Rose Sommer leitet die Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel. In den vergangenen Wochen suchten bei ihr mehrere Bürger Rat, die Post dubioser Inkassofirmen bekamen. © Verbraucherzentrale Castrop-Raux
Betrugsversuche

Verbraucherzentrale warnt vor dubiosen Briefen falscher Inkassofirmen

Die Verbraucherzentrale Castrop-Rauxel warnt vor dubiosen Briefen angeblicher Inkassofirmen, die im Auftrag der „Deutsche Gewinner Zentrale Lotto 6-49” zu Zahlungen auffordern.

In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Castrop-Rauxeler Rat suchend an die Verbraucherzentrale gewendet. Sie alle hatten im Briefkasten ein Schreiben von angeblichen Inkassofirmen vorgefunden.

Mal nennen sich die vermeintlichen Schuldeneintreiber Plus Kasse Inkasso AG, in anderen Fällen dann Köln Euro Inkasso AG.

Egal, ob nun ein gewisser Anwalt Dr. Mathias Müller und Dr. Frank Ehlers den Brief gegengezeichnet haben – weder finden sich Informationen über diese Firmen im Handelsregister, noch sind die Zeichner zugelassene Juristen.

Identisch ist aber laut Rose Sommer von der Verbraucherzentrale der Name jener Firma, für die Geld eingetrieben werden soll: „Die Adressaten sollen laut Briefinhalt kostenpflichtige Verträge mit dem Unternehmen ‚Deutsche Gewinner Zentrale Lotto 6-49‘ abgeschlossen haben“.

Keine Erinnerung an Vertragsabschluss

Obwohl die angeschriebenen Castrop-Rauxeler sich nicht an etwaige Verträge mit einer Firma solchen Namens hätten erinnern können, seien sie dennoch sehr besorgt gewesen. Sie befürchteten laut Rose Sommer, dass ihnen gerichtliche Maßnahmen drohen könnten, wenn sie nicht zahlten.

„Diese Schreiben sind als Betrugsversuche einzuordnen. Die Empfänger sollten auf keinen Fall die geforderten Beträge überweisen. Wichtig ist hier, schon im Vorfeld besonnen zu reagieren“, sagt Sommer.

Wer schon überwiesen habe und erst im Nachhinein den Irrtum feststelle, könne den Betrag in der Regel nicht über seine Bank zurückholen lassen.

So oder ähnlich sehen die dubiosen Briefe aus, die aktuell mehrere Castrop-Rauxeler bekommen haben. © Verbraucherzentrale © Verbraucherzentrale

Daran erkennt man den Betrugsversuch

Dass es sich bei den aktuell versendeten Schreiben um Betrugsversuche handelt, lässt sich laut der Verbraucherzentrale bei genauerer Betrachtung der Briefe herausfinden. Sie beinhalten zahlreiche Hinweise darauf, dass hier Betrüger am Werk sind.

  • Inkasso ist eine Rechtsdienstleistung. Dafür muss ein Inkasso-Unternehmen im sogenannten Rechtsdienstleistungsregister registriert sein. Die Registrierung erfolgt erst, wenn die Unternehmen ihre Sachkunde der Zulassungsbehörde gegenüber nachgewiesen haben. Diese Unternehmen sind nicht registriert. Sie dürften daher keiner Inkassotätigkeit nachgehen. Ein erster Hinweis können schon Warnmeldungen bei der Suche im Internet mit dem Firmennamen sein. An diese Unternehmen sollten Verbraucher also keinesfalls zahlen.
  • Wenn man auf Online-Karten nach den Absendern sucht, findet man unter den genannten Anschriften einen Wohnblock in Berlin im Stadtteil Pankow ohne Gewerbe beziehungsweise ein Bürogebäude in Köln, in dem kein Inkasso-Dienstleister seinen Sitz hat. Die genannten Firmen erscheinen an den jeweiligen Adressen nicht. In berechtigten Inkasso-Schreiben steht eine korrekte Anrede. Die hier verwendete Anrede „Sehr geehrte (r) Herr/Frau“ ist bei Inkasso-Dienstleistern nicht üblich.
  • Vorpfändung und Kontosperre gibt es. Allerdings wissen Verbraucher dann um Streitigkeiten mit einem Unternehmen und haben zuvor einen gerichtlichen Mahnbescheid zugestellt bekommen. Dieser Text soll Druck bei den Empfängern erzeugen, trotz Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Forderung die gewünschte Zahlung vorzunehmen.
  • Die angeblichen Rechtsanwälte Dr. Mathias Müller und Dr. Frank Ehlers sind nicht im bundesweiten Anwaltsverzeichnis gelistet. Es ist davon auszugehen, dass sie nicht existieren.
  • Auch an der Bezeichnung „Gerichtshof“ kann man die Unseriösität der Schreiben erkennen. „Gerichtshof“ ist die Bezeichnung für oberste Gerichte eines Landes. Genehmigungen zum Inkasso aber erteilt immer das zuständige Amts- oder Landgericht am Firmensitz, also die untere gerichtliche Ebene. Die Bezeichnung „Gerichtshof“ ist hier sachlich völlig falsch, soll aber den Druck auf die Empfänger erhöhen.
  • In Inkasso-Schreiben mit einer ordnungsgemäßen Forderungsaufstellung steht an erster Stelle immer der Begriff „Hauptforderung“. Dazu gibt es üblicherweise Angaben wie Kundennummer, Rechnungsnummer und Datum des Vertragsschlusses und/oder Datum der Rechnung. In diesen Schreiben fehlen diese Angaben völlig.
  • Die Regelungen zum Zahlungsverzug und die Folgen greifen nur dann, wenn Verbraucher zuvor einen kostenpflichtigen Vertrag geschlossen haben. In den vorgelegten Schreiben gibt es aber überhaupt keine Hinweise auf einen konkreten Vertragsschluss.
  • Die Überweisung soll auf ein griechisches Bankkonto erfolgen. Dass Überweisungen ins Ausland gefordert werden, ist bei in Deutschland zugelassenen Inkasso-Unternehmen absolut unüblich.

Betroffene können sich mit ihren Fragen auch direkt an die Beratungsstelle in der Mühlengasse wenden: Tel. 02305-69 879 01 oder per E-mail an castrop-rauxel@verbraucherzentrale.nrw

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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