Vater niedergestochen: Attentäter akzeptiert Einweisung in Psychiatrie

rnLandgericht

Seit dem Messerangriff auf seinen eigenen Vater ist ein 30-jähriger Mann aus Castrop-Rauxel in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht. Und dort muss er auch bleiben.

Castrop-Rauxel

, 03.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 30-jährige Mann, der im Oktober am Hellweg in Castrop-Rauxel seinen Vater mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hat, wird viele Jahre in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verbringen müssen.

Das Dortmunder Schwurgericht hat die zeitlich unbefristete Einweisung beschlossen. Bestrafen konnte es den Beschuldigten nicht.

Vollständig schuldunfähig

Nach Ansicht des vom Gericht hinzugezogenen Psychiaters ist der 30-Jährige so schwer psychisch krank, dass er zur Tatzeit schuldunfähig war. Der junge Mann litt damals an schweren Wahnvorstellungen, redete sich unter anderem ein, sein Trinkwasser und seine Lebensmittel würden vergiftet.

Bei der Polizei sagte er später, sein Vater habe ihm alle inneren Organe entnommen. Daher sei er eigentlich schon so gut wie tot. Bei einer körperlichen Untersuchung des Mannes fiel den Beamten auf, dass er sich mit wasserfestem Stift alle Organe auf die Haut gemalt hatte.

Den Angriff auf den Vater konnte dennoch niemand kommen sehen. Am Abend des 10. Oktober 2019 fuhr der Beschuldigte zu seinen Eltern, um sich aus dem Keller den Computer der Mutter zu holen. Als sein Vater einschritt, wurde er von seinem Sohn mit einem Küchenmesser attackiert und schwer verletzt.

Die Klinge durchbohrte den Magen und den Dickdarm. Blutend schleppte sich der Vater nach draußen in die Einfahrt, wo er von dem rasenden Angreifer auch noch getreten wurde.

Mutter und Bruder verletzt

Auch die Mutter und der jüngere Bruder wurden von dem 30-Jährigen damals verletzt. Erst die herbeigerufene Polizei konnte den Mann stoppen. „Er war sehr aufgeregt und hat sich gewehrt“, gaben mehrere Polizisten am Mittwoch zu Protokoll.

Später habe der Messerstecher zwar mit sich reden lassen, dabei aber ganz klar zu erkennen gegeben, dass er psychisch völlig neben sich stand.

Der psychiatrische Sachverständige diagnostizierte bei dem jungen Mann eine paranoide Schizophrenie, die seiner Ansicht nach unbedingt medikamentös behandelt werden muss. Und dies müsse auch zwingend in einer geschlossenen Klinik geschehen, so der Gutachter. Andernfalls bestünde eine erhebliche Gefahr, dass der 30-Jährige wieder gewalttätig würde.

Verzicht auf Revision

Dass der Beschuldigte eine zeitlich unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie akzeptieren würde, hatte er die Richter bereits am ersten Verhandlungstag wissen lassen. „Ich möchte endlich gesund werden“, hatte er gesagt. Am Mittwoch akzeptierten er und sein Verteidiger Marco Ostmeyer dann auch sofort das Urteil des Dortmunder Schwurgerichts und verzichteten auf eine mögliche Revision beim Bundesgerichtshof.

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