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Diskussion über Sonntagsöffnung? Stadtbücherei Castrop-Rauxel hat ganz andere Sorgen

rnStadtbibliothek

Öffentliche Bibliotheken sollen bald auch sonntags geöffnet sein – an einem Tag, der für Familien geeigneter ist als Werktage. Die in Castrop-Rauxel wäre schon über etwas ganz anderes froh.

Castrop-Rauxel

, 19.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Im Gegensatz zu Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen müssen kommunale Bibliotheken an Sonn- und Feiertagen schließen. Das sei nicht mehr zeitgemäß, finden Politiker. Bibliotheken sind in den vergangenen Jahren zum Ort der sozialen Begegnung geworden, Soziologen bezeichnen sie als sogenannte „dritte Orte“, im Unterschied zum privaten Raum und dem Platz zum Arbeiten oder Lernen. In ihnen finden Lesungen, Förderangebote, Workshops und viele andere Aktionen statt. Ein Manko aber bleibt: Die Öffnungszeiten, die gerade für Arbeitnehmer in Vollzeit wenig attraktiv sind.

Treffpunkt für Schüler und Studenten

Die Stadtbibliothek in Castrop-Rauxel ist für Kunden gut zu erreichen. Sie liegt mitten in der Innenstadt. Vor allem jungen Leuten und Familien dient die Bücherei als wichtige Anlaufstelle. „Gerade zur jetzigen Zeit ist es hier oft sehr voll“, erklärt Elisabeth Langohr als Leiterin. „Viele Schüler und Studenten treffen sich, um gemeinsam zu lernen“, sagt sie.

Nicht nur für das Abitur, sondern bereits für Grundschüler und dann für weiterführende Schulen hält die Bibliothek Lernhilfen bereit. Neben dem klassischen Buch nutzen Schüler gern den freien Internetzugang und das kostenlose WLAN. An sechs Arbeitsplätzen können Leser Informationen abrufen.

Aber ist es zeitgemäß, dass die Stadtbücherei nur an dreieinhalb Tagen besucht werden kann? Immer lauter wird der Ruf nach familienfreundlichen Öffnungszeiten. Dabei ist vor allen Dingen der Sonntag gemeint. „Schön wäre schon, wenn Familien mit ihren Kindern einen entspannten Büchersonntag einlegen könnten“, sagt Elisabeth Langohr, die Leiterin der Bibliothek.

Radikaler Personalabbau bringt Probleme

Demgegenüber stehe aber der radikale Personalabbau. Nur zwei Ganztagskräfte, eine Teilzeitkraft und eine Auszubildende kümmern sich um die Kunden. Der Stellenabbau habe auch dazu geführt, dass die Öffnungszeiten auf dreieinhalb Tage reduziert wurden. „Früher hatten wir auch montags offen“, erklärt sie. „Bevor wir zusätzlich auch am Sonntag öffnen, wäre es schon toll, wenn wir wenigstens den Montag wieder haben könnten.“

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Ein Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, das den für Kultur verantwortlichen Entscheidungsträgern in den Kommunen Besuche in dänische und niederländische Stadtbibliotheken anbietet, soll das in Deutschland unterstützen. „Man muss die Bilder in den Köpfen der Entscheidungsträger ändern“, sagt Lison. In NRW befindet sich der Gesetzesentwurf zurzeit in der Beratung, ein konkreter Zeitplan liegt noch nicht vor.

„Wir haben 2170 angemeldete Leser“

Vor drei Jahren wurde die Stadtbücherei umfassend renoviert. „Dreieinhalb Wochen hatten wir geschlossen“, sagt Langohr. In der Zeit wurden neue Regale, Bestuhlung und Teppichböden angeschafft. Die Renovierung kostet 200.000 Euro. Das hat sich gelohnt, findet Langohr. „Wir haben 2170 angemeldete Leser, die 15.354 Downloads beansprucht haben“, sagt sie. Und auch die übrigen Angebote wie Lesungen, Vorträge oder Kindertheater würden gern genutzt.

Stadtbibliothek

Die Öffnungszeiten

montags geschlossen, dienstags 10 bis 18 Uhr, mittwochs geschlossen, donnerstags 10 bis 18 Uhr, freitags von 13.30 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr.

„Wir bieten auch Führungen an, damit sich Nutzer zwischen den vielen Regalen besser zurecht finden“, ergänzt Marion Hejazi. Vor allem Migranten nutzen das Angebot der Stadtbücherei um Deutsch zu lernen. Für sie stehen spezielle Lernprogramme, zum Beispiel für beispielsweise Arabisch, zur Verfügung. „Sie nutzen unsere Medien auf unterschiedliche Art und Weise“, erklärt Hejazi. „Die einen lernen mit dem Mobiltelefon über Sprache, andere ziehen die Bücherform vor, wieder andere starten Lernprogramme am PC-Arbeitsplatz.“

Viele greifen zu modernen Medien

Die klassische Bücherausleihe habe ein bisschen abgenommen, so Büchereichefin Elisabeth Langohr. Viele Leser griffen gern zu modernen Medien. Um das gesamte Angebot (Bücherausleihe und digitale Medien) nutzen zu können, zahlt der Leser jährlich eine Gebühr von 17 Euro. Wer nur Bücher ausleihen möchte, zahlt 12 Euro. Preisnachlässe gibt es für Schüler, Studenten und Sozialhilfeempfänger. Für Kinder bis zum 12. Lebensjahr ist die Ausleihe kostenlos.

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