So wollen Jugendliche Plastik aus ihrem Leben verbannen

Protestpicknick

Wachsdecke statt Alufolie, Tupperdosen statt Plastikverpackungen: KiJuPa und das Marcel-Callo-Haus hatten zum Protestpicknick eingeladen, um auf den Plastikverbrauch aufmerksam zu machen.

von Sarah Rütershoff

Castrop-Rauxel

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min
So wollen Jugendliche Plastik aus ihrem Leben verbannen

Lene Leidig (v.l.), Maybritt Lasser, Timo Eismann, Kai Müller, Lilli Meister, Tim Schaefer, Leonie Singer und Lea Leidig hatten zum Protestpicknick eingeladen. © Sarah Rütershoff

Von der Einkaufstüte über Getränkeflaschen bis hin zu Tragetaschen und Verpackungen: Produkte aus Kunststoff sind allgegenwärtig und bei einem Picknick nur schwer vermeidbar. Das Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) und das Marcel-Callo-Haus (MCH) haben zum plastikfreien Picknick eingeladen.

Picknickdecken sind ausgebreitet, aus Tupperdosen und Pappschachteln blitzen Kuchen, Muffins, Salate und Äpfel hervor. Etwa zehn Jugendliche und einige Erwachsene trafen sich am Sonntagmittag zum Protestfrühstück auf dem MCH-Gelände, um auf den hohen Plastikverbrauch im Alltag aufmerksam zu machen. Die Anwesenden tauschten Tipps untereinander aus. Das MCH bot zudem zwei Mitmach-Aktionen an.

Müllproblematik in den Ozeanen

„Tatsächlich 450 Jahre braucht eine Plastiktüte, um sich zu zersetzen“, erklärt Claudia Wieser, Leiterin des MCH und Diplom-Landschaftsökologin. Überall auf dem Gelände liegen Zettel mit Botschaften wie dieser aus. Auch ein Stand informierte über den enormen Verbrauch von Verpackungsmüll und die Müllproblematik in den Ozeanen.

So wollen Jugendliche Plastik aus ihrem Leben verbannen

Mit Wachstüchern lassen sich Brote verpacken und Salate abdecken. Sie sind mehrfach wieder verwendbar. © Sarah Rütershoff

„Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, mit wieviel Plastik wir im Alltag zu tun haben“, sagt sie. „Und wir wollen Alternativen aufzeigen.“ Dabei bügelt sie über ein mit Bienenwachs bestrichenes Tuch. Statt Frischhalte- oder Alufolie biete sich dieses Tuch an, frische Salate abzudecken oder sein Butterbrot einzupacken, ohne das Tuch danach wegwerfen zu müssen. Auf einem anderen Tisch werden fair gehandelte, wiederverwendbare Baumwoll-Taschen bemalt.

Im Gespräch mit den Jugendlichen zeigte sich schnell, dass ein Bewusstsein für die Plastikmüll-Problematik bei vielen da ist, aber die Umsetzung zum plastikfreien Alltag nicht immer einfach. „Man kann natürlich viel selbst machen wie zum Beispiel einen Kuchen backen, aber viele Backutensilien sind dann ja auch wieder eingeschweißt“, sagte Timo Eismann. Das 17-jährige KiJuPa-Mitglied versucht, in seinem Alltag bewusster zu leben: Er nutzt einen Soda-Stream zur Wasseraufbereitung und wiederverwendbare Flaschen, um weniger Plastikmüll zu produzieren. An seiner Schule gibt es außerdem einen kostenlosen Wasserspender in der Cafeteria.

Verpackungen selbst mitbringen

Leonie Singer erwähnt die Unverpackt-Supermärkte, in denen sich Müsli, getrocknetes Obst, Nudeln, Reis, Süßigkeiten und vieles mehr in mitgebrachte Gläser abfüllen lässt. „Solche praktischen Läden gibt es in Dortmund und Bochum, in Castrop-Rauxel leider noch nicht“, sagt sie. Der Aufwand, sich erstmal auf den Weg dorthin zu machen, sei es zwar wert, aber auch groß.

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Zum Picknick gekommen war auch Nicole Lieder aus Henrichenburg, die sich als Mutter von drei Kindern im Vorfeld schon viel über Plastik-Alternativen schlau gemacht hat. Neben Plastik und Kleidung, die sich mittlerweile auch kompostieren lassen, geht sie mit Tupperware an die Frischetheke.

Und auch an vielen anderen Stellen im Alltag verzichtet sie auf Plastik: Taschentücher bewahrt sie zum Beispiel in einem kleinen Baumwolltäschchen auf. „Man kann allerdings nicht alles sofort umkrempeln, dass es alltagtauglich wird“, sagt sie. „Sonst lässt man es eh nach zwei Wochen wieder sein. Veränderungen brauchen ihre Zeit.“

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