Verprügelter BVB-Fan sucht auf eigene Faust nach dem Täter

rnAmtsgericht

Auf dem Weg von einem Borussia-Dortmund-Spiel nach Castrop-Rauxel ist ein Fan am Bahnsteig niedergeschlagen worden. Dass der mutmaßliche Täter vor Gericht steht, ist nur dem Opfer zu verdanken.

Castrop-Rauxel

, 09.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

BVB-Fans hatten am 9. März 2019 allen Grund zur Freude. Schließlich hatte ihr Verein am Nachmittag den VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt. Doch die Stimmung im Zug Richtung Castrop-Rauxel war nicht überall fröhlich. Das musste ein 31-Jähriger am eigenen Leib erfahren.

„Die Bahn war voll und ich stand im Bereich der Tür gedrängt mit vielen anderen Mitfahrern“, schildert der Personalberater die Situation. Einer der Fans habe herumgepöbelt, die Umstehenden angemacht. Dabei auch eine junge Frau.

„Da habe ich mich eingemischt und gefragt: ‚Für wen halten Sie sich eigentlich?‘“, sagte er. Was mit „Was willst du Schwuchtel?“ erwidert worden sei.

Am Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof angekommen, stiegen sie aus. Der Pöbler mit einigen Kollegen, der 31-Jährige allein. Anfangs konnten einige der Gruppe den aggressiven Kollegen noch zurückhalten, doch dann riss er sich los, ging auf den 31-Jährigen los.

BVB-Fan traf Faustschlag mitten ins Gesicht

Mit einem Faustschlag mitten ins Gesicht streckte er ihn nieder. „Ich bin zu Boden gegangen, war wohl kurz bewusstlos“, berichtet er. Er habe um Hilfe geschrieen, doch von den zahlreichen Fans, die mit ihm den Zug verlassen hatten, blieben nur drei zurück, halfen dem Verletzten. Riefen Polizei und Krankenwagen.

Den eigentlichen Vorfall hatten sie nicht gesehen, konnten den Täter nicht beschreiben.

Der Geschädigte, der eine Nasenprellung, eine schwere Gehirnerschütterung und einen Kapselabriss in der Hand davontrug, hatte sich dessen Gesicht dagegen eingeprägt.

Opfer suchte selbst nach dem Täter

Als die Polizei die Ermittlungen gegen Unbekannt einstellte, machte er sich in den sozialen Netzwerken auf die Suche – und wurde fündig. Auf einem Foto eines hiesigen Fanclubs entdeckte er seinen Peiniger. „Ich hatte mir geschworen, ihn zu finden“, erklärte er sein Bemühen. Und erstattete Anzeige gegen den 49-Jährigen.

Der ließ auf der Anklagebank allein seinen Anwalt reden, machte von seinem Recht zu schweigen Gebrauch. Einen Schlag gab er über den Anwalt zu, er sei provoziert worden, so die Begründung.

Für den Angeklagten steht einiges auf dem Spiel. So will der Geschädigte neben dem Strafverfahren, wo über die Körperverletzung geurteilt wird, auf dem zivilen Klageweg Schmerzensgeld und Lohnausfall fordern.

Fortsetzung folgt

Bevor der Strafrichter sein Urteil fällt, geht das Nachspiel vor Gericht in die Verlängerung. Ende Oktober will der Richter weitere Zeugen anhören, die Kollegen aus dem Fanclub des Angeklagten sowie den Bekannten, der den 31-Jährigen im Zug begleitet hat, aber weitergefahren ist. Ein Bericht des behandelnden Arztes soll die erlittenen Verletzungen belegen.

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