Teurer Weihnachtsschmaus: Fleischpreise steigen um über 30 Prozent

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In Castrop-Rauxel steigen die Preise für Tierprodukte um bis zu 550 Prozent. Der dramatische Preisanstieg hat einen Grund, der nichts mit besserer Fleischqualität zu tun hat.

Obercastrop

, 27.11.2019, 17:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der Fleischerei Bols in Obercastrop geben bereits die ersten Kunden ihre Bestellungen für den Weihnachtsbraten auf. Das ist zwar erst in ein paar Wochen, doch den schmackhaften Leckerbissen sollte man sich schon früh im voraus sichern.

Bei vielen Fleischliebhabern könnte die Freude auf den Festtagsschmaus allerdings in abgrundtiefe Fassungslosigkeit umschlagen. Denn die Preise für Schwein und Geflügel sind diese Woche drastisch gestiegen.

Das hat auch schon Willi Bols, Besitzer der Fleischerei und des Partyservice Bols, gemerkt. „Letzte Woche habe ich bei unserem Fleischlieferanten einen Artikel noch für 1,65 Euro erworben. Diese Woche lag er dann plötzlich bei 2,15 Euro“, erzählte er unserer Redaktion. Und das, so Bols, bereite ihm große Sorge, auch mit Blick auf die Vorweihnachtszeit.

200 Millionen Tiere verendet

Daraufhin erkundigten wir uns beim Deutschen Fleischverband (DFV) in Frankfurt: Was ist los mit den Fleischpreisen in Castrop-Rauxel? Woher kommt die plötzliche Preissteigerung? Hat es etwa etwas mit besserer Tierhaltung und Umweltschutz zu tun?

Klaus Kühn vom DFV bestätigte Bols Beobachtung. „Ich kann eine Preissteigerung von Schweinefleisch und Geflügel von etwa 40 Prozent bestätigen“, erklärte er. Hintergrund sei jedoch ein ganz anderer: nämlich der, dass die die Afrikanische Schweinepest in China und die herkömmliche Schweinepest in Japan im Umlauf sind. In einem Brief des Händlers von Fleischerei Bols steht, dass über 200 Millionen Tiere verendet seien.

Dramatische Preissteigerung von über 30 Prozent

“In China grassiert die Schweinepest so heftig, dass Experten mit einem Ausfall von 50 Prozent der Eigenproduktion rechnen“, sagte Kühn. In China leben etwa 1,3 Milliarden Menschen, die versorgt werden müssen. „China importiert dramatisch, der europäische Schweinemarkt wird leergefegt sein. Dieser sogenannte Exportsog aus dem Fernen Osten ist so hoch, wie wir es zuvor noch nie hatten“, erklärt Kühn weiter.

Und die hohe Nachfrage aus China wirkt sich auch auf den lokalen Markt aus. Die Preisnotierung von letzter Woche lag bei 1,95 Euro pro Kilogramm Schlachtschwein, wie die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bestätigt. „Davor waren es 1,43 Euro“, so Kühn.

Teurer Weihnachtsschmaus: Fleischpreise steigen um über 30 Prozent

Willi Bols ist alles andere als glücklich über die dramatisch gestiegenen Fleischpreise. © Silja Fröhlich

30 Prozent teurer - das bedeutet die hohe Nachfrage an europäischem Fleisch. In Deutschland selbst ist die Schweineproduktion allerdings rückgängig, während die Nachfrage nach Rindfleisch steigt. „Theoretisch müsste sich der Markt also ausgleichen“, so Kühn.

Keine bessere Qualität

Doch dass der chinesische Markt tatsächlich auch Castrop-Rauxel ganz akut betrifft, das ärgert Bols. „Wir haben ja grundsätzlich nichts gegen höhere Preise, wenn diese beispielsweise dadurch begründet wären, dass die Qualität des Fleisches besser ist, oder die Tiere besser gehalten werden“, bemängelt er. Dass es China schlichtweg an Fleisch fehlt, sei für ihn ein ärgerlicher Grund.

„Chinesen sind auch der Hauptimporteur für Därme, die beispielsweise für Rostbratwürstchen genutzt werden. Auch solche Hilfsstoffe sind deutlich teurer geworden. Die Einkaufspreise ziehen an. Ein Prozent teurer, damit kann man leben. Aber da beißt die Maus keinen Faden ab: Wir müssen unsere Preise anpassen“, warnt Bols.

Andere Anbieter wie etwa der große Player Edeka konnte den Anstieg der Preise ebenfalls bestätigen, betont aber, dass davon ausschließlich Schweinefleisch betroffen ist. „Bei Edeka in der Region Rhein-Ruhr spüren Verbraucher diese Entwicklung aktuell nicht“, schrieb Simone Erkens von der Unternehmenskommunikation unserer Redaktion in einem Statement. Die Preise in den Märkten würden sich nicht ändern. Jedoch: „Wir können keine Einschätzung geben, in welcher Weise sich die Preise für Schweinefleisch im kommenden Jahr verändern werden.“

Nicht nur Fleischereien sind betroffen

Einige von Bols Kollegen im Umkreis hätten Preise schon angehoben, und sich dabei an der 30-prozentigen Preis-Steigerung orientiert. Doch das möchte Bols vermeiden - zumindest vorerst. „Da wird noch was kommen. Es geht ja bis zu den Knochen: Da waren die Schlachthöfe immer froh, sie loszuwerden und wir haben für ein Kilogram 20 Cent bezahlt. Jetzt wollen sie 1,30 Euro.“ Eine Steigerung von 550 Prozent.

Für seine Fleischerei und den Partyservice hat sich Bols nun überlegt, die Preise um nicht mehr als 10 Prozent hochzusetzen, um wirtschaftlich bleiben zu können. Für Kunden, die sich über den plötzlich gestiegenen Preis wundern, gibt es ein Erklärungsschreiben.

Doch nicht nur bei Fleischereien werden Fleischesser die afrikanische Schweinepest zu spüren bekommen: „Auch die Wurstproduktion und Gastronomien werden die Preise anpassen müssen“, vermutet Bols.

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