Spontan-Demo nach Terrorakt von Hanau in Castrop: „Spätestens jetzt sollte jeder merken...“

Rechtsterrorismus

Castrop-Rauxel gedenkt der Opfer von Hanau. 20 Menschen demonstrierten spontan auf dem Marktplatz. Aus dem Rathaus kommt Beileid: ein offener Brief des Bürgermeisters und Flaggen auf Halbmast.

Castrop-Rauxel

, 21.02.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Etwa 20 Castrop-Rauxeler demonstrierten am Donnerstagabend spontan nach den Vorkommnissen in Hanau, bei dem ein Rechtsextremer in einem Attentat elf Menschen tötete.

Etwa 20 Castrop-Rauxeler demonstrierten am Donnerstagabend spontan nach der Bluttat in Hanau, bei der ein Rechtsextremer elf Menschen tötete. © Daniel Djan

Zu einer Demonstration für Respekt und gegen Ausgrenzung und Rechtsextremismus sind am Donnerstagabend rund 20 Personen auf dem Castroper Marktplatz zusammengekommen. Florian Pätzold, der gern bei der Kommunalwahl als Bürgermeister kandidieren würde, hatte dazu erst am frühen Nachmittag eingeladen.

Neun Menschen starben in der Nacht zu Donnerstag im Umfeld einer Shisha-Bar und eines Kiosks im hessischen Hanau. Der Rechtsterrorist Tobias R. hatte bei einem Terroranschlag mit einer Waffe um sich geschossen und im Nachgang sich selbst und voraussichtlich auch seine Mutter getötet.

Der Anschlag aus rechtsextremistischen Motiven erschüttert Deutschland und verängstigt auch Shisha-Bar-Betreiber und viele weitere Menschen in Castrop-Rauxel. „Spätestens jetzt sollte jeder merken, dass wir in Deutschland ein extremes rechtes terroristisches Problem haben“, sagte Florian Pätzold. „Dem werde ich mit meiner gesamten Masse und Kraft dagegen halten.“

Auf einem Respekt-Plakat stellten die Castrop-Rauxeler Kerzen ab und legten Rosen nieder zum Gedenken an die Terroropfer von Hanau.

Auf einem Respekt-Plakat stellten die Castrop-Rauxeler Kerzen ab und legten Rosen nieder zum Gedenken an die Terroropfer von Hanau. © Daniel Djan

Auch der Juso-Vorsitzende Daniel Djan, der mit ein paar Freunden dabei war, stimmte ihm zu: „Dieses Problem ist ein tiefgreifendes, das sich durch einzelne Taten widerspiegelt. Immer mehr wird rechtsextremes Gedankengut relativiert und beschönigt.“

Die Teilnehmer legten ein „Respekt!“-Plakat aus. Darauf stand „Kein Platz für Rassismus“. Es wurden Kerzen entzündet und ein paar Rosen niedergelegt zum Gedenken an die Opfer.

Bürgermeister schreibt offenen Brief

Am Freitagmorgen schloss sich die Stadtverwaltung dieser ersten Kundgebung an. „Wir dürfen nicht zulassen, dass es wieder normal wird, dass Menschen ausgegrenzt werden.“ Das schrieb Bürgermeister Rajko Kravanja in einem offenen Brief an seinen Amtskollegen, den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Die Flaggen am Rathaus wehten in Castrop-Rauxel am Freitag (21.2.) auf Halbmast.

Die Flaggen am Rathaus wehten in Castrop-Rauxel am Freitag auf Halbmast. Die Stadt trauerte um die Terror-Opfer von Hanau. © Stadt Castrop-Rauxel

Kravanja weiter: „Im Gegenteil! Uns hat immer eines stark gemacht: der Zusammenhalt und die Solidarität. Immer dann in unserer Geschichte, wenn wir nicht ausgegrenzt haben, sondern integriert haben; immer dann, wenn wir nicht nach Hautfarbe, sondern nach Sympathie unterschieden haben; immer dann, wenn wir unterschiedliche Eigenschaften als bereichernde Vielfalt und nicht als Stigma gesehen haben, dann waren und werden wir auch in Zukunft stark sein.“

In Gedenken an die Opfer des Attentats in Hanau wehten am Freitag (21.2.) die Flaggen vor dem Castrop-Rauxeler Rathaus auf Halbmast.

Mittwoch trifft sich das Bündnis für Demokratie

Am Mittwoch, 26. Februar, um 19 Uhr trifft sich im Ratssaal, Europaplatz 1, das Bündnis für Demokratie. Die Gruppe, die 2018 auf Anregung Rajko Kravanjas gegründet wurde, setzt sich lokal gegen extreme Tendenzen ein. Kravanja lädt alle Bürger ein, ihre Solidarität zu bekunden und ihre Unterschrift unter den offenen Brief an Claus Kaminsky zu setzen.

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