Südtribüne gesperrt: Das sagen Castrop-Rauxeler

Stimmen von BVB-Fans

Die Südtribüne im Signal Iduna Park ist am Samstag beim Spiel von Borussia Dortmund gegen Wolfsburg für Fans gesperrt. Wir haben am Freitag mit Castrop-Rauxeler Fanclub-Vorstandsmitgliedern gesprochen: Wie fühlt sich eine leere Süd wohl an? Was ist da los in der BVB-Fanszene? Wie empfinden sie die Kollektivstrafe?

CASTROP-RAUXEL

, 17.02.2017, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Südtribüne gesperrt: Das sagen Castrop-Rauxeler

BVB-Debatte in Castrop-Rauxel: Tobias Weckenbrock (l.) im Gespräch mit Stefan Gönnewicht (hinten), Thomas Pieper (rechts) und André Schulz.

Teile des Interviews können Sie sich auch als Audio anhören. Im ersten Teil stellen sich die BVB-Fans vor:

 

 

Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg – und die Südtribüne ist gesperrt. Wie fühlt sich das an?

Gönnewicht: Leer, komplett leer. Das ist für mich eine mittlere Katastrophe! Ich komme damit noch gar nicht richtig zurecht, werde morgen auf die Betonwand schauen und mal gucken, wie es mir dann geht.

 

 

Ist tote Hose im Stadion?

Schulz: Ich schaue im Fernsehen zu. Ich bin gespannt, wie die Stimmung sein wird. Die, die das verursacht haben, werden morgen nicht im Stadion sein, sondern davor.

Pieper: Der Rest wird es machen. Ich denke, dass man den Anspruch haben sollte, dass die Stimmung genauso gut ist, auch ohne Süd.

 

 

Gegen RB Leipzig gab es die Transparente und ein großes mediales Echo...

Gönnewicht: Etwa 60 Transparente, nicht nur Hasstiraden, aber natürlich einige, die unter die Gürtellinie gingen. Sie waren überall verteilt und gut organisiert von einigen Gruppen – wir wissen nicht, wer es genau war.

 

Das heißt, sie wurden zentral gemalt und dann verteilt?

Gönnewicht: Das geht ja nicht anders. Wenn ich auf der Tribüne stehe und alle halten ein Plakat hoch, dann mach ich mit. Dann guck ich nicht erst drauf, was das eventuell heißen könnte. Man ist voller Adrenalin und möchte seine Mannschaft anfeuern. Wenn „Bullen schlachten“ drauf steht – das ist harmlos. Aber „Ralle, häng dich auf“ nicht.

Pieper: Ich hatte nicht mitbekommen, was vor dem Stadion im Vorfeld passiert war.

 

 

Sie meinen die Vorfälle auf der Strobelallee, auf der die Gästefans Richtung Nordtribüne liefen und angegriffen wurden. Schämt man sich im Nachhinein dafür oder sagen Sie: „Das sind die anderen – damit habe ich nix zu tun!“?

Schulz: Das sind keine Fans! In den 80er- und 90er-Jahren war es Usus, dass man sich irgendwo traf. Die wollen nur die Randale, die gehen nicht ins Stadion. Sie werden morgen wieder vorm Stadion stehen – ganz gleich, ob Wolfsburg kommt oder Bayern.

Pieper: Die Sperrung der Südtribüne kommt durch die Plakate. Aber dazu wäre es nicht gekommen, wenn die Randale vorher nicht gewesen wäre. Das hat das Thema in ein anderes Licht gestellt. Jetzt leiden 24 700 Unbeteiligte darunter.

 

Stichwort Kollektivstrafe – eine gute Form der Bestrafung oder die vollkommen falsche?

Gönnewicht: Das zieht einen Rattenschwanz nach sich. Das Spiel der BVB-U23 in Oberhausen wurde abgesagt, weil es in Presseberichten hieß, die Ultras würden nun dorthin fahren. Wir haben Zuschauer aus China, England, Japan, Glasgow, die bei jedem Heimspiel mit uns ein Bier trinken. Fünf Tage vorher müssen die ihre Reisen absagen, Hotels stornieren; man muss den Leuten die Kosten für die Karten zurückzahlen, also 250 000 Euro. Die DFL hat all diese Konsequenzen nicht beachtet.

 

 

Was wäre die bessere Strafe?

Pieper: Es hat nicht einmal der Stadionsprecher gesagt, die Plakate sollen runtergenommen werden. Darum muss die Strafe an die Leitung gehen, nicht an die Fans. Ich glaube, wenn die gesagt hätten: „Leute, hängt die Plakate ab, das ist zu viel nach den Vorfällen gerade vorm Stadion“, dann wären zumindest einige davon innerhalb von drei Minuten weg gewesen.

Gönnewicht: Da kann man geteilter Meinung sein. Das hätte auch in die andere Richtung gehen können. Die Polizei weiß doch, wo solche Plakate geschrieben werden.

 

 

60 Fans auf der Südtribüne sind mithilfe der Kameras unterm Dach identifiziert worden. Sie haben Transparente hochgehalten. Was sagen Sie zu so einer Dynamik, die auf der Tribüne entsteht?

Pieper: So ist es: Der Nebenmann stößt einen an und dann hält man es mit hoch. Die 60 zu bestrafen, wäre völlig daneben.

Wie geht es nach der Sperrung weiter? Danach ist alles wieder wie vorher... oder was bleibt hängen? Gönnewicht: Es wird ein paar Gegentransparente geben. Für Fairness. Gegen Hass. Was ja auch korrekt ist.

 

Was wird aus der Fanszene von Borussia Dortmund?

Pieper: Ich glaube nicht, dass da viel passiert. Ich glaube, in vier Wochen denkt man daran zurück, weil es so leer war – das war’s. Da ist der Fußball wichtiger als die Fanszene. Gönnewicht: Da bin ich mir auch ziemlich sicher.

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