Streit um einen Ebay-Betrug geht in die dritte Runde

rnZeugin schwänzte

In Augsburg wartet eine Käuferin seit Monaten auf ein Ceran-Kochfeld. Ein klassischer Ebay-Betrug, doch der Angeklagte beschuldigt seine Ex-Freundin. Die schwänzte ihren Termin als Zeugin.

Castrop-Rauxel

, 29.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ceran-Kochfeld gab es definitiv. „Es stand bei meiner Freundin in der Wohnung. Sie hat mitgebracht und bei Ebay-Kleinanzeigen eingestellt“, bestätigte der 32-Jährige. Das war im vergangenen Herbst. Für den Verkauf bei Ebay durfte die Frau die Identität des Freundes nutzen.

Auch dessen Bankverbindung nannte die Freundin. Dass er sich damit keinen Gefallen getan hatte, will der Ex-Freund spätestens geahnt haben, als ihm zufällig eine Mail aufgefallen sei, in der der Versand des Artikels angemahnt wurde.

Versandt wurde das Ceranfeld bis heute nicht, was dem Mann eine Vorladung ins Castrop-Rauxeler Amtsgericht bescherte. „Ich habe verschiedene Konten bei der Verkaufs-Plattform“, gab er an. „Die, die ich meiner Freundin überlassen hatte, wurde von mir schon länger nicht mehr genutzt.“ Die Frau hat diese Freiheit wohl weidlich ausgenutzt, 89,95 Euro Auktionserlös kassiert, aber nie ein Paket zur Post gebracht.

Konto gesperrt

Nach langem Hin und Her per Chat informierte die Käuferin, die in Augsburg lebt, Ebay. Das Konto des Angeklagten wurde gesperrt. „War mir egal, hab es sowieso nicht mehr benutzt“, sagte er. Und verriet so, dass er zumindest ahnen musste, dass die Freundin eine krumme Sache gemacht hatte.

Das Ceranfeld habe sie direkt wieder mit in ihre Wohnung genommen, nachdem sie es bei ihm fotografiert und zum Verkauf online gestellt hatte.

Mit dieser Tour hat die 44-jährige Freundin den Mann in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal auf der Anklagebank bugsiert. Körperverletzung und Freiheitsberaubung hatte der Vorwurf im März gelautet. Danach soll der Mann, knapp einen Monat vor dem nun angeklagten Ebay-Betrug, die Frau in seiner Wohnung aus Eifersucht geschlagen haben. Auf den Kopf, da war sich die Frau sicher. Auch, dass sie sich stundenlang im Schlafzimmer eingeschlossen und von dort die Polizei gerufen habe.

Dritter Verhandlungstag

Was der 32-Jährige vehement abstritt und dabei Schützenhilfe von der Polizei bekam, die die Aussagen der Frau in Zweifel zog. „Nicht besonders glaubwürdig“, befand auch die Staatsanwaltschaft im März. So gab es einen Freispruch. „Es wäre Ihnen laut Vorstrafenregister zuzutrauen, aber wir haben keinerlei Beweise“, begründete der Richter im Frühjahr seine Entscheidung.

Im aktuellen Prozess steht die Entscheidung auch nach einem Fortsetzungstermin noch aus. Weil die Ex-Freundin trotz Ladung nicht erschien, was ihr ein Ordnungsgeld von 500 Euro einbrachte. Der Angeklagte war gekommen, in Badeshorts und T-Shirt. „Beim nächsten Mal in angemessener Kleidung“, ordnete der Richter an. Ob es dann noch einmal einen Freispruch für ihn gibt, bleibt abzuwarten.

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