Tag der Arbeit in Castrop-Rauxel: Klare Kante für Europa zeigen

Maikundgebung

Der Tag der Arbeit ist seit 2008 für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) untrennbar mit der Demo und der Kundgebung zum und auf dem Ickerner Markt verbunden. 150 marschierten diesmal mit.

Ickern

, 02.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Tag der Arbeit in Castrop-Rauxel: Klare Kante für Europa zeigen

DGB-Demo und Kundgebung auf dem Markt in Ickern: Ausschließlich Frauen marschierten am 1. Mai ganz vorne mit. © Maybritt Lasser

Wenigstens hatte sich der Morgen-Nebel gelichtet, als die traditionelle Demo des DGB Castrop-Rauxel zum 1. Mai - dem Tag der Arbeit - Mittwochvormittag am AWO-Altenheim am Ickerner Knoten startete. Lausig kalt war’s trotzdem. Dass den über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schnell wärmer wurde, lag vor allem an der feurigen Begleitung der bunten Samba-Gruppe Buena Vista Rio an der Spitze des Zuges. Vorbei ging es an Bergmann-Skulptur, Seilscheibe, Pusteblumen, roten Tulpen auf der Wiese und den bunt geschmückten Mai-Bäumen des Bürgervereins Mein Ickern auf der Ickerner Straße, wo viele Anwohner den Demonstranten aus ihren geöffneten Fenstern zuwinkten.

Seibel fordert Geschlechtergerechtigkeit ein

Bei der Kundgebung auf dem Ickerner Marktplatz , der schnell voller Menschen war, zog sich wie ein roter Faden das diesjährige Motto des DGB „Europa. Jetzt aber richtig!“ durch die Festreden. Die Castrop-Rauxeler DGB-Chefin Sabine Seibel, auf deren Wunsch dieses Mal ausschließlich Frauen das Banner der Gewerkschaft bei der Demo hochhielten, ging in ihrer Rede aber auch auf die noch immer andauernde Ungerechtigkeit der Bezahlung von Frauen ein, die in ihrem Job gleiche Arbeit wie Männer leisten. „Wir brauchen endlich Geschlechtergerechtigkeit“, sagte Seibel. Sie fand auch deutliche Worte zur Situation der Beschäftigten bei Real in Habinghorst. „Unseren Protest wird Metro-Chef Olaf Koch nicht los“, erklärte sie unter dem Beifall einer Verdi-Delegation von Real, die mit weißen Koch-Mützen und rosa Schweins-Nasen ausgestattet war. Koch hatte bekanntlich zugesagt, den Konzern nur als Ganzes zu verkaufen. Jetzt sei er als Fledderer unterwegs und vertrete Kapitalismus pur, erklärte Seibel.

Ein frauenfreundliches Europa

Und im Hinblick auf die Europa-Wahl am 26. Mai formulierte die DGB-Chefin: „Wir brauchen ein frauenfreundliches Europa.“ Wenn Rechtspopulisten in Polen und Ungarn die Uhren zurückdrehen wollten, „schicken wir sie zurück in ihre Joggingbuxen“. Ihr Appell: „Bitte geht wählen – für ein soziales, demokratisches und gerechtes Europa.“

Europa als Schmiede für den Frieden

Bürgermeister Rajko Kravanja sagte in seinem Grußwort: „Europa ist die Schmiede für Frieden und das fordert unser aller Unterstützung.“ Und in Bezug auf Real und die Konzern-Mutter Metro: „Wir haben erfahren, dass unsere Unterstützung und ein Auf-die-Schulter-Klopfen gut tut.“ Es sei genau der falsche Weg, auf die Konkurrenz zu verweisen und damit das Ausscheren aus dem Tarif-Lohn zu begründen.

Stattdessen hätte sich der Konzern an die Spitze setzen und überall Tariflohn einfordern sollen. Festredner Norbert Sperling, DGB-Chef des Kreises, verwies auf 70 Jahre Frieden in Europa, betonte aber auch, dass Europa sich in Teilen anders entwickelt habe, als wir es uns wünschten. Mit überbordendem Regelungswahn, mäßigem Demokratieeinfluss und mäßiger Transparenz. Sperling: „Wir brauchen ein Europa, das nach außen die Gemeinschaft stärkt und regionale Besonderheiten zulässt.“

Viele Infostände auf dem Markt

Die Songgruppe Unerhört trat Mittwoch mit Jürgen Schulte-Heinrich, Helmut Butz und Fabian Söll an und zeigte in ihren Liedern auf, dass viele der Botschaften für ein soziales und solidarisches Miteinander aus den 80-er und 90-er Jahren auch heute noch aktuell sind. Geredet wurde an diesem Tag der Arbeit nicht nur auf der vom WLT zur Verfügung gestellten Bühne, sondern viel auch an den Aktions- und Infoständen wie etwa vom Frauenhaus, dem BUND, der Aktion „Rettet die alte Eiche“, der SPD, den Grünen, der Linken und anderen.

Wo landet die Wahlbeteiligung?

Die Kern-Botschaft, die an diesem 1. Mai rüberkam, galt dem Wahlsonntag am letzten Sonntag in diesem Monat. Bei der Europawahl 2014 lag die Beteiligung in Castrop-Rauxel bei 43,8 Prozent. Seinerzeit gab es parallel aber auch Wahlen zum Stadtrat. 2009 lag die Beteiligung bei 38,2 Prozent.

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