Petra Lückel ist Stationsleiterin im EvK und sitzt im Rat der Stadt Castrop-Rauxel. © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Stationsleiterin am Castrop-Rauxeler EvK: Schockstarre nach Corona-Impfstopp

Corona-Talk bei Facebook: Im Gespräch mit SPD-Politikerin Lisa Kapteinat berichtete EvK-Stationsleiterin Petra Lückel über die Folgen des kurzfristigen Impfstopps und einiges mehr.

Es dauerte ein paar Minuten, ehe sich die Castrop-Rauxeler SPD-Chefin und -Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat am Donnerstag via Facebook mit Petra Lückel verbunden hatte, aber dann konnte die Stationsleiterin im Evangelischen Krankenhaus (EvK) in Castrop-Rauxel erzählen.

Fast 50 Minuten ging es um Corona, um die Impfung und Impfbereitschaft und den Alltag im Krankenhaus unter Pandemiebedingungen.

Der Tag vor dem Talk (Mittwoch, 20.1.) habe gleich das brisante Einstiegsthema geliefert, eröffnete Kapteinat das Gespräch: Denn da wurde der Impfstopp für NRW verkündet. „In Schockstarre“ sei sie gewesen, sagte Lückel, die für die SPD im Rat der Stadt sitzt. Eigentlich sollte es im Castrop-Rauxeler EvK am Freitag (22.1.) losgehen, alles sei vorbereitet gewesen: Impflisten waren erstellt, Merkblätter verteilt, Abläufe festgelegt. Und dann die Absage. Für Lückel „plötzlich und unerwartet“.

Lückel: Wir haben die Impfung „sehnsüchtig“ erwartet

„Da fehlte vielen von uns das Verständnis“, sagte die Stationsleiterin. Die Impfung sei „sehnsüchtig“ erwartet worden. Alle Mitarbeiter – von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt – seien jeden Tag mit dem Virus konfrontiert. „Wir haben uns gewünscht, ein bisschen mehr Sicherheit zu bekommen“, sagte Lückel. Die Enttäuschung sei besonders groß, da es ohnehin schon fraglich sei, ob nicht Krankenhausmitarbeiter zuerst hätten geimpft werden müssen.

Nun müsse man noch eine Woche warten. Mindestens. Lückel: „Und eine Woche ist lang für uns.“ Denn jeder Tag, den die Impfung später komme, bedeute auch einen Tag später bis zur Immunität. Einen Tag länger Gefahr bei der Behandlung von Covid-Patienten.

Kapteinat wirft Laumann „Fehlkommunikation“ vor

Und als Oppositionspolitikerin im Land konnte Lisa Kapteinat sich auch einen Seitenhieb auf NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nicht verkneifen. „Fahrlässige Fehlkommunikation“ unterstellte ihm die 30-Jährige, die auch im Gesundheitsausschuss des Landes sitzt. „Ich werfe ihm gar nicht vor, dass der Impfstoff nicht da ist“, sagte sie. Sondern dass so spät informiert worden sei. Erst am Dienstagabend, dabei sei schon vergangenen Freitag klar gewesen, dass diese Woche nicht wie geplant geimpft werden könne.

Lisa Kapteinat, SPD-Landtagsabgeordnete, kurz vor Ausbruch der Pandemie in Deutschland. Am Donnerstag hat sie via Livestream mit einer Stationsleiterin des EvK über Corona gesprochen.
Lisa Kapteinat, SPD-Landtagsabgeordnete, kurz vor Ausbruch der Pandemie in Deutschland. Am Donnerstag hat sie via Livestream mit einer Stationsleiterin des EvK über Corona gesprochen. © Volker Engel © Volker Engel

Rund 70 Prozent des Personals wollten sich im EvK nach bisherigem Stand impfen lassen, sagte Lückel. Die anderen 30 Prozent würde sie aber nicht als Impfgegner bezeichnen. „Sie sind einfach nur zurückhaltender“, erklärte die Stationsleiterin. Wegen eines Kinderwunsches, Vorerkrankungen oder Allergien.

Sie gab zu: Auch sie habe erst mal nachgedacht. Das Krankenhaus habe aber ganz viel Aufklärung betrieben – ohne Druck auszuüben. Es gebe sogar einen eigenen Impfspezialisten, an den sich alle wenden können.

Das Besuchsverbot – eine große Herausforderung

Seit Ausbruch der Pandemie habe sich viel getan, sagte Lückel. Versorgungsengpässe bei Schutzkleidung seien kein Thema mehr. „Inzwischen ist wieder genug da“, sagte die Stationsleiterin. Und generell sei man im Umgang mit dem Virus sicherer geworden. Die zweite Welle sorge trotzdem für eine hohe Belastung. Lückel: „Im März war es eher so, dass jeden Tag eine neue Verordnung kam, jetzt kommen jeden Tag neue Patienten.“

Eine besondere Herausforderung neben all der medizinischen Fragen sei nach wie vor das Besuchsverbot. Für alle: die Kranken, die Angehörigen und das Personal. Denn das müsse nun auch noch Video-Chats auf die Beine stellen und koordinieren. Nach mehreren Chats könne man mal die Geduld verlieren.

Ein Zuschauer des Facebook-Chats wollte wissen: Kommt das Personal eigentlich noch dazu, Luft zu holen? Lückel konnte da mit einem klaren „Ja“ beruhigen. Es werde sehr darauf geachtet, dass alle ihren Urlaub nehmen können und immer wieder Zeit haben, sich von der belastenden Arbeit zu erholen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski