Die Castrop-Rauxeler wollen ihr Kino zurück

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Das letzte Kino Castrop-Rauxels schloss 2014 seine Türen. Jetzt äußern viele Castrop-Rauxeler in einer Umfrage den Wunsch, wieder ein eigenes Kino in der Stadt zu haben.

Castrop-Rauxel

, 18.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

2014 schloss das Kino „Die Kurbel“ seine Türen. Das Mobiliar wurde verkauft. Das Kino hatte während seiner langen Geschichte den Namen gewechselt und verschiedenste Generationen unterhalten. 1937 öffnete das Kino, damals noch unter dem Namen Gloria-Theater, an der Oberen Münsterstraße mit dem Hans-Albers-Film „Flüchtlinge“ seine Pforten.

Seitdem unterhielt es die Menschen in Castrop-Rauxel. Besitzer Engelbert Kratochvil war beliebt bei den Castrop-Rauxelern, viele haben seine herzliche Art noch in Erinnerung. So erzählte uns ein Leser vor Jahren: „Das war kein kommerzieller Filmbetrieb heutiger Prägung, sondern eher ein Besuch im etwas groß geratenen Wohnzimmer eines alten Freundes.“

Kino-Enthusiasten konnten 2018 beim Verkauf der Sitze der „Kurbel“ ein Stück ihrer eigenen Kino-Erfahrungen erwerben.

Kino-Enthusiasten konnten 2018 beim Verkauf der Sitze der „Kurbel“ ein Stück ihrer eigenen Kino-Erfahrungen erwerben. © Tobias Weckenbrock

In unserer aktuellen Umfrage haben wir die Castrop-Rauxeler unter anderem gefragt, welche Kulturangebote sie sich in Castrop-Rauxel noch wünschen würden. Hier konnten die Teilnehmer freie Antworten eingeben. Ein Wunsch wurde dabei immer wieder geäußert, 93 Teilnehmer schreiben „Das Kino“.

Bei unserer Umfrage "Die Stadtverwaltung in Castrop-Rauxel" haben 528 Personen teilgenommen. In der Umfrage wurden die Teilnehmer zu verschiedenen Bereichen des Stadtgeschehens befragt, unter anderem Verkehr, Kinderbetreuung, Kultur und Stadterscheinungsbild.

Etliche wollen das Kino zurück

So schreibt einer der Teilnehmer: „Ich würde mich freuen, wenn die Stadt mal wieder ein Kino hätte, wenn die Innenstadt nicht nur aus Friseuren, Bäcker und Apotheken bestehen würden.“ Ein anderer Nutzer findet, es brauche wieder ein Kino in Castrop-Rauxel: „Wir brauchen ein Kino und Discos für jüngere Menschen und Menschen, die sich noch jung fühlen.“

Als der Kult-Kinobetreiber Engelbert Kratochvil den Betrieb einstellte, erhielten zwei Familien den Betrieb am Leben. Das Kino war jedoch noch auf dem technischen Stand aus Vor-Digitalisierung-Zeiten. Ein neuer Eigentümer und Investor hätte eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen, um das Kino zu reaktivieren.

50 Euro für einen Kinosessel

Die Einrichtung des Kinos wurde 2018 verkauft, viele passionierte Kino-Fans konnten ein Lieblingsstück aus ihrer Kino-Geschichte mitnehmen. Die Kinosessel kosteten damals 50 Euro.

Mittlerweile haben die Räume einen neuen Eigentümer, aber die Rückkehr des Kino-Erlebnisses nach Castrop-Rauxel gilt als unwahrscheinlich. Bisher ist noch unklar, was aus dem Kino wird. Im Raum standen eine Zeit lang Ladenlokale, Appartements oder Bungalows.

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Hinzu kommt: Unabhängig von der Situation in Castrop-Rauxel stehen

vor allem kleinere Kinos vor dem finanziellen Aus. Seit Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime neueste Filme in die eigenen vier Wände holen und sogar selbst produzieren, gehen immer weniger Menschen ins Kino. Diese Tendenz hat sich durch Corona und die dadurch bedingten Schließungen noch verschärft.

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Zwar haben viele Kinos ihren Betrieb wieder geöffnet, doch die Zuschauer blieben aus. Deswegen halten viele Produktionsfirmen wichtige Filme vorerst zurück - und es gibt wieder einen Grund weniger für potenzielle Zuschauer, ins Kino zu gehen. Ein Teufelskreis.

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