In der Politik werden Diskussionen über einen Freedom Day laut, zu dem alle Corona-Maßnahmen enden würden. Castrop-Rauxeler äußern sich dazu. © Carlotta Vogelpohl
Coronavirus

Sollen die Corona-Maßnahmen weg? Das sagen die Castrop-Rauxeler

Großbritannien hat’s gemacht, Dänemark ist den Schritt gegangen: Die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wurde mit „Freedom Days“ gefeiert. Was sagen Castrop-Rauxeler dazu?

Am Wochenende hat Andreas Gassen, Chef des Kassenärzte-Bundesverbandes, gefordert, Ende Oktober den „Freedom Day“ zu begehen. Ein Stichwort aus Großbritannien, das für das Ende aller Maßnahmen steht, die die Corona-Pandemie eindämmen soll(t)en.

Masken, Abstände, Hygiene, 3G, 2G: All das gehört dort der Vergangenheit an. Vergangene Woche zog Dänemark nach. Die Impfquote bei den Impfberechtigten übersteigt dort 85 Prozent, Politik und Regierung entschlossen sich zu dem einschneidenden Schritt.

In Deutschland gab es ein großes Medienecho für Gassens Vorstoß. Vor allem Kritik. Aber wie sehen die Menschen in Castrop-Rauxel das? Wir fragten in der Altstadt und schrieben auch einige Vertreter aus Politik und Gesellschaft an.

Das sagten die Menschen bei unserer Straßenumfrage:

Das sagten Politiker und andere Vertreter der Stadtgesellschaft:

Apotheker und Casconcept-Mitglied Winfried Radinger: „Es ist definitiv zu früh für einen konkreten Termin. Wenn die Impfquote gegen 80 Prozent geht, kann man kurzfristig einen Freedom Day bestimmen.“

Ratsmitglied und Bundestagskandidat Uwe Biletzke (Die Linke): „Hier sollten wir warten, bis der Inzidenzwert wieder bei 0 liegt und die Geimpften bei 100 Prozent angekommen sind.“

SPD-Fraktionschef Daniel Molloisch: „Ich halte einen Freedom Day für das falsche Zeichen. Die Pandemie ist nicht vorbei und ich würde mir wünschen, dass wir uns durch eine hohe Impfquote wie in Dänemark weitere Lockerungen erarbeiten.“

Die FDP ist für den Freedom Day, die Grünen finden ihn unehrlich

Nils Bettinger, Castrop-Rauxels FDP-Chef: „Die Bundestagsfraktion der FDP hat mehrfach bei der Bundesregierung angefragt, wann genau die Grundrechtseinschränkungen wieder vollständig aufgehoben werden sollen. Bis zum Sommer hatte diese immer die Devise ausgegeben, dass dies der Fall sei, sobald jedem ein Impfangebot gemacht wurde. Jetzt, wo dieses Kriterium erreicht ist, wurden neue Variablen hinzugefügt. Die Bundes-FDP hält die Grundrechtseinschränkungen nicht mehr für begründbar, weshalb sie aufgehoben werden müssten.“

Grünen-Bundestagskandidat Nils Stennei: „Wenn ich einen einzigen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir das Ende der Pandemie. Lieber schon gestern als heute. Da Wünsche uns im Kampf gegen eine Pandemie nicht weiterbringen, finde ich, dass die Politik auf Fragen wie Ihre mutige und ehrliche Antworten geben muss.

Einen Stichtag festzulegen, wäre meiner Meinung nach eine unehrliche Antwort, da die Lage von einem festgelegtem Datum schlichtergreifend nicht beeinflusst wird. Die Gefährdungslage ist der maßgebende Faktor. Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Anstatt hektisch zu werden, sollten wir als Gesellschaft versuchen, den Ball sicher zu verwandeln.“

Ihre Autoren
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky