So steht es um den Umbau des Altstadtmarkts

Großbauprojekt

Das Thema Marktumbau in Castrop ist ein durchaus umstrittener Dauerbrenner. Seit vergangene Woche Archäologen vor Ort sind, ist das Areal in der Altstadt ein echter Anziehungspunkt für schaulustige Bürger geworden. Wir haben für Sie die wichtigsten Infos zum Umbau und zur Situation noch mal zusammengestellt.

Castrop-Rauxel

, 30.07.2016, 05:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
So steht es um den Umbau des Altstadtmarkts

Seit dieser Woche ist die Baustelle am Altstadtmarkt nun eine Ausgrabungsstätte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Jeden Tag sind seither weitere bedeutende Funde unter dem alten Pflaster des Platzes gemacht worden.

Was steckt hinter dem Projekt Marktplatzumbau? Seit 2004 wurde eine Altstadterneuerung thematisiert. Im Jahr 2005 hatte sich die Stadt Castrop-Rauxel dann an dem Wettbewerb „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ beteiligt, um den Stadtkern zu modernisieren. Für die Renovierung des Marktes erwartete die Stadt Landesmittel in Höhe von 1,38 Millionen Euro als Zuschuss für das Bauvorhaben. Eine Bestandserhaltung kam nicht mehr infrage, da die Betonbettung unter dem vorhandenen Pflaster porös war und entfernt werden sollte. Ein Teilbereich des 1908 bis 1916 gepflasterten Areals war zuletzt 1985 erneuert worden.

Welche Probleme gab es bisher? Das Land NRW verwehrte 2009 Fördergelder, da es sich teils um eine bewirtschaftete Parkraumfläche handele. Die Marktplatz-Umgestaltung wurde von der Stadtverwaltung daher auf den Zeitraum 2011/2012 verschoben. Auch entbrannten Diskussionen darüber, ob die Bäume auf dem Platz nun gefällt werden sollten oder nicht. Strittig war ebenso die Frage nach einem neuen Pflasterstein für den Markt. Kurzzeitig sollte Strukturasphalt zum Einsatz kommen.

Wann ging es mit dem Umbau los? Der erste Bauabschnitt zum Stadtgarten hin wurde 2014 abgeschlossen, Kanalarbeiten im östlichen Platzbereich sowie die provisorische Oberflächenwiederherstellung dann 2015 durchgeführt. Weil allerdings die erneut beantragten Fördermittel des Landes nicht rechtzeitig bewilligt wurden, musste ein Fortschreiten der Arbeiten auf 2016 verschoben werden. Der Förderbescheid zur Marktplatzumgestaltung lag dann im September 2015 in Höhe von 1,04 Millionen Euro vor.

Diese Fördermittel fließen jährlich bis 2018 in Teilbeträgen, sodass die Stadt den Umbau vorfinanzieren muss. Mit 260.000 Euro wurde damals der Eigenanteil der Stadt beziffert. Für die bewirtschaftete Fläche kalkulierte die Stadt rund 320.000 Euro (inklusive 20.000 für Planungsleistungen). Dafür sollten Mittel aus dem Kommunalinvestitionsförderungsfond des Bundes in Höhe von 288.000 Euro verwendet werden. Der Umbau startete auf der mit gebührenpflichtigen Parkplätzen versehenen Fläche dann im Februar 2016. Im Mai dann die Hiobsbotschaft: Der Umbau wird teurer als erwartet. Ausschlaggebend dafür sei unter anderem der Preis des neuen Pflastersteins. Im schlimmsten Fall ging man von Gesamtkosten von rund 1,7 Millionen Euro aus.

Warum gibt es jetzt wieder einen Baustopp? Ende Juni begannen die Arbeiten am Bauabschnitt rund um den Reiterbrunnen. Mitte Juli fanden die Bauarbeiter dann aber nach dem Abtragen der Schotterschicht offenbar historisches Baumaterial. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe wurde über den Fund informiert. Der LWL hat die Firma Archbau mit Grabungen beauftragt. Am 26. Juli hat nun die Archäologin Kerstin Lehmann ihre Arbeit aufgenommen. Unter ihrer Aufsicht wurde mit dem Abschieben der Fläche begonnen, um weitere historische Funde zu machen und zu dokumentieren.

Was genau passiert jetzt auf der Baustelle? Die planmäßigen Bauarbeiten, die die Firma Boymann aus Dortmund im Auftrag des Stadtbetriebes EUV im zweiten Bauabschnitt durchführt, sind ausgesetzt. Trotzdem arbeiten die Mitarbeiter der Firma mit der Archäologin zusammen, um Fläche abzuziehen. Im Bereich der Targobank wurde auf dem Platz Fläche auf ein Niveau von minus 90 Zentimetern abgezogen. Dabei wurde die Oberfläche bis zur archäologisch relevanten Schicht freigelegt. Diese soll archäologisch „geputzt", also untersucht und kartiert werden.

Was hat man bisher gefunden? Es handelt sich bei den Funden hauptsächlich um historisches Baumaterial aus den vergangenen 700 Jahren, aber auch noch ältere Keramikstücke oder ein hölzernes Abwassersystem wurden freigelegt. Außerdem wurden im Bereich des Reiterbrunnens vereinzelte Horizonte von Bruchsteinen gefunden. Es wird vermutet, dass es sich dabei um historische Bauteile handelt. Ebenso sprechen einige andere Funde dafür, dass auf dem heutigen Markt eine Gerberei gestanden haben könnte.

Was passiert mit den Funden? Nachdem die Archäologin die Flächen wieder freigegeben hat, sollen die Funde im Boden verbleiben. Das heißt, dass der angedachte Neuaufbau des Pflasterunterbaus angepasst werden musste. Der Horizont der Funde soll mit Geotextil abgedeckt werden. Der Straßenunterbau erfolgt nicht mit Grobschlag, sondern mit Schotter der Körnung 0/45 Meter. Hier wurde noch nicht die für die Standfestigkeit erforderliche Aushubtiefe von circa einem Meter erreicht.

Ist der Pflasterunterbau dann überhaupt tragfähig? Da auf den Einsatz von Grobschlag verzichtet werden muss, ist also fraglich, ob die geforderten Werte erreicht werden. Nach Einbau der Frostschutz- und Tragschicht werden engmaschige Plattendruckversuche durchgeführt. Sollten nun aber aufgrund der historischen Situation des Baugrundes die geforderten Werte für die Bauklasse 3.2 nicht erreicht werden, müssen einschränkende Maßnahmen bezüglich der Verkehrsbelastung in Kauf genommen werden. Das heißt, dass zum Beispiel bei einer zukünftigen Kirmes auf dem neuen Platz Karussells eines gewissen Gewichtes nicht mehr an den betroffenen Stellen aufgestellt werden können.

Welche Mehrkosten sind für die Stadt durch die Bauverzögerung denkbar? Durch den Baustopp gerät der ursprüngliche Bauzeitplan durcheinander. Steine, die zur Verlegung also wie vereinbart angeliefert werden, können nicht sofort verbaut werden. Es entstehen also für die Stadt zusätzliche Lagerkosten für das Baumaterial. Da Grobschlag beim Unterbau keine Rolle mehr spielt, werden die angepassten Maßnahmen zusätzliche Kosten verursachen. Je nachdem welche Funde noch gemacht werden, kann es zu weiteren Verzögerungen oder Mehrkosten beim Umbauprojekt kommen. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt.

Wann wird denn der Marktumbau jetzt fertig? Eine Fertigstellung ist seitens der Stadt weiterhin für den Herbst dieses Jahres anvisiert. Da man dies, auch mit Blick auf die Mehrkosten, einhalten will, wurde mit dem LWL ein Kompromiss angestrebt. Weil ein Tiefschachten zur Freilegung der gesamten historischen Situation den Bauablauf massiv nach hinten verschieben würde, wird es dazu auch nicht kommen. Man hat sich geeinigt, dass in historisch bisher unauffälligen Bereichen die Aushubtiefe von einem Meter nicht überschritten werden soll.

Was kostet das jetzt mehr? In zwei Wochen soll es laut dem technischen Beigeordneten Heiko Dobrindt dazu weitere Informationen geben.

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