Syrische Köstlichkeiten von „Aboullaban Sweets“ - sogar für Diabetiker

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Vor fünf Jahren begann Talal Abou LLaban (27) seine Ausbildung zum Konditor. Heute verkauft er in Ickern Leckereien aus seiner Heimat Syrien – und verrät uns ihr Geheimnis.

von Inka Hermanski

Ickern

, 14.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als der Krieg in Syrien ausbricht, ändert sich das Leben von Talal Abou LLaban schlagartig. Er und seine Familie müssen die Backstube, das Familienunternehmen schließen und vor Bomben und Terroristen aus der Heimatstadt Homs fliehen. Über zwei Jahre ist er unterwegs, bevor er in Deutschland Sicherheit findet.

Talal Abou LLabans Vater führte in der syrischen Stadt Homs eine Backstube für arabische Süßigkeiten und Gebäck. Der Urgroßvater des jungen Syrers hatte das Familienunternehmen 1892 gegründet. Talal Abou LLaban selbst bekommt das Handwerk schon früh von seinem Vater gezeigt. „In den Ferien stand ich von morgens bis abends in der Backstube“, erinnert sich der 27-Jährige.

Ein Neustart in Deutschland

Seinen Ehrgeiz und sein Ideenreichtum hat sich Talal Abou LLaban in all dieser Zeit nicht nehmen lassen. Nach zwei Jahren Flucht. beginnt der junge Syrer am 1. Oktober 2015 eine Ausbildung zum Konditor im Café Residenz in Castrop-Rauxel. Nach einem halben Jahr wechselt er zur Bäckerei Auffenberg, wo er seine Ausbildung 2018 erfolgreich abschließt.

Doch der ausgebildete Konditor will mehr als Brötchen backen und Torten dekorieren, er will den Deutschen einen Teil seiner Kultur nahe bringen.

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Talal Abou LLabans Vater fällt es schwer die deutsche Sprache zu erlernen und in Deutschland Fuß zu fassen. 2018 scheint sich die Lage in Homs beruhigt zu haben und er entschließt sich, nach Syrien zurück zu gehen. Schnell beginnt er vor Ort, das vom Krieg zerstörte Familienunternehmen wieder aufzubauen.

Das Gebäude ist zerbombt, Maschinen sind geklaut. Doch nach neun Monaten harter Arbeit kann er die Backstube „Aboullaban Sweets“, dank reichlich Unterstützung von Familie und Bekannten in Homs wiedereröffnen. Zu dieser Zeit entsteht die Idee, die arabischen Süßigkeiten auch in Deutschland zu vertreiben.

„Frau Auffenberg hat immer gespannt auf die Pakete aus Syrien gewartet. Als sie unsere Produkte das erste Mal probieren konnte, war sie von dem Geschmack überzeugt und wollte mit mir zusammenarbeiten“, erzählt Talal Abou LLaban.

Die syrischen Leckereien strotzen jedem Vorurteil. Statt auf klebrigen Zuckersyrup setzt man bei "Aboullaban Sweets" auf die Süße von Datteln und geschmacksintensive Nüsse.

Die syrischen Leckereien strotzen jedem Vorurteil. Statt auf klebrigen Zuckersyrup setzt man bei "Aboullaban Sweets" auf die Süße von Datteln und geschmacksintensive Nüsse. © Inka Hermanski

Ende Juli eröffnete der junge Konditor seinen eigenen Stand neben der Bäckerei Auffenberg im Eingangsbereich des Edeka am Ickerner Marktplatz. Montags bis samstags zwischen 8 und 20 Uhr hat der Stand von „Aboullaban Sweets“ dort für seine Kunden geöffnet.

Verkauf in Deutschland, Aufbauhilfe in Syrien

Hergestellt und verpackt werden die kleinen Leckereien in Handarbeit von Talals Vater und dem 100-Mann-Team in Homs. Die enge Zusammenarbeit mit den Menschen dort sei eine Art „Aufbauhilfe nach dem Krieg“, sagt Talal Abou LLaban, denn die Einnahmen gingen zum Großteil an die Menschen in Syrien.

Von Homs aus wird das Gebäck in die Hauptstadt Damaskus gefahren. Wegen der Gefährdungslage im Land hat das deutsche Verkehrsministerium ein Flugverbot für deutsche Maschinen im syrischen Luftraum verhängt, sodass es für die süßen Teilchen zunächst in einem Flieger nach Beirut und schließlich nach Düsseldorf geht, wo Talal Abou LLaban sie in Empfang nimmt. Damit sich dieser Aufwand lohnt, ordert er alle eineinhalb bis zwei Monate direkt zwei Tonnen der syrischen Süßigkeiten bei seinem Vater.

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Dies sei zwar nicht der einfachste Weg, aber Talal Abou LLaban sei es dennoch die Mühe wert: „Ich könnte die Produkte auch mit dem Schiff verschicken, aber es dauert länger und der Geschmack nimmt mit der Zeit ab.“ Auf dem jetzigen Weg würden von der Herstellung bis zum Verkauf keine zwei Wochen vergehen. „So sind die Qualität und der volle Geschmack sichergestellt“, sagt er.

Vom Anbau der Pistazie, bis zur fertigen Pistazienrolle

Talal Abou LLaban kennt jeden Produktionsschritt bis ins Detail: „Die Familie meiner Mutter baut beispielsweise die Pistazien selbst in Aleppo an“, erklärt er. Sie seien besonders geschmacksintensiv und bilden die Grundlage vieler Produkte. „Außerdem arbeiten wir nicht mit herkömmlichen Pflanzenfett, sondern mit Gheefett. Das ist hochwertiger und gesünder.“

„Mabroume“ nennt sich die Lieblings-Nascherei von Konditor Talal Abou Llaban.

„Mabroume“ nennt sich die Lieblings-Nascherei von Konditor Talal Abou Llaban. © Inka Hermanski

Das Geschäft sei gut angelaufen, sagt er. Die deutschen Kunden seien allerdings zunächst skeptisch gewesen. „Viele Kunden wollen erst nicht probieren, da sie das Vorurteil haben, die arabischen Süßigkeiten und Gebäcke wären zu süß, aber unsere Produkte sind anders. Statt mit Zuckersirup süßen wir viele unserer Produkte mit Datteln“, sagt Talal Abou Llaban.

Kunden sind skeptisch, aber probieren lohnt sich

Der junge Geschäftsmann präsentiert ein breit gefächertes Sortiment an syrischen Gebäck. Unter anderem eine etwas süßere Variante Taj-Almalek, zu deutsch Königskrone, aber auch die gesündere Variante „Tamara“, ein leichter Mürbeteig gefüllt mit einer cremigen Masse auf Dattelbasis, ummantelt von Pistazien.

„Tamara sind beispielsweise gar nicht mit Zuckersirup gesüßt, sondern nur mit Datteln und so sogar für Diabetiker geeignet“, erklärt Talal Abou LLaban.

Talal Abou Llaban und sein Team vertreiben eine Auswahl an syrischen Köstlichkeiten in der Eingangshalle des Edekas am Ickerner Markt.

Talal Abou Llaban und sein Team vertreiben eine Auswahl an syrischen Köstlichkeiten in der Eingangshalle des Edekas am Ickerner Markt. © Talal Abou Llaban

Der 27-Jährige konnte sich in Castrop-Rauxel bereits ein kleines Team aufbauen. Neben seinem jüngeren Bruder Belal Abou LLaban (20) unterstützen ihn zwei junge Frauen beim Verkauf.

Talal Abou Llaban hat Großes vor

Für die Zukunft hat der ambitionierte Konditor bereits weitere Pläne geschmiedet: „Ich hoffe, dass das Geschäft gut läuft, dann würde ich gerne weitere Verkaufsstände in weiteren Edeka-Filialen eröffnen."

Über sozialen Medien möchte er seine Kunden in Zukunft regelmäßig mit Updates und kleinen Imagefilmen über neue Produkte informieren und „Aboullaban Sweets“ bekannter machen. Außerdem will er einen Onlineshop aufbauen, um seine Produkte auch über die Stadtgrenzen von Castrop-Rauxel zu vertreiben.

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