Verdacht des Kindesmissbrauchs: Mann widersetzte sich der Festnahme

rnSpeichelprobe verweigert

Ein 40-jähriger Castrop-Rauxeler hat versucht, einer Speichelprobe zu entgehen, wehrte sich vehement gegen den Transport zur Wache. Grund: Verdacht des Kindesmissbrauchs.

Castrop-Rauxel

, 28.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ich habe doch nix getan“, sagte ein 40-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht als Erklärung dafür, dass er Termine bei der Kripo in Recklinghausen im vergangenen Jahr verstreichen ließ. Dort sollte er eine Speichelprobe abgeben. Denn auf ihm lastete ein schwerer Verdacht. Eltern hatten den Mann angezeigt, weil er in Habinghorst auf der Straße Kinder angesprochen und ihnen auf seinem Handy Fotos gezeigt hatte.

Angeklagter war nicht erschienen

Das hatte die schlimmsten Befürchtungen ausgelöst. Deswegen bestellte die Kripe den Geringverdiener bei den Ermittlungen zu sich. „Was wird denn gemacht?“, will er dort telefonisch erfragt haben. Und als die Antwort „Nichts Schlimmes“ lautete, habe er beschlossen, gar nicht zu erscheinen. Zumal sein Rechtsanwalt gesagt habe, dass er dort nicht unbedingt hingehen müsse.

Im Amtsgericht war er jetzt persönlich anwesend. Er schilderte zunächst seine körperlichen Handicaps - er ist auf einem Auge blind und auf einem Ohr schwerhörig. Diese Behinderungen führte er auch als Begründung an, den beiden Polizisten, die ihn schließlich zur Speichelprobe vorführen sollten, Widerstand geleistet zu haben. Er habe deren Dienstausweis nicht sehen, die Worte der Polizisten nicht verstehen können.

Widerstand an der Tür

Böses ahnend, habe er die einen Spalt breit geöffnete Wohnungstür wieder zudrücken wollen. Doch die Polizisten waren stärker, verschafften sich Zugang und fixierten den Mann, um ihn anschließend mit zur Wache zu nehmen.

Bis zur Wohnungstür hatten es die beiden Polizisten im März nur geschafft, weil ihnen ein Nachbar die Haustür öffnete. „Wir waren schon ein paar Mal vor Ort, aber der hat uns nie geöffnet, obwohl wir sicher waren, dass er zu Hause ist“, sagte einer der Polizisten. Und schilderte dann, dass der Angeklagte auf dem Weg zur Wache „wirre Dinge“ gesagt habe. Dass er ins Ausland gehe, sich gegen Fingerabdrücke mit Klebstoff auf den Kuppen wappnen wolle.

Fotos auf dem Handy ließen Beamte stutzen“

Folgen hatte die erkennungsdienstliche Behandlung des 40-Jährigen nicht. Denn der schwere Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern bestätigte sich nicht. Eine akribische Auswertung des Handys brachte keine Pornos zutage. Einige Fotos ließen die Beamten aber dennoch stutzen.

Sie sollen erwachsene Personen gezeigt haben, auf deren Rücken Kinder „akrobatische Übungen“ machten. Erwachsene wie Kinder waren bekleidet. Also laut Definition kein Porno. Dass es zumindest merkwürdig ist, mag man sich denken, es stellt jedoch keine Straftat dar.

Und da der Mann nicht deswegen, sondern wegen Widerstands gegen Polizeibeamte angeklagt war, was die Beamten als „leichten Fall“ einstuften, wurde das Verfahren am Amtsgericht eingestellt.

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