Vergewaltigungs-Vorwürfe: Druck auf Kampfsporttrainer (59) wächst

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Im Prozess gegen einen Kampfsporttrainer aus Castrop-Rauxel, der eine Ex-Schülerin in Dortmund vergewaltigt haben soll, haben ein Brief und ein Kuss den Druck auf den Angeklagten erhöht.

Bochum/Castrop-Rauxel/Dortmund

, 18.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Vernehmung zweier Schulfreundinnen des mutmaßlichen Opfers ist am Montag am Bochumer Landgericht der Vergewaltigungs-Prozess gegen einen Kampfsporttrainer (59) aus Castrop-Rauxel fortgesetzt worden. Der Druck auf den Angeklagten, der vor fast 30 Jahren eine seiner Ex-Schülerinnen in Dortmund vergewaltigt haben soll, ist danach sicher nicht kleiner geworden.

Das mutmaßliche Opfer hatte 2015 erstmals bei einer Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen (Wildwasser e.V.) von drei Vergewaltigungen durch ihren damaligen Taekwondo-Trainer in den Jahren 1991 bis 1993 berichtet. Eine Schulfreundin der heute 44-jährigen Pädagogin berichtete, von ihrer Freundin schon viel früher eingeweiht worden zu sein.

Brief im roten Umschlag überreicht

„Ich wusste immer, dass ihr etwas Schlimmes passiert ist“, sagte die Zeugin und überreichte den Richtern einen Brief im roten Umschlag aus dem Jahr 1993.

In dem Brief offenbart die damals 15-Jährige ihrer besten Freundin Ängste und Albträume. „Ich bin total fertig, habe alles in mich reingefressen“, heißt es darin.

Als Anlass für die emotionale Krise wird in dem Brief der Vorname des Kampfsporttrainers genannt: „Ich kann einfach nicht mehr weiter. Es ist alles wegen A.“

Auch in späteren Briefen, so die Zeugin, sei das Thema Vergewaltigung regelmäßig Thema gewesen - wenn auch immer indirekt und ohne Details. „Aber ich wusste immer, dass ihr etwas widerfahren ist, was sie nicht wollte“, sagte die Zeugin.

„Er war ein kleiner Charmeur“

Was kurz danach eine andere Schulfreundin des mutmaßlichen Opfers offenbarte, missfiel dem Kampfsporttrainer erkennbar. Die Zeugin, die vor 30 Jahren ebenfalls in dem Kampfsportverein trainierte, berichtete, dass der Angeklagte seine Aufgabe als Trainer zahlreicher deutlich jüngerer Mädchen genossen habe.

„Er war ein kleiner Charmeur, hat den Mädchen über die Haare gestrichen und mit uns rumgealbert“, so die Zeugin. Einmal auch habe er einer Taekwondo-Schülerin in einer Abstellkammer einen innigen Kuss gegeben.

Umkleidekabine des Vereins soll Tatort gewesen sein

Zwei von drei Taten sollen sich in den frühen 1990er-Jahren jeweils in der Umkleidekabine des Bochumer Kampfsportvereins ereignet haben, eine weitere in der ehemaligen Dortmunder Wohnung des Angeklagten. Eine heiße Spur führt zu einer möglichen Tatort-Wohnung in Dortmund-Barop.

Bei ihrer Zeugenvernehmung hatte sich das mutmaßliche Opfer zwar noch genau an den Zuschnitt der Dortmunder Wohnung ihres damaligen Trainers erinnern können – nicht aber an die genaue Anschrift.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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