Gutachten soll Glaubwürdigkeit von Vergewaltigungs-Opfer überprüfen

rnLandgericht Bochum

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 30-Jährigen aus Castrop-Rauxel soll ein Gutachten eingeholt werden. Bis das fertig ist wird nicht verhandelt. Eine neue Regelung macht es möglich.

Castrop-Rauxel/Bochum

, 19.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 30-jährigen Mann aus Castrop-Rauxel haben die Bochumer Richter eine Art „Corona-Break“ bis Mitte Mai beschlossen. Bis dahin soll ein Glaubhaftigkeitsgutachten über die Aussagen der Belastungszeugin aus Herten erstellt werden.

Der Angeklagte hatte in dem im Februar am Bochumer Landgericht gestarteten Prozess zwar sexuellen Kontakt zu dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer zugegeben, dabei aber beteuert, es sei alles einvernehmlich und ohne auch nur einen Hauch von Gewalt abgelaufen.

Der 30-Jährige und ein Freund hatten die junge Frau und eine Freundin am 31. März 2019 in einer Disko in Recklinghausen kennengelernt. Auf Initiative des mutmaßlichen Opfers, so hatte der Angeklagte aus Castrop-Rauxel berichtet, habe sich die Gruppe in den frühen Morgenstunden schließlich mit einem Shuttle-Taxi zur Wohnung der Frau nach Herten chauffieren lassen.

Angeklagter beteuert: Habe keine Gewalt angewendet

Oben in der Wohnung angekommen, habe er sich dann mit der Hertenerin ins Schlafzimmer zurückgezogen. Dann sei es zum Sex gekommen. „Aber völlig ohne jeden Streit oder Gewalt“, so der Angeklagte.

Die Belastungszeugin dagegen hatte behauptet, dass der 30-Jährige im Schlafzimmer ihr „Nein“ auf sein Drängen nach Sex einfach ignoriert, sie stattdessen brutal mit seiner Hand an den Hals gegriffen, fixiert und dann vergewaltigt habe. Weil der Angeklagte massiv vorbestraft und doppelt unter Bewährung steht, droht ihm im Falle einer Verurteilung eine empfindliche Haftstrafe.

Neuer Gesetzespassus ermöglicht längere Prozessunterbrechung

Die Richter der 9. Strafkammer haben jetzt beschlossen, die Vorwürfe der Belastungszeugin aussagepsychologisch begutachten zu lassen. Da die Erstellung des Gutachtens Zeit braucht, üblicherweise aber mindestens alle drei Wochen einmal verhandelt werden muss, ist der Prozess nun nach einer neu im Gesetz aufgenommenen Infektionsschutz-Vorschrift länger als üblich unterbrochen worden.

Um zu verhindern, dass schon laufende Strafprozesse möglicherweise wegen der Corona-Pandemie in Serie platzen und noch einmal von vorne beginnen müssen, wurde zuletzt in der Strafprozessordnung eine Regelung zur „Hemmung der Unterbrechungsfristen wegen Infektionsschutzmaßnahmen“ eingeführt - analog zu den bereits geltenden Regeln bei Erkrankungen von Prozessbeteiligten. Die bisherige Maximal-Unterbrechung zwischen zwei Fortsetzungsterminen wurde dadurch auf bis zu drei Monate und zehn Tage erhöht.

Das aussagepsychologische Gutachten soll bis zum nächsten Fortsetzungstermin am 19. Mai fertiggestellt sein.

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