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Die Single „Supernova“ entzweit die Fans. Eskimo Callboy hat einen Meilenstein geschaffen: Er ist Soundtrack des Videospiels „Rage 2“. Im Interview verrät Kevin Ratajczak, wie es dazu kam.

Castrop-Rauxel

, 24.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Kürzlich erschien Eskimo Callboys neues Video zur Single „Supernova“. Die Reaktionen der Fans von Castrop-Rauxels erfolgreichstem Metalcore-Exportschlager waren geteilt. Mitarbeiter Christian Püls sprach mit Sänger Kevin Ratajczak im Interview über den Song, das kommende Album und warum Künstler das Recht haben, von einer beliebten Rezeptur abzuweichen.

Herr Ratajczak, kaum war Supernova erschienen, gab es direkt die ersten Fan-Beschwerden. Einer hatte wohl vergeblich auf Headbang-Passagen gehofft. Ein anderer schrieb: „Der Song ist okay. Mir fehlt ein bisschen der Metalcore.“ Dass die neue Single etwas softer und noch poppiger klingt, ist wohl kaum strittig, oder?

Man entwickelt sich als Musiker weiter. Menschen sehen ja unsere Musik als Produkt an. Und wenn ich jahrelang mein Nutellabrot so gegessen habe, da will ich – um Gottes Willen – nicht, dass sich mein Nutella im Geschmack verändert; Aber wir sind nur Menschen. Wie ich in einer Woche Pizza Salami esse, und in der nächsten habe ich Bock auf Hawaii, so ändern sich unsere Geschmäcker halt auch hinsichtlich Musik. Wir können auch nur Musik machen, die wir gut finden. Das hat dazu geführt, dass dieser Song softer ist. Als wir den Song geschrieben haben, waren wir uns früh klar darüber, dass er nicht nur positives Feedback bekommt. Vor allem von unseren hartgesottenen Fans. Aber es ist ja nichts Neues von uns, dass wir nur bedingt, darauf wert legen, was die Leute von uns hören wollen.

Damit kommen wir zum Sound der Band: Da scheint sich mit der neuen Single auch was zu verändern...

Wir haben zum ersten Mal Brass-Elemente (Blechbläser; Anm. d. Red.) verwendet. Darüber haben wir lange nachgedacht: Kann man das machen?

Ja, das kann man machen! Wir wollten authentische Sounds. Beim Schlagzeug haben wir uns vom Metal-Klick verabschiedet und die Trommeln direkt eingespielt. Das Plasma-Pedal (ein Bodeneffektgerät für Gitarristen; Anm. d. Red.) hat unseren Sound ebenso verändert.

Ist der neue Song manch altem Fans einfach nicht hart genug, oder was glauben Sie?

Wir machen das, was authentisch ist, was uns auch Spaß macht. Wir haben den Song am Morgen angefangen und waren dann recht schnell damit fertig. Aber für ein Album arbeitet man mit vielen Riffs und Texten. Diesen Song haben wir ganz frei von irgendwelchen Erwartungen und Zwängen am selben Tag noch fertig gemacht.

Als bestelltes Soundtrackwerk für Rage 2? Haben Sie das auf den Punkt fürs Videospiel geschrieben?

Nein. Wir haben den Song gar nicht für das Spiel geschrieben. Die Gitarrenriffs standen schon. Und auch ein Teil des Textes. Uns gefiel dieser Song so gut und wir dachten, der passt gut zu dem Spiel. Wir haben den Song dann angeboten, und bei Bethesda Softworks war man dann gleich hin und weg. ,Mega geil, macht den Song fertig, und bitte für uns‘, hieß es. So ist es dazu gekommen.

Ist es ein Ritterschlag für Eskimo Callboy, einen Soundtrack abgeliefert zu haben? Für ein Videospiel, das auf mehreren Plattformen erscheint? Oder haben das bereits zu viele Bands gemacht?

Wir sind zwar auf Social Media relativ aktiv, aber in erster Linie sind wir Musiker. Aber es gibt ja auch so Leute, die sich im Erstberuf Influencer nennen und das finden wir recht kacke; das Wort allein. Jemanden beeinflussen, wollen wir ja gar nicht. Aber wenn man irgendwie in der Öffentlichkeit steht, wird man halt für Firmen interessant. Der Kontakt zum Videospielehersteller kam bereits vor einigen Jahren zu Stande. Da wir auf Tour relativ viel Videospiele spielen – miteinander, gegeneinander – passt das ja zu uns. Unsere Band ist ja auch unsere Firma, unser Produkt, unsere Passion, die wir über viele Jahre hochgezogen haben. Der Soundtrack ist so ein kleines Ding, was wir auf unserer Liste abstreichen können. Wir freuen uns, dass das geklappt hat, da Videospiele etwas sind, woran wir auch privat Spaß haben. So ein Spiel wie Rage 2, will ja Musik, die einen so ein wenig aufputscht. Ich bin gespannt, wie es dann ist, wenn das gesamte Album rauskommt.

Manche Fans hoffen offenbar – da sind wir wieder bei Social Media - auf eine härtere Version von Supernova auf dem kommenden Album. Wie sieht es damit aus?

Das können wir ausschließen. Der Song ist gut, so wie er ist. Da brauchen wir nichts ändern. Wir brauchen auch nicht härter werden. Das tut dem Song auch nicht gut. Der ist genau richtig, wie er ist.

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