So war der Videodreh von Eskimo Callboy

Fans eingeladen

Ausgelassen, doch fokussiert, so wirkt die Castrop-Rauxeler Band Eskimo Callboy beim Videodreh zur kommenden Single „The Scene“ in einem Dattelner Industriegebiet. Die Musiker setzen sich selbst in Szene, gleichzeitig setzen sie sich kritisch mit der Musikszene auseinander. Wir haben ein Making-of zum Dreh.

CASTROP-RAUXEL

, 10.05.2017, 14:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Genre-Szene zelebriert sich, aber sie wagt zu wenig und akzeptiert zu wenig Neues“, sagt Kevin Ratajczak, der gemeinsam mit Sebastian „Sushi“ Biesler für den Gesang bei Eskimo Callboy steht. Während er diese Worte spricht, hantiert er mit einem Gartenschlauch. Die Szenen des Musikvideos sollen sich im Asphalt des Hinterhofs spiegeln, daher muss die Fläche gewässert werden.

Es ist 20.30 Uhr am Samstagabend, doch erst wenn der Drehort völlig in Dunkelheit gehüllt ist, soll die erste Klappe fallen. Währenddessen arbeitet „Sushi“ an den Stellproben mit einem besonderen Spielmannszug, dem im Video zu „The Scene“ eine besondere Bedeutung zukommt.

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Fans der Band harren derweil in Sichtweite zum Drehplatz aus. Eskimo Callboy hatte erst am Tag zuvor dazu aufgerufen, dass sich Fans als Statisten beteiligen können. Rund 50 Leute folgten dem Aufruf via Facebook.

Unter ihnen Nadine Stiller, die eigens aus Bonn angereist ist, um dabei zu sein. „Im Büro wird mir immer gesagt, ich sehe gar nicht nach Metal aus“, so die 19-Jährige, „ich höre aber auch Schlager, das passt super zusammen, man muss nur in der richtigen Stimmung sein.“

Auch Fans aus dem Ruhrgebiet

Andere Fans hatten einen kürzeren Weg. Wie Lisa Czubek aus Herne. Ihr angeschlossen haben sich andere Fans aus dem Ruhrgebiet. Nur Kevin Kleve sagt: „Ich wurde einfach angeschlossen.“ Er kennt die Band nicht mal, erzählt er trocken, er habe nur gehört, dass noch Leute gesucht werden, und sei daher mitgekommen.

Gegen 23 Uhr geht es los, die Statisten werden auf den Drehplatz gerufen. Zunächst haben sie hinter dem Spielmannszug zu stehen, dann sollen sie auf Kevin Ratajczak zustürmen. Der spielt bei diesem Videodreh eine andere Rolle. Er nimmt den Platz von Chris Fronzak ein, einem Gastmusiker aus den USA. So braust er in dieser Rolle auf einem Motorrad heran – und stellt sich dem inszenierten Mob. Fronzak konnte nur an einem vorangegangen Drehtag in Köln anwesend sein, daher wird er in Datteln von Ratajczak gedoubelt.

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Nun muss es schnell gehen, bevor alle Nebelkerzen und Bengalos, die die Szene zusätzlich beleuchten sollen, abgebrannt sind. Und bevor die Tambourmajorinnen an der Spitze des Zuges völlig durchgefroren sind. „Die Szene noch mal“, ordnet Gitarrist Pascal Schillo an, „Kevin lag im Schatten, da stand jemand vor dem Scheinwerfer.“

Also alles noch einmal auf Anfang. Erneut werden die Rauchfackeln entzündet, der Spielmannszug mit neuen Bengalos ausgestattet.Gleich werden die Statisten losstürmen, auf Kevin Ratajczak, der den Platzhalter für Gastmusiker Chris Fronzak gibt.

Drei Fragen an: Kevin Ratajczak, Sänger von Eskimo Callboy

Herr Ratajczak, Sie drehen das neue Video in Eigenregie. Warum?

Man kann einiges auch in andere Hände geben. Doch wir wollten lieber den kompletten Prozess unter Kontrolle haben. Wir waren halt nicht immer zufrieden, wenn wir etwas in andere Hände gegeben haben.

Und wie stemmen Sie die Aufgaben dann?

Das geht recht gut, da jeder von uns, neben der Musik, noch andere Professionen hat. Da ergänzen wir uns recht gut. Unser Gitarrist Pascal Schillo studiert Film.

Machen Sie nun alles in Eigenregie?

Nein. Das können wir gar nicht. Wir haben beispielsweise zum kommenden Album auch eine Szene auf einem Hochhausdach. Diese Sequenzen haben wir auf einem Feld gedreht, die werden im fertigen Video – per Spezialeffekt – auf einem Hochhaus zu sehen sein.

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