Stadt Castrop-Rauxel soll ihre Städtepartnerschaften hinterfragen - und ausbauen

rnAntrag der FDP

Unser Bericht über die brüchige Partnerschaft der Städte Castrop-Rauxel und Wakefield hat Konsequenzen: Jetzt bringt die FDP das Thema auf die politische Agenda. Mit einem klaren Auftrag.

Castrop-Rauxel

, 27.01.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kann der internationale Dialog wieder stattfinden? Wo kann er intensiviert werden? „Die Stadt wirbt auf ihrer Homepage – zurecht und unter Benennung der Entwicklung seit 1950 – mit ihrer frühen Entscheidung pro Europa.

Das kann die Stadt aber nur dann glaubwürdig vertreten, wenn sie die europäischen Partnerstädte nicht aus den Augen verliert.“ Das schreibt die FDP in der Begründung eines Antrages, den sie an die Stadtverwaltung gesendet hat und noch im Frühjahr politisch diskutieren will.

Anlass ist eine Recherche unserer Redaktion zur Partnerschaft zwischen der englischen Stadt Wakefield und Castrop-Rauxel - eine der ältesten deutsch-britischen Partnerschaften überhaupt, aber heute so gut wie nicht mehr vorhanden, sieht man mal vom bloßen Papier ab, auf dem sie noch steht. Wakefield gehe auf Distanz zu Castrop-Rauxel: Kaum noch persönliche Kontakte, kein politisches Interesse von seiten der Briten.

Der Castrop-Rauxeler Karl-Josef Krekeler, der der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters von Wakefield im Juni 2018 noch persönlich beiwohnte, schätzte die Haltungen der Stadtführer darin so ein: „Ratsvorsitzender Peter Box ist ein starker Verfechter des EU-Austritts der Briten. Von ihm sind neue Initiativen im Rahmen der Städtepartnerschaften nicht zu erwarten.

Und der neue Bürgermeister war schon oft im Ruhrgebiet und auch in Castrop-Rauxel. Er hat aber lediglich repräsentative Aufgaben und daher kaum Einfluss auf politische Entscheidungen.“ Beim Brexit-Referendum sprachen sich etwa zwei Drittel der Wakefielder Bevölkerung für den Brexit aus.

„Gerade das muss doch Ansporn für die Europastadt sein“

„Gerade das“, schreibt nun die FDP, „muss doch Ansporn für die Europastadt Castrop-Rauxel sein, den Dialog – nun wieder – aufzunehmen, auszubauen, zu fördern und so für eine internationale Verständigung zu sorgen.“

Einst teilten die beiden strukturell etwa vergleichbaren Städte den Bergbau als verbindendes Element der Kultur. Was teilen sie heute noch? „Selten“, so Nils Bettinger in seinem Antrag, „war es wichtiger, als in diesen Zeiten, über alle Grenzen hinweg, den Dialog anzubieten und zu führen.“

Mit dem Antrag verbindet die kleine Fraktion der Liberalen klare Forderungen. Im einzelnen:

  • Die Verwaltung soll bis zur übernächsten Ausschusssitzung Bericht erstatten, welche Aktivitäten sie in den letzten vier Jahren konkret angeregt und durchgeführt hat, um die Städtepartnerschaften zu den verbliebenen Partnerstädten Kuopio, Nowa Ruda, Trikala, Vincennes, Wakefield, Zehdenick, und Zonguldak aufrecht zu erhalten und zu fördern, und wie und durch wen auf diese Aktivitäten reagiert wurde.
  • Darüber hinaus soll die Verwaltung in der genannten Frist ein Konzept entwickeln und vorlegen, mit dem die Partnerschaften zukünftig regelmäßig gepflegt werden können.
  • Sie soll auch eine geeignete Abteilung innerhalb der Verwaltung benennen, die für die Kontakte zu den Partnerstädten künftig umfassend sachlich erstzuständig sein soll, und bei der die Akten über die Beziehungen künftig gesammelt geführt werden.
  • Das Ziel der Bemühungen soll eine weiterhin lebendige Verbundenheit mit den Partnerstädten sein.

Hat die Stadt in diesem Bereich resigniert?

Die Stadt, so die FDP, habe „in diesem Bereich resigniert, ohne dass so recht mitgeteilt wird, wer – hier, wie auch im Fall der ehemaligen Partnerstadt Delft – in der Vergangenheit was unternommen hat, um die wegbrechenden Kontakte zu retten“. Deshalb wolle man von politischer Seite das Signal senden, dass „eine solche Resignation künftig keine Option sein soll“.

Neben Wakefield (seit 1949) unterhält Castrop-Rauxel noch Partnerschaften zu Vincennes in Frankreich (1961), Kuopio in Finnland (1965), Zehdenick in Brandenburg (1990), Nowa Ruda in Polen (1991), Trikala in Griechenland (2013) und Zonguldak in der Türkei (2013). Die 1950 gegründete Partnerschaft zu Delft in den Niederlanden wurde im Jahr 2000 offiziell beendet.

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