Spektakuläre Bilder: Das Ruhrgebiet aus einer ganz neuen Perspektive

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Ein großes Bild, zusammengesetzt aus 150.000 Einzelfotos: Das Ruhrgebiet kann man jetzt auf einem Geoportal in spektakulären Schrägluftbildern überfliegen. Am PC oder Smartphone. Hoch aufgelöst.

Castrop-Rauxel

, 22.11.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt wird es schräg: Das schreibt der Regionalverband Ruhr in seinem Geoportal, einer Website, die beeindruckendes Material enthält und zum Stöbern einlädt. Schräg wird es dort, weil seit einiger Zeit dort einzigartige schräge Luftbilder zur Verfügung stehen, die hochauflösend sind und damit stärker als die Bilder, die Dienste von Google, Microsoft Bing oder Apple Maps zur Verfügung stellen.

Aus 150.000 Bildern macht eine Software unter www.3d.ruhr ein Angebot für das ganze Gebiet der Metropole Ruhr, die das Ruhrgebiet aus einem ganz anderen, einem „besonderen Blickwinkel erstrahlen lässt“, wie es auf der Website heißt. Es reicht von Hamm bis Xanten und von Hagen bis Haltern am See.

Auch durch Castrop-Rauxel lässt sich am Rechner oder Smartphone herrlich fliegen: Über die Wohnviertel der Stadt, die großen Gebäude, die architektonisch hervortretenden „Sprungschanzen“ am Europaplatz, die Autobahnen und Kanäle, die Eisenbahnlinien, aber auch die vielen Grünflächen und Wälder.

Spezialkamera mit zusätzlicher Perspektive

Wie ist dieser Luftbilder-Datensatz entstanden? Und warum? André Kiese, Geograf aus dem Team Geodaten, Stadtplanwerk und Luftbilder beim Regionalverband Ruhr erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Bilder sind mit einer weiteren Perspektive aufgenommen worden als die üblichen Senkrecht-Luftbilder und werden dadurch deutlich greifbarer“, sagt er.

Der Europaplatz in Castrop-Rauxel mit dem Rathaus, der Stadt- und der Europahalle, einem Zirkuszelt und dem Stadion an der Bahnhofstraße

Der Europaplatz in Castrop-Rauxel mit dem Rathaus, der Stadt- und der Europahalle, einem Zirkuszelt und dem Stadion. © RVR 2018 Aerowest Meixner

Dazu braucht es eine spezielle Kameratechnik und viel, viel Speicherplatz. Es lohnt sich aber: Sie werden in allen möglichen Bereichen der Verwaltung verwendet – zur Vermessung oder zum Grünflächenmanagement beispielsweise. „Das ist aber ein neues Produkt, wir kennen die Anwendungsmöglichkeiten noch gar nicht“, sagt Kiese. Klar sei bereits, dass Ämter Außendienstarbeit einsparen könnten: Auf den Bildern kann man sich sogar den Zustand einzelner Straßenbäume ansehen.

Auch im Katastrophenschutz, bei der Polizei und der Feuerwehr nutzt man die Aufnahmen zu Erkundung im Falle eines Alarms.

Die Daten müssen dafür natürlich aktuell sein. Das seien sie auch, so Kiese: „Wir machen jedes Jahr zwei Flüge übers Verbandsgebiet.“ Bewusst in zwei Jahreszeiten, die Bilder mit unbelaubten und und belaubten Bäumen liefern. „Man erkennt mit Laub den Vitalitätsgrad eines Baumes besser“, erklärt Kiese, und könne sich bei der Frage nach der Verkehrssicherungspflicht zum Beispiel über Wäldern oder bewaldeten Friedhöfen viel schneller einen Überblick verschaffen.

Geonetzwerk rechnet in Terabytes

Aber wie wird aus den Einzelbildern ein Gesamtwerk? Dazu muss eine Software die Bilder „verschweißen“. Dafür bedarf es einer großen Rechenleistung, denn es geht hier nicht um Gigabytes an Speicherplatz, sondern um Hunderte Terabyte: 1 Terabyte sind 1000 Gigabytes bzw. 1 Million Megabyte. Und das Zusammennähen geht bei Senkrechtbildern bedeutend einfacher. Man erreiche bald Datenmaterial von 1 Petabyte (1000 Terabyte).

Die letzte Befliegung überm Kreis Recklinghausen, die im Portal landete, sei 2018 gewesen. Der Flieger ist 1850 Meter hoch in der Luft. Der Rest des Verbandsgebiets wurde 2019 beflogen. 2020 habe man nun erstmals die ganze Verbandsfläche im Sommer in einem Flug beflogen. Rund 125.000 Bilder fielen diesen Sommer an. Die müssen nun aufbereitet und auf die Server hochgeladen werden. Es könnte sein, dass es noch im Dezember frische Bilder im Geoportal gibt.

Die Auflösung der Bilder ist hoch, aber sie reicht nicht, um die Privatsphäre der Menschen zu stören. Darum gebe es anders als bei Google StreetView keine rechtlichen Probleme, sagt Kiese.

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