Verlogener Staat! Shisha-Bars, Spielhallen und Sonnenstudios müssten verboten werden

rnKolumne „Schroeter denkt“

Es gibt viel Überflüssiges in der Welt. Aber Shisha-Bars, Spielhallen und Sonnenstudios sind nicht nur überflüssig. Sie sind auch gefährlich. Warum werden sie dann nicht verboten?

Castrop-Rauxel

, 20.05.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gibt im Leben viel Überflüssiges. Wir machen uns viel zu oft überflüssig Sorgen um Dinge, die nicht relevant sind. Wir häufen im Laufe des Lebens so viele überflüssige Dinge an, die dann unsere Keller, Garagen oder Dachböden verstopfen und das Leben erschweren.

Wir machen viel zu viele überflüssige Bekanntschaften. Small-Talk-Begegnungen bei Partys oder Geburtstagen, Schulfreunde, die nie Freunde waren, entfernte Verwandte, die man nie sehen und mit denen man nie etwas zu tun haben wollte.

„Es gibt sonne und sonne Menschen.“
Thomas Schroeter

Wir führen darum in unserem Leben derart viele überflüssige Gespräche, dass ich lieber nicht berechnen möchte, wie viel kostbare Lebenszeit ich damit vergeudet habe. Zeit, in der ich sinnvolle Sachen hätte tun können. Meine Steuerunterlagen vernünftig sortieren, alle Folgen von „Friends“ in einem Streifen durchgucken, für einen zweiten Marathon trainieren oder alle Bände von Karl May lesen.

Sie halten das eine oder andere davon für überflüssig? Jedes Wort über „Moin, wie is?“ ist für manchen Menschen schon überflüssig. Andere Zeitgenossen werden plappernd wach und schließen ihr Mundwerk erst wieder, wenn das Licht abends ausgeht. Es gibt sonne und sonne Menschen, wie meine Oma väterlicherseits einst sagte.

Aber vieles, was Menschen so ersinnen, ist komplett und ohne jede Diskussion überflüssig. Das Kochen von Dicken Bohnen gehört aus meiner Sicht unzweifelhaft, undiskutierbar und unumkehrlich dazu. Ähnliches gilt für Früchte, die mit Schokolade überzogen werden oder mit einer Zuckerglasur oder ähnlichem Unsinn. Hallo? Frucht? Gesund? Und dann Schoki? Ihr spinnt doch!

„Warum werden unsere Städte mit solchen Läden zugepflastert?“
Thomas Schroeter

Komplett überflüssig, und damit komme ich zum Kern meines Anliegens, sind aber ganz speziell viele Gewerbebetriebe, die mir bei meinen zugegeben eher seltenen Stadtbummeleien unter die Augen kommen. Zumal manche dieser Überflüssigkeiten sich offenbar prächtiger Nachfrage erfreuen, wenn man ihre Häufigkeit zugrunde legt.

Fingernagelstudios gehören dazu. Gut, ich bin Mann, käme eh nicht in die Verlegenheit, hinzugehen. Aber warum sich Frau ihre Nägel mit viel Aufwand und für ordentlich Geld mit Farbe, Glimmer und Kunststoff verhunzen lässt, ist mir nicht vermittelbar. Tattoostudios und Piercing-Niederlassungen gehören aus meiner Sicht in eine ähnliche Schublade.

Tut weh, ist aber nicht gefährlich

Aber letztlich bereiten mir diese Selbstverzierungen keine schlaflosen Nächte. Ich bin es nicht, der gestochen wird, also muss mich das nicht wirklich kratzen.

Anders wird es, wenn es um überflüssige Angebote geht, die auch noch der Gesundheit oder der Seele schaden. Und so habe ich drei Überflüssigkeiten in dieser Welt ausgemacht, die an Überflüssigkeit quasi nicht zu überbieten sind.

KOLUMNE

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  • Unser Autor Thomas Schroeter macht sich in dieser Kolumne regelmäßig Gedanken über die Stadt und die Politik, über kleine Aufreger und große Probleme, über Menschliches und Unsinniges. Das soll zum Nach- und Mitdenken anregen, aber durchaus auch zum Widerspruch.
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Um die Spannung nicht in ein unerträgliches Maß zu verlängern: Meine Ultima Ratio in Sachen Überflüssigkeit sind (in genau dieser Reihenfolge): Shisha-Bars, Spielhallen und Sonnenstudios. Oder können Sie mir erklären, worin auch nur ein halbwegs erklärbarer Nutzen in diesen drei Gewerben liegt?

Zu Shisha-Bars: „Dass der regelmäßige Konsum von Tabak mit Wasserpfeifen kaum weniger gesundheitliche Risiken mit sich bringt als das Rauchen von Zigaretten, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2005 nach der Auswertung damals verfügbarer Daten mitgeteilt. Neue Daten, unter anderem aus eigenen Forschungsarbeiten, lassen nun den Schluss zu, dass Wasserpfeifenkonsumenten mit dem Rauch erheblich höhere Mengen an Kohlenmonoxid aufnehmen als Zigarettenraucher.“

Zu Spielhallen: „Die meisten Menschen spielen aus Spaß. Für sie bleibt das Glücksspiel eine unproblematische Freizeitbeschäftigung. Andere hingegen verlieren diese Distanz. Für sie können sich aus dem Glücksspielen zunehmend Probleme entwickeln. Sie wenden immer mehr Zeit und Geld dafür auf, versuchen Verluste wieder auszugleichen und verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr Spielverhalten. Der Übergang zu einem riskanten, problematischen oder sogar pathologischen, also krankhaften Glücksspielen („Glücksspielsucht“), ist fließend.“

Zu Sonnenstudios: Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention: „Wer vor seinem 35. Lebensjahr etwa einmal pro Monat ins Solarium geht, verdoppelt dadurch sein Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.“ Statt vorzubräunen sollte man lieber erst im Urlaub seine Haut langsam an die Sonne gewöhnen - und dabei auf ausreichenden Sonnenschutz achten.

Der Staat macht sich völlig unglaubwürig

So. Und jetzt erkläre mir doch bitte ein einziger Mensch, warum wir solche Lokalitäten an jeder zweiten Ecke haben müssen? Warum sich unsere Gesellschaft nicht dagegen wehrt, dass unsere Städte mit solchen nicht nur überflüssigen, sondern auch gefährlichen Läden zugepflastert sind?

Ich bin nicht als der große Verbots-Prediger bekannt. An dieser Stelle aber sage ich: Ein Staat, der mich verhaftet, wenn ich mit 3 Gramm Haschisch erwischt werde, aber die Einnahmen aus Shisha-Bars, Sonnenstudios und Spielhallen dankbar auf seinem Konto verbucht, ist verlogen.

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