Tierheim-Sitzung ohne Ergebnis abgebrochen

Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins ist am späten Freitagabend (21. August) ergebnislos abgebrochen worden. Gegen den Willen der Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Innerhalb der kommenden vier Wochen soll es einen Ersatztermin geben. Der Wahnsinn geht weiter.

CASTROP-RAUXEL

, 22.08.2015 / Lesedauer: 3 min
Tierheim-Sitzung ohne Ergebnis abgebrochen

Warten auf den Beginn der Versammlung: Zu diesem Zeitpunkt am Freitagabend waren längst nicht alle Mitglieder bereits drin. Die Veranstaltung startete mit anderthalb Stunden Verzögerung.

Viele Menschen stehen am Freitagabend vor dem Tanzpalast neben dem Restaurant „Mythos“ an der Borghagener Straße. Rund 250 Leute wollen bei der Mitgliederversammlung dabei sein. Doch bevor sie rein dürfen, müssen sie ihren Namen auf einer Liste abhaken lassen. Die Frau, die am Eingang die Namen kontrolliert, wirkt überfordert. Immer wieder wird sie in Gespräche verwickelt. Tun kann sie nichts.

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Security mit Lederhandschuhen und Taschenlampen

Direkt hinter der Meldestelle steht ein Security-Dienst. Drei Männer und eine Frau in schwarzen Anzügen, mit weißen Hemden und roten Krawatten. Sie tragen schnittfeste Lederhandschuhe und haben Taschenlampen, die im Bedarfsfall auch als Schlagstöcke herhalten könnten. Insgesamt gehören acht Leute zu diesem Sicherheitsdienst, der von der amtierenden Vorsitzenden, Roswitha Heise, bestellt wurde. Warum, das weiß der Chef des Sicherheitsdienstes selber nicht so genau.

Einige Vereinsmitglieder fühlen sich vom Sicherheitsdienst eingeschüchtert, beantragen sogar die Ausschließung der Security. Ohne Erfolg. Interessantes Detail: Leute, die sich seit Jahrzehnten im Verein engagieren, haben bei der Versammlung mitunter kein Stimmrecht. Neumitglieder ebenfalls nicht. Die acht Sicherheitsleute wurden am Freitag im Eilverfahren in den Verein aufgenommen, heißt es, – und hätten mitbestimmen dürfen.

Wer darf abstimmen, wer nicht?

Dabei war das Thema der Stimmberechtigung partout extrem undurchsichtig. Wie eine Teilnehmerin, die zwar Mitglied ist, aber kein Stimmrecht hatte, sagte, seien 85 Mitglieder stimmberechtigt. 85 von rund 250, die vor Ort waren. Die erste Abstimmung endete mit 109 zu 99 Stimmen. Es war schlichtweg nicht möglich, zu differenzieren, wer abstimmen darf und wer nicht.

Die ersten Tagesordnungspunkte zogen sich in die Länge wie die Autobahn 3 in Richtung Arnheim. Zäh, langatmig und wenig aufregend. Einige Mitglieder mutmaßten, dass es Taktik sei, die „wirklich wichtigen Punkte, ganz ans Ende der Versammlung zu legen“. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten Teilnehmer bereits wieder gegangen. Entnervt. „Das ist totaler Kindergarten. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte ein Pärchen, das kopfschüttelnd der Veranstaltungsort verlassen hatte. Wiederum andere mussten ihrem Frust immer wieder Luft machen. Meistens vor der Tür.

Sitzung unterbrochen: Mitglieder bedroht

Vor der Tür rückte auch der Sicherheitsdienst wieder in den Fokus. Einige Mitglieder berichteten, sie seien von den Securitys bedroht worden. Die Polizei rückte an, die Sitzung wurde unterbrochen, die Situation geklärt.

Es wurde versucht zu wählen. Weil aber in der Zwischenzeit der Überblick komplett verloren gegangen war, beantragte der Vorstand abzustimmen, ob die Versammlung abgebrochen werden solle. Zu diesem Zeitpunkt sah es eigentlich so aus, als liege Roswitha Heise in der Gunst der Mitglieder vor ihrem Herausforder Nils Bettinger vom Team Tierschutz. Mit einer knappen Mehrheit hatten sich die Mitglieder gegen den Abbruch ausgesprochen. Abgebrochen wurde trotzdem. Warum, ist unklar.

"Gespannt auf Rechtfertigungen"

Wer sich von dem Abend Antworten erhofft hatte, wurde enttäuscht. Die Wut bricht sich Bahn. „Auf die Rechtfertigung des amtierenden Vorstandes bin ich gespannt“, heißt es in einem Diskussionsbeitrag zur Sitzung bei Facebook. Ein anderes Mitglied schreibt: „Diese Vorstellung war an Dilettantismus nicht zu überbieten.“

Nach dem Versuch, die Fronten zu klären, scheinen sie nach Freitagabend verhärteter denn je. Die Fragen bleiben. Antworten gibt es nicht. Vielleicht in vier Wochen. Vielleicht müssen aber auch Richter darüber entscheiden, wie es im Tierheim weitergeht. Der Wahnsinn geht weiter. Und niemand weiß, wie lange noch...

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