Tanzlehrer aus Castrop-Rauxel spricht von einer Katastrophe: Der Jugendtanzkurs stirbt aus

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Was früher jeder in seiner Jugend liebte oder hasste, wird heute kaum mehr nachgefragt. Grund ist nicht etwa das fehlende Interesse, sondern fehlende Freizeit der Jugendlichen heutzutage.

Castrop-Rauxel

, 30.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Tanzstudios waren voller junger Menschen, die lachten und sich auf die Füße traten. Regelmäßig flogen sie übers Parkett. Heute ist die Lage eine andere.

Frank Schmidt-Hutten betreibt eine Tanzschule in Castrop-Rauxel. Er spricht von einer Katastrophe. „Seit dem Turbo-Abi hat sich die Situation extrem verschärft. Damals sind von jetzt auf gleich rund 50 Prozent meiner Schüler weggefallen“, erzählt der Studio-Besitzer. Seitdem sei ist die Lage für ihn schwierig, aber das wäre nicht nur in seiner Tanzschule so.

Auch andere Tanzschulen seien betroffen. Aber eben nicht nur die: „Alle merken es, die Jugendlichen haben kaum mehr Zeit. Auch die Vereine und Feuerwehren beschweren sich über fehlende Jugend“, so der Tanzlehrer.

Von 200 auf 20 Tanzschüler

Das sei auch nicht kompensierbar. Früher hatte er noch um die 200 Tanzschüler. „Nun sind es lediglich noch rund 20“, schätzt Frank Schmidt-Hutten.

Die Schüler hätten mittlerweile so spät noch Unterricht, dass sie kaum noch Freizeit hätten.

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Er versuche schon später mit den Jugendtanzkursen zu beginnen, allerdings würde das kaum helfen: „Selbst 17.30 Uhr ist ja noch viel zu früh für die Jugendlichen. Die haben ja teilweise bis 17 Uhr Schule“, beklagt sich der Tanzschullehrer. Außerdem versuche er sich nach den Unterrichtszeiten zu richten und fragt an, welche Schulen bis wie viel Uhr unterrichten.

In Sozialen Netzwerken wie Facebook sei der Studio-Besitzer ebenfalls schon. So könne in Gruppen schnell kommuniziert werden. Allerdings diene es überwiegend des In-Kontakt-Bleibens mit Ehemaligen.

Die Beliebtheit einzelner Tänze habe sich laut Schmidt-Hutten nicht großartig verändert. Lateinamerikanische Tänze sowie der Langsame Walzer und Songs mit Cha-Cha-Cha-Rhythmen seien nach wie vor sehr beliebt. Auch Variationen des Jive und des Rumba erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hat mit Tanzen wenig zu tun

Auf die Frage, ob diverse Tanzshows im Fernsehen den Einbruch der Nachfrage nach Tanzkursen abmildern konnten, verneinte der Tanzlehrer umgehend. „Diese Tanzshows wie Let‘s Dance haben ja an sich auch eher wenig mit Tanzen zu tun. Klar die Profis lassen die Anfänger gut aussehen, aber es ist doch eben mehr Show als Tanzen“, erklärt Frank Schmidt-Hutten.

Eigentlich wollte der Tanzlehrer seine Tanzschule schon im vergangenem Jahr abgeben. Die Schüler würden weniger und seine Gesundheit spiele auch nicht mehr so mit. Er warte aber immer noch auf ein passendes Angebot und einen würdigen Nachfolger.

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