Unternehmen starten Akzeptanzoffensive

Neue Initiative

Eine neu gegründete Initiative von Unternehmen aus der Region startet eine Akzeptanzoffensive. Aus Castrop-Rauxel ist Rütgers dabei. Hier aber gibt es kaum Chancen auf die Schaffung zusätzlicher Industrieflächen.

CASTROP-RAUXEL

von Von Peter Wulle

, 23.03.2011, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Peter Schnepper von der IHK Nord Westfalen und Bürgermeister Johannes Beisenherz begrüßten die Gäste zum Unternehmertreffen im Haus der Wirtschaft.

Peter Schnepper von der IHK Nord Westfalen und Bürgermeister Johannes Beisenherz begrüßten die Gäste zum Unternehmertreffen im Haus der Wirtschaft.

Im Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan 2025 ist zum Beispiel der langjährige Kraftwerksstandort an der B 235 nicht als Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe vorgesehen. "Wenn wir dort Industriefläche ausweisen, kommen wir in die Abstandsproblematik. Und ansonsten bliebe im Stadtgebiet nur der Rückgriff auf Freiflächen", meint der Bürgermeister. CDU-Fraktionschef Hilmar Claus sieht das ganz anders: "Es ist ein industrie-feindliches Signal, dass wir keine Industrieflächen vorhalten", sagt er. Die Fläche des E.ON-Kraftwerks müsse natürlich für die Industrie bereit gehalten werden. Das gelte auch für das so genannte Xscape-Areal zwischen A 42 und B 235.

Und viel intensiver müsse die Nutzung der Industrieflächen auf dem Rütgers-Gelände verfolgt werden. Dort sollen, so wurde am Mittwoch im Rahmen eines Treffens des Service Centers Wirtschaft mit Unternehmern aus den nördlichen Gewerbegebieten bekannt, nur noch rund 15 statt der bisher angenommenen 30 Hektar als vermarktbare Fläche aufbereitet werden. "Wir gehen in der Emscher-Lippe-Region sehenden Auges in einen noch größeren Flächenengpass", warnt Peter Schnepper, Geschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Er war Gastredner des Unternehmertreffens und appellierte an die Anwesenden: "Industriegegner melden sich immer schnell zu Wort, eine Dagegen-Kultur prägt sich weiter aus und die Mehrheit schweigt. Deshalb schalten Sie sich ein in den industrie-politischen Prozess! Machen Sie Ihre Politiker stark!"

Schnepper verwies auf die gerade in Castrop-Rauxel extrem hohe Pendlerquote. Von 23.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in der Stadt wohnen, arbeiten nur 6400 hier. Mit dem Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie ist die Distanz der Bürger zur Industrie gewachsen. Dass der Baustopp für ein milliardenschweres Kohlekraftwerk (Datteln) gefeiert wird, wäre vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen. Jetzt gehe es um neue Akzeptanz: "Wir wollen, dass die Menschen die Industrie nicht nur dulden, sondern wissen, was sie an ihr haben", sagt IHK-Präsident Hüffer zur Kampagne "InDUstrie. Gemeinsam. Leben." Es müssen dicke Bretter gebohrt werden. Die Initiative ist auf fünf Jahre angelegt.

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