Unfall: Volvo-Fahrer drängt Ford auf der B235 ab

rnProzess

Um ein paar Meter zu gewinnen, drängte ein Volvofahrer auf der B 235 in Castrop-Rauxel einen anderen Wagen ab, als die Straße zu eng wurde. Das kostete Geld.

Castrop-Rauxel

, 08.08.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was ist das denn für ein merkwürdiges Drängelmanöver? Dachte sich die 27-jährige Autofahrerin, als sie von der A 42 kommend auf der B 235 Richtung Habinghorst fuhr. Sie stand in Höhe der Grutholzallee an der roten Ampel, vor sich ein Ford. Als es bei Grün weiterging, sah sie, dass ein Volvo, der rechts neben dem Ford auf dem Standstreifen stand, gleichzeitig Gas gab.

Umsichtig ließ sie ausreichend Raum zum Vordermann, um auf der rechten Spur Platz zu machen. Doch der Volvo wollte partout vor den Ford, was aber nicht klappte. Er setzte sich also dahinter, zog aber sofort auf die linke Spur, um den Ford zu überholen. Obwohl bereits abzusehen war, dass die linke Spur wegen einer Verkehrsinsel bald endet.

Es gab einen Ruck

Als es dann eng wurde, drängte der Volvofahrer den Fordfahrer nach rechts auf den Standstreifen ab, der in diesem Abschnitt besonders schmal ist. „Da passierte es auch schon“, sagte die Autofahrerin. „Es gab einen Ruck, die Autos haben sich berührt.“ Sie hielt an, bewusst, dass sie gerade Augenzeugin eines Unfalls geworden war.

Ihre Beobachtungen schilderte sie kurz darauf der Polizei, die der 47-jährige Fahrer des Fords gerufen hatte. „Der Volvo kam ohne den Blinker zu setzen angeschossen, drängte mich ab“, sagte er. Er habe nicht weiter nach rechts ausweichen können, weil neben dem schmalen Standstreifen ein Graben sei. So musste der linke Radkasten dran glauben.

„Ja, ich hätte wohl besser zurückbleiben sollen“, gestand der drängelnde Volvofahrer nun vor dem Strafrichter in Castrop-Rauxel ein. Angeklagt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr am 10. März 2020 gegen 17.50 Uhr.

Stress als Entschuldigung

Der stressige Berufsalltag war Ursache seiner aggressiven Fahrweise, gab der 61-Jährige vor Gericht zu. An der Ampel habe er einen Kollegen aussteigen lassen, wollte dann schnell heim. „Ich habe geglaubt, auf den rund 80 Metern kann ich den Ford locker überholen“, erinnerte er sich. Eine Fehleinschätzung.

Die Ursache sieht er rückblickend im täglichen Stress auf der Autobahn, weil er seit vielen Jahren vom Job in Lüdenscheid nach Castrop-Rauxel pendelt. Aber bislang unfallfrei. Nach mehr als 40 Jahren, die er über seinen Führerschein verfügt, ist der Auszug aus dem Verkehrsregister immer noch blank.

„Solch ein Verhalten geht gar nicht“, kommentierte der Richter, „egal, wie anstrengend und nervig der Tag auch war.“ Seine Entscheidung: Der 61-jährige Volvofahrer muss 1000 Euro an die Straßenverkehrswacht zahlen. Dann wird das Verfahren eingestellt. So bleibt dem Raser ein Eintrag ins Bundeszentralregister erspart.

Lesen Sie jetzt