Staatsanwalt: Dialyse-Arzt Wilfried H. hat sechs Millionen Euro zu Unrecht kassiert

rnBetrugsprozess

Als Dialyse-Arzt verdiente der heute 68-jährige Wilfried H. jahrelang gutes Geld. Jetzt sagt die Staatsanwaltschaft: Sechs Millionen Euro hat er nur durch Abrechnungsbetrug kassiert.

Castrop-Rauxel

, 06.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Staatsanwalt Ralph Steinert benötigte am Freitag vor dem Dortmunder Landgericht über eine Stunde, um alle Vorwürfe gegen Wilfried H. zu verlesen. Zwischenzeitlich musste der Anklagevertreter sogar eine Pause einlegen, weil die Zahlenkolonnen auf dem eng bedruckten Papier vor seinen Augen zu tanzen begonnen hatten.

Vorwürfe aus 2010 bis 2014

Im Kern lässt sich die Anklageschrift gegen den Mediziner so zusammenfassen: Als der Dialyse-Arzt im Jahr 2010 zwei Praxisstandorte an der Bahnhofstraße und an der Rottstraße in Datteln betrieb, rechnete er bei der Kassenärztlichen Vereinigung verbotenerweise jede einzelne Behandlung auf seinen Namen ab, obwohl er ja nicht überall gleichzeitig gewesen sein kann.

Und als er später in einer Gemeinschaftspraxis zusammen mit einem inzwischen verstorbenen Kollegen Patienten behandelte, verlegte er den Praxissitz unerlaubt an den Europaplatz, weshalb er die dortigen Behandlungen ebenfalls nicht hätte abrechnen dürfen.

Aussage erst später

Was Wilfried H. von der Anklageschrift hält, wird sich erst im weiteren Prozessverlauf herausstellen. Am Freitag sollte und wollte er noch keine Angaben machen. Nur einmal, da konnte der Arzt sein Temperament doch nicht zügeln. Während der Verlesung der Anklageschrift platzte es plötzlich aus ihm heraus: "Das ist falsch!" Seine Verteidigerin brachte Wilfried H. aber schnell wieder zur Ruhe.

Hunderte Patienten waren seinerzeit - zwischen 2010 und 2014 - auf die Behandlungsmöglichkeiten in der Praxis von Wilfried H. angewiesen. In Castrop-Rauxel führte er an sechs Tagen in der Woche Dialysebehandlungen durch. Nur sonntags war geschlossen.

Sechs Tage pro Woche

In Datteln war die Praxis immer montags, mittwochs und freitags geöffnet. Laut Anklage tauchte Wilfried H. dort an den Behandlungstagen "regelmäßig erst Stunden nach der Öffnung" auf. Auch die zuvor geleisteten Dialysebehandlungen sollen allerdings so abgerechnet worden sein, als sei der Arzt die ganze Zeit über selbst vor Ort gewesen.

Und selbst als er zuvor offenbar für eine regelmäßige ärztliche Vertretung in Datteln gesorgt hatte, soll Wilfried H. gegen die Abrechnungsregeln verstoßen haben. Laut Anklage war eine Vertretungsregelung nämlich gar nicht erlaubt. Und davon abgesehen, habe der Dialyse-Arzt den Einsatz seiner Kollegen auch zu keiner Zeit bei der zuständigen Aufsichtsstelle angemeldet, trug Staatsanwalt Ralph Steinert am Freitag vor.

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