Sorge bei Real in Habinghorst geht trotz einer vorerst guten Nachricht weiter

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„Wir, damit meine ich 34.000, befürchten das Schlimmste“: Das sagt Désirée Simon aus dem Betriebsrat von Real Castrop-Rauxel. Jetzt gab’s eine Botschaft aus der Chefetage, die aber nicht beruhigt.

Habinghorst

, 20.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mitarbeiter von Real müssen sich aktuell wohl keine Sorgen um ihre Jobs oder ihr Gehalt machen: Das schrieb am Mittwochnachmittag das Portal 24vest.de. Das gehe so aus einer Mitteilung hervor, berichteten die Kollegen, die die Metro an ihre Aktionäre gesendet habe.

Die FAZ berichtete zur selben Zeit, dass für die rund 34.000 Mitarbeiter der Real-Märkte die quälende Zeit mit dem Verkauf an den Finanzinvestor SCP noch nicht vorbei sei. „Im Gegenteil, nun wird die Kette filetiert und in kundengerechte Pakete verpackt. Andere Märkte werden auch einfach dichtgemacht.“

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Was stimmt denn nun? Und wie kommt das Geschacher auf höchster Ebene bei den Beschäftigten an? Désirée Simon vom Betriebsrat des Real in Habinghorst ist nah dran und hat dafür einen kurzen Satz: „Quälender denn je.“ Warum? „Denn jetzt wird die Filetierung beginnen. Nur wann und wo, weiß einzig die SCP“, erklärt Simon.

„Zu bisherigen Konditionen übernommen“

Wörtlich heißt es im Brief an die Metro-Aktionäre laut 24vest: „Alle rund 34.000 Mitarbeiter werden mit ihren gültigen Verträgen zu den bisherigen Konditionen übernommen. Die SCP Group wird für die Steuerung aller Geschäftsbereiche von Real verantwortlich sein und gemeinsam mit ihrem strategischen Partner, der x+bricks Group, die Neupositionierung des Immobilienportfolios betreuen.“

Désirée Simon beruhigt das nicht: „Klar übernehmen die im ersten Step erst mal alles so, wie es ist“, sagt sie. Aber: „SCP ist ein Immobilieninvestor! Mit stationärem Einzelhandel hat der nichts am Hut.“

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Die Firma wird nun sondieren, welche Real-Märkte gehalten werden, welche man an andere Einzelhandelsketten veräußert und welche ganz aufgegeben werden sollen. Das Drama, dass ihre Kollegen im Taunus jetzt erleben, wollen hier viele nicht: In Eschborn schließt ein riesiger Real-Markt. 179 Kollegen sei gekündigt worden, so Simon.

Das Geschäft sei baufällig und wird abgerissen, heißt es in einem Bericht der Bild-Zeitung vom 5. Januar. Schon im März 2019 hatte die Immobilien-Zeitung über die Schließung berichtet – der direkte Zusammenhang zum Verkauf aller Geschäfte besteht also nicht. Dennoch quäle so eine Nachricht Désirée Simon und ihre Kollegen.

In Hessen übernimmt Globus einen Riesen-Real

Immerhin: In Eschborn übernimmt die Kette Globus den Standort und will dort eine Einkaufs-Mall errichten. Der Eröffnungstermin steht noch nicht fest, es wird aber wohl nicht vor 2021 oder gar 2022 geschehen. Ob dann auch die alten Real-Mitarbeiter dort wieder Arbeit finden, ist offen. Bis dahin vergeht aber auch noch viel Zeit.

Zur Sache

Die Zukunft von Real

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Real bleiben wohl noch einige Monate im Ungewissen, ob ihr jeweiliger Standort weiter betrieben wird.
  • Insgesamt soll wohl nur ein Kern von 50 Real-Filialen in Deutschland unter selbem Namen weiter geführt werden. 30 nicht rentable Märkte sollen ganz geschlossen werden.
  • Geplant ist zudem, dass etwa 200 der 276 Real-Standorte an andere Einzelhändler veräußert werden. Kaufland, Edeka und Tegut sollen nach einem Bericht des Business Insiders schon Interesse angemeldet haben. Das Bundeskartellamt muss prüfen, ob Weiterverkaufe kartellrechtlich möglich sind.
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