auf 18,99 Prozent. Aber auch in der Kästner- und der Andersen-Schule holte man jeweils 19 Prozent, in der Korczak-Schule 18,49, in der Grundschule Am Busch waren es 18,11 Prozent für die AfD.

20:12 Uhr: "Klare Kante gegen Regierung, die nicht sozial sein wird"

Frank Schwabe (SPD) zur ersten Prognose / Hochrechnung im Bund: "Ich glaube, die SPD hat die Chance, sich neu aufzustellen, noch mal neu darüber nachzudenken, wie Sozialstaat eigentlich organisiert werden kann und wie man Leute, die die Demokratie irgendwie nicht mehr gut finden und damit nichts mehr anfangen können, eigentlich zurückgewinnt. Klar kann man sagen, dass der Wechsel von Gabriel zu Schulz viel zu spät war. Die Kampagne war nicht ordentlich vorbereitet. Aber das ist alle relativ müßig. Jetzt geht es darum, nach vorne zu gucken, die Oppositionsrolle anzunehmen sich in der Opposition zu erneuern und klare Kante zu zeigen gegen eine Regierung, die nicht sozial aufgestellt sein wird, aber auch gegen eine rechtsextrem rechtspopulistisch aufgestellte Opposition von der AfD."

20:03 Uhr: Entsetzen bei der SPD in der Agora

Im Ickerner Kulturzentrum Agora, wo die SPD sich seit langer Zeit immer zu den Wahlen trifft, herrschte heute nach 18 Uhr tiefes Entsetzen, wie unserer Reporterin berichtet. Das bescheidene eigene Abschneiden im Bund, aber auch und gerade das massive Erstarken der AfD in Deutschland und in Castrop-Rauxel sorgten bei den Genossen für Fassungslosigkeit. Immerhin schaffte es die AfD in der Europastadt in vielen Wahllokalen weit über die 10-Prozent-Marke, in der AWO-Kita Habinghorst, wo sie im Mai bei der Landtagswahl schon fast 17 Prozent erreichte, scheiterte sie mit 19,29 Prozent diesmal gar nur knapp an den 20 Prozent. 

Für die eigene Partei, da herrschte Einmut, sei der Schritt in die Opposition nun der richtige Weg, um sich dort als Partie zu erneuern.

19:43 Uhr: Reaktionen aus dem Ratssaalfoyer zum Reinhören

Unser Reporter Tobias Weckenbrock war von 18 Uhr bis 19.15 Uhr im Ratssaalfoyer unterwegs und hat jede Menge Stimmen von Fraktions- und Stadtverbands-Vorsitzenden und zwei Direktkandidaten - Frank Schwabe (SPD) und Anne Krüger (FDP) - sowie vom Bürgermeister in kurzen Interviews zusammengetragen. Darin geht es stets um die erste Prognose und die ersten Hochrechnungen der bundesweiten Ergebnisse. Hier zum Anhören, später auch zusammengefasst zum Lesen: 

 

19:28 Uhr: Enttäuschung bei vielen CDU-Politikern

 

In der Geschäftsstelle der CDU-Fraktion sah man um kurz nach 18 Uhr bescheidene Mienen, als das Ergebnis der Union eingeblendet wird - und Fassungslosigkeit bei den Zahlen der AfD.  "Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass wir noch Rückhalt in der Bevölkerung haben. Das Ergebnis der AfD ist allerdings schockierend. Ich hoffe, dass es für sie nur ein kurzes Gastspiel wird", sagte Michael Schneider, Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion.

"Das Ergebnis der AfD ist erschreckend", sagte Hans-Hugo Kurrek, stellvertretender Bürgermeister von Castrop-Rauxel: "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Jamaika greift. Die Grünen sind in manchen Dingen ja noch konservativer als wir. Warum sollte das nicht klappen?" Hilmar Claus, 2. stellvertretender Landrat im Kreis Recklinghausen: "Ich bin sehr enttäuscht über dieses Ergebnis und vor allem darüber, wie die AfD abgeschnitten hat. Dass die SPD so schnell verkündet hat, sie würde in die Opposition gehen, ohne Verhandlungen zu führen, überrascht mich. Immerhin ist die CDU noch stärkste Kraft."

19:14 Uhr: Zahlen stabilisieren sich nach 27 Wahllokalen

Jetzt sind 27 von 75 Wahllokalen ausgezählt. Am Tenor des Ergebnisses ändert sich nicht viel. Die AfD bringt es derzeit allerdings "nur" noch auf 13,7 Prozent, bleibt aber weit vor FDP (8,3), Linke (7,5) und Grünen (4,7). Schwabe hält sich bei 43,7 Prozent, Michael Breilmann holt nach jetzigem Stand 27 Prozent.

18:51 Uhr: Erste Wahllokale ausgezählt

Die ersten fünf Wahllokale in Castrop-Rauxel sind ausgezählt. Die SPD liegt bei 37,5 Prozent, die CDU bei 23,5 und die AfD auch hier als drittstärkste Partei bei satten 15,7 Prozent. Frank Schwabe schneidet besser als seine Partei ab und holt bisher 44,5 Prozent der Erststimmen. Michael Breilmann (CDU) holt 24,3 Prozent, der vor Ort nie aufgauchte AfD-Mann Steffen Christ auf 14,9 Prozent. 

18:09 Uhr: Großes Entsetzen nach der ersten Prognose

Großes Entsetzen herrscht aktuell im Ratssaal Foyer des Rathauses in Castrop-Rauxel. Vor allem das Ergebnis der AfD nach der ersten Prognose schockt hier viele im untergehenden Sonnenlicht, das durch die Fensterfassade hier herein stahlt.

Viele der hier anwesenden SPD-Politiker sind überdies geschockt über das schwächste Ergebnis ihrer Partei in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Wie gesagt: es gibt bisher nur die erste Prognose. Aber fast alle sind niedergeschlagen.

16.45 Uhr: So hoch ist die Wahlbeteiligung bisher

57.576 Castrop-Rauxeler sind heute wahlberechtigt für die Bundestagswahl. In 64 Wahllokalen kann gewählt werden. Um 16 Uhr, so erfuhren wir gerade aus dem Rathaus, lag die Wahlbeteiligung stadtweit bei 56,6 Prozent. Darin nicht mitgezählt sind die Briefwähler. Laut Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann hatte das Wahlbüro der Stadt bis Freitagmittag etwa 12.500 Wahlscheine für Briefwähler ausgestellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 hatte die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl bei 69,6 Prozent gelegen, bei der Landtagswahl im Mai 2017 bei nur 60,16 Prozent.

Die Wahl war in Castrop-Rauxel eher verhalten angelaufen. Um 13.05 Uhr hatte Malte Fercke, stellvertretender Fraktionschef der SPD, der im Wahllokal 23.1 in Frohlinde (Lindenschule) im Einsatz war, getwittert: „Die Spätschicht übernimmt. Beteiligung ca. 35%. Luft nach oben.“

Insgesamt sind heute 536 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer in 64 Wahllokalen im Einsatz. Zudem werden die Stimmen aus elf Briefwahlbezirken ausgezählt. Bei der Auszählung kommen alle in der Regel sieben Wahlhelfer pro Wahllokal zusammen, damit die Auszählungsergebnisse möglichst zügig weitergeleitet werden und das amtliche Ergebnis der Wahl bekanntgegeben werden kann. 

Rückblick: So war die Bundestagswahl 2013

„Wahnsinnsergebnis“: So fiel die spontane Wahlanalyse von CDU-Kandidat Philipp Mißfelder am 22. September 2013 aus. Die CDU gewann hinzu, er selbst auch. Doch Konkurrent Frank Schwabe entschied den Kampf ums Direktmandat wieder für sich.

Sowohl Frank Schwabe als auch Philipp Mißfelder schnitten 2013 in Castrop-Rauxel besser ab als ihre Parteien: Mißfelder bekam 32,7 Prozent der Erststimmen, Schwabe 47,6 Prozent. Beide Volksparteien legten nach den Verlusten 2009 allerdings wieder zu: Die SPD verbesserte ihr Ergebnis von 38,8 auf 41,8 Prozent, die CDU von 25,6 auf 32,1 Prozent. „Wahnsinnsergebnis in Deutschland und im Wahlkreis und einen großen Wahlsieg“ feierte Mißfelder noch am Abend.

Die Rolltreppe abwärts nahm die FDP, die von 10,8 Prozent auf 3,2 Prozent fiel – und den Sprung in den Bundestag auch bundesweit erstmals verpasste. „Das ist eine historische Wahlniederlage“, sagte Direktkandidat Mathias Richter. „Jetzt steht die Frage an, wie wir die Partei personell neu aufstellen.“ Ergebnisse sind heute zu sehen: Christian Lindner, Magentarot statt Blau zusammen mit dem liberalen Gelb – und sehr guten Aussichten auf den Wiedereinzug ins Parlament.

Einen Einbruch erlebte auch die Linke. Sie fiel in Castrop-Rauxel von 11,5 auf 6,9 Prozent der Zweitstimmen. Kandidat Erich Burmeister erreichte „nur noch“ 6,1 Prozent nach seinem zweistelligen Erfolg vier Jahre zuvor.

Die Grünen fielen von 7,3 Prozent auf 6,1 Prozent der Stimmen in der Stadt.

Die Piraten kamen auf 2,3 Prozent, nach 1,8 Prozent im Jahr 2009.

Neu auf die Bühne der Parteien trat die Alternative für Deutschland (AfD), die es gleich auf 4,5 Prozent der Zweitstimmen in Castrop-Rauxel schaffte. Sie stand damals – vor ihrem Rechtsruck – vor allem für Euro-Skepsis, weniger für Migrations-Feindlichkeit.

So hatten wir im Vorfeld über die Wahl berichtet:

Aktuelle bundesweite Ergebnisse finden Sie ab 18 Uhr hier.

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